Zum Hauptinhalt springen

König Wenger als Zugpferd

Unter der Leitung von Daniel Reichlin und im Sog des Eidgenössischen hat der Schwingklub Zürich wieder vermehrt die Gunst der Jugendlichen gewonnen.

Von Kai Müller Schwingen und Grossstadt – auf den ersten Blick passt diese Kombination nicht. Gerade im mondänen Zürich, wo urchige Sportarten in der Regel auf weniger Interesse stossen als in ländlichen Gegenden und die Alternativen für Jugendliche zahlreich sind. Dass das Brauchtum in der Limmatstadt ein Schattendasein fristet, unterstreicht die Aussage von Daniel Reichlin, Jungschwingerleiter des SK Zürich: «Selbst im Quartier wissen viele Leute nicht, dass es einen Schwingklub gibt.» Im Quartier heisst im Kreis 6, in unmittelbarer Nähe der Seilbahn Rigiblick, wo sich die Trainingshalle befindet. Der Nationalsport hat in Zürich jedoch eine lange Tradition. 1897 gegründet, ist der Schwingklub der älteste der Schweiz. Das mag überraschen. Präsident Ruedi Schweizer (56), der das Amt seit November 2009 ausübt und seit 15 Jahren dem Vorstand angehört, erklärt: «Der Klub ging aus dem Turnverein Alte Sektion Zürich hervor, von dem sich unsere Gründungsväter abspalteten.» 1923 holte Karl Thommen in Vevey den ersten Königstitel nach Zürich. Es blieb der einzige. Fast 90 Jahre später sind solche Erfolge in weiter Ferne. Doch es tut sich etwas im SK Zürich. Zeitweise ohne Jungschwinger Der Klub versucht mit verschiedenen Mitteln, Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Schnuppertag im Herbst gehört genauso dazu wie Auftritte an Open Airs oder etwa am Züri-Fäscht. «Aufwand und Ertrag stehen natürlich in einem Missverhältnis, zumal wir alle voll berufstätig sind», sagt Reichlin. «Aber durch unsere Arbeit können wir immer wieder den einen oder anderen für den Sport begeistern.» Noch vor einem Jahrzehnt hatte der SK Zürich keinen einzigen Jungschwinger. «Lange wurde viel zu wenig investiert. Das Fehlen einer Generation merken wir heute noch», sagt Präsident Schweizer. Seit Reichlin vor rund neun Jahren das Zepter übernommen hat, hat sich die Situation entschärft. Schweizer lobt: «Er hat einen Riesenanteil am Zulauf.» Mittlerweile steigen jeden Mittwochabend bis zu zehn Jungschwinger ins Sägemehl. «Nachwuchssorgen haben wir zwar immer, aber es ist besser als auch schon», sagt Reichlin. Der 31-jährige Zimmermann, der früher selber schwang, seine Karriere wegen Kniebeschwerden aber mit 22 beenden musste, machte sich die Zugkraft des letztjährigen Eidgenössischen in Frauenfeld zunutze. Der letzte Schnuppertag überzeugte ein halbes Dutzend Jugendliche, die seither regelmässig in die Zwilchhose schlüpfen. «Das ist eine sehr gute Quote. Normalerweise sind wir froh, wenn von vier Schulklassen einer bleibt», sagt Reichlin. Seit über die Eidgenössischen Schwingfeste im grossen Stil berichtet werde, sei dieses Phänomen immer wieder zu beobachten. «Die mediale Präsenz hilft uns enorm. Dazu kommt, dass Kilian Wenger ein sehr beliebter König ist, ein junger Athlet, kein dicker, schwerer Brocken.» Warten auf den Durchbruch Noch wartet auf die jungen Stadtzürcher Schwinger viel Arbeit auf dem Weg zu Auszeichnungen und Kränzen, doch Reichlin glaubt: «Sie kommen.» Einen Schritt weiter ist das Aktiven-Trio, mit dem er einst seine Arbeit als Jungschwingerleiter begann: Yannick Roderer (Jahrgang 1991) sowie die Brüder Patrick (1991) und Tobias Burkhard (1989). «Sie haben in diesem Jahr Chancen auf einen Kranz», ist sich Reichlin, dem diese Auszeichnung verwehrt blieb, sicher. Auch Schweizer hofft auf den Durchbruch. «Das wäre ein schöner Lohn für die jahrelange Aufbauarbeit.» Beim Auftakt vor drei Tagen am Schaffhauser Frühjahrsschwinget in Trüllikon kam Roderer, der als Einziger antrat, zwar nicht über den 14. Rang hinaus. Doch bis zum Kantonalschwingfest in Hochfelden bleiben zweieinhalb Wochen Vorbereitungszeit. Dann kann das Trio beweisen, dass die Stadt Zürich auch heutzutage gute Schwinger beherbergt. «Die mediale Präsenz hilft uns enorm. Dazu kommt, dass Kilian Wenger ein sehr beliebter Schwingerkönig ist.» Daniel Reichlin, Jungschwingerleiter Vor einem Jahrzehnt hatte der SK Zürich noch keinen einzigen Jungschwinger. Nachdem Daniel Reichlin das Zepter übernahm, entschärfte sich die Situation. Foto: Doris Fanconi

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch