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Klettertour auf Gottes Dachstuhl

Die Stäfner haben die Renovationsarbeiten an ihrer Kirche von ganz nah beobachten können.

Von Maria Zachariadis Stäfa – 70 Leute erklommen am Samstag die völlig eingerüstete reformierte Kirche von Stäfa. Sie wollten sich ein Bild davon machen, wie es mit der 4,4 Millionen Franken teuren Renovation vorangeht – nicht etwa auf eigene Faust, sondern unter kundiger Führung von Liegenschaftenverwalterin Yvonne Moor und Architekt Muck Wenger. Bereits vollendet ist das Ziegeldach, das von Schmutz und Moos gereinigt wurde. Speziell erwähnte Wenger die alten, noch von Hand gefertigten, gelben Zürcher Ziegel, die nicht mehr hergestellt werden und deshalb als Rarität gelten. Und er erklärte, weshalb man sie trotzdem noch bekommt: «Es gibt zum Glück Dachdecker, die diese kostbaren Ziegel beim Abbruch eines Hauses aufkaufen, um sie bei Bedarf wieder einzusetzen.»Wer am Aussengerüst bis auf Höhe der Dachrinne hinaufsteigen wollte, musste schwindelfrei sein. An einer Stelle gewährte Wenger einen Blick unter die Ziegel ins Dachgebälk und wies darauf hin, wie die Aussendecke früher noch mit Seegras umlegt und mit Kalk verpappt worden war. Im Deckenbereich, zwischen den Steinen und der Holzkonstruktion unter dem Dach, werden demnächst Metallträger horizontal eingezogen, wie Wenger ausführte. Die Träger sollen die nach aussen geneigten Wände zusammenhalten, damit die Statik wieder gewährleistet ist. Mit Kälberhaar und Sumpfkalk Ernüchternd präsentierte sich das Innere der Kirche. Ohne die hölzernen Sitzreihen und ohne das Täfer sieht der Raum aus wie eine einzige Baustelle, in der die Farbe Grau dominiert. Da der gesamte Verputz erneuert wird, verlaufen den nackten Wänden entlang Gerüste. Die Kronleuchter sind zum Schutz eingepackt, genauso wie die Orgel, deren Pfeifen mehrheitlich ausgebaut worden sind. Überall liegt Staub. Gefallen fanden die Besucher daran, auf steilen Leitern zur sonst unnahbaren Gewölbedecke hinaufzusteigen. Auf dieser Holzetage konnten sie die Stuckaturen berühren. Hier unter der Decke sind Restauratoren daran, mit Wasserdampf alte Farbe und verkrustete Verpappung minuziös von den Stuckaturen wegzuschaben, ohne den Gips zu verletzen. Daneben sind Stuckateure damit beschäftigt, mit einem Gemisch aus Kälberhaar, Sumpfkalk und Sand die unzähligen Risse an der Decke zu verkleben. Es sei wichtig, betonte einer von ihnen, dass man bei einer derartigen Sanierung dieselben Materialien verwende wie zur Zeit, als die Decke entstand. Mehr Platz in der ersten Reihe Letzte Station war das Turmzimmer. Es befindet sich dort, wo um 940 die erste Chorturmkirche in Stäfa erstellt wurde und wo der heutige Turm sich erhebt. Der Raum diente lange als Abstellkammer, wird nun aber zum «Raum der Stille» umfunktioniert. Zum Schluss der Führung konnte Kirchenpflegerin Yvonne Moor eine Besucherin beruhigen, die sich über mangelnde Beinfreiheit in der ersten Sitzreihe ärgerte: Weil Bankreihen herausgenommen werden, wird es künftig auch dort so bequem sein wie hinten. Wer schwindelfrei war, konnte oben einen Blick auf die seltenen, von Hand gefertigten Ziegel werfen. Foto: Reto Schneider

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