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Kirchen am See läuten neues Klimazeitalter ein

Den Kirchenoberen zum Trotz warnen die hiesigen Kirchenglocken morgen vor dem Klimawandel. Um 15 Uhr werden sie geläutet - mit Nebengeräuschen.

In diesen Tagen blickt die ganze Welt gespannt nach Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt werden die Weichen für ein neues Klimaabkommen gestellt. Die grosse Bedeutung dieser Klimakonferenz will der ökumenische Rat der Kirchen und Hilfswerke würdigen. Geplant war, dass morgen Nachmittag die Kirchenglocken schweizweit für eine Viertelstunde läuten.

Diese Idee fand allerdings nicht überall Anklang. Der Kirchenrat des Kantons Zürich sprach sich dagegen aus. Die Begründung: Das Läuten der Kirchenglocken sei eines der ältesten und stärksten Kommunikationsmittel der Kirchen und dürfe nur mit grosser Zurückhaltung eingesetzt werden.

Nicht nur positive Reaktionen

Im Bezirk Meilen hingegen erwärmten sich viele Kirchengemeinden und Pfarrer für diesen symbolischen Akt. Kurzerhand wurden für den Sonntag, 13. Dezember, Fürbittgottesdienste einberufen, um für ein Gelingen der Klimakonferenz und rasches Handeln zu beten. Damit umging man - nach Basler Vorbild - den Einwand des Kirchenrates. Von alters her rufen die Glocken nämlich zum Gebet und Gottesdienst.

Gina Schibler ist Pfarrerin der reformierten Kirche in Erlenbach und Präsidentin des Zürcher Pfarrvereins, der beschlossen hat, das Glockenläuten mit einem Klimagebet zu verbinden. «Der Klimawandel betrifft uns alle, er darf den Christen nicht egal sein», sagt Schibler. Sie wolle den Leuten ihre ökologische Verantwortung bewusst machen, wobei die Kirche als Vorbild vorangehen müsse. «Die Kirche hat viele Immobilien, die noch immer nicht klimaneutral ausgestaltet sind», sagt sie.

Die Reaktionen der Kirchengänger fallen laut Schibler gemischt aus: «Die einen haben ihre Teilnahme am Fürbittgottesdienst sogleich zugesagt. Andere wiederum sind skeptisch, weil sie glauben, Gott habe bereits einen Plan und werde sich für das Gute einsetzen.» Deshalb will Schibler den Gottesdienst eher kurz halten und auf eine lange Predigt verzichten. «Ich freue mich aber auf Gespräche mit Gemeindemitgliedern im Anschluss», sagt sie. «Ich würde gerne darüber reden, wie wir als Christen Verantwortung übernehmen können.»

Auch die reformierte Kirche in Meilen hält den speziellen Hilferuf für eine gute Sache. Gerade im Bezirkshauptort geniesst die Klimapolitik einen hohen Stellenwert. Vor Jahresfrist lancierte die reformierte Kirchengemeinde das Projekt «Grüene Güggel». Dabei steht ein vernünftiger und nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen im Vordergrund. «Wir sind stolz auf dieses Projekt und hoffen, dass es bald in der ganzen Schweiz Schule macht», sagt Pfarrer Mathias Rissi.

Neben den reformierten Kirchen in Erlenbach und Meilen beteiligen sich auch jene in Uetikon, Männedorf, Stäfa und Hombrechtikon an der Aktion. «Die Initiative in dieser Angelegenheit kommt ganz klar von reformierter Seite, wobei wir natürlich versucht haben, auch die Katholiken zu mobilisieren», sagt Schibler. Gelungen ist dies in Meilen und Männedorf sowie in Zollikon, auf dem Zollikerberg und in Zumikon, wo sich reformierte und katholische Kirchen zusammentun. Sie läuten gemeinsam in der katholischen Dreifaltigkeitskirche.

Dass so viele mitmachen, freut Mathias Rissi: «Die Kirchenglocken von nur einer Kirche hätten nichts genützt, aber dieser gemeinsame Aufruf wird auf alle Fälle wahrgenommen werden.»

Küsnacht und Stäfa scheren aus

Die Glocken der katholischen Kirche in Stäfa gehören zu denen, die morgen stumm bleiben. Grundsätzlich hält Pfarrer Kurt Vogt den Klimawandel zwar für eine wichtige Angelegenheit, er will beim Einsatz der Kirchenglocken aber andere Prioritäten setzen. «Es gibt weltweit noch viele weitere Probleme, auf die man ebenfalls aufmerksam machen müsste», sagt er. Halte man nicht Mass, würden die Glocken viel zu oft läuten.

Ähnlich tönt es in Küsnacht. Die lokalen Kirchen verzichten auf Gebetsfeiern zum Klimagipfel. Bei der reformierten Anlaufstelle heisst es auf Anfrage, dass man sich in diesem Fall generell an die Empfehlung des Kirchenrates halte. Es sei kein religiöser Hintergrund ersichtlich. Die Kirchenglocken hätten in den vergangenen Jahren nur bei den Terroranschlägen in den USA, beim Amoklauf in Zug und beim Tsunami in Südostasien aus aktuellem Anlass geläutet. Was den Klimaschutz betrifft, lasse man lieber Taten sprechen. So sei die Kirche zuletzt umweltfreundlich renoviert worden. Patrick Knabenhans

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