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Krankenkasse Wieso die Einheitskasse die Prämien nicht senkt, TA vom 4. 11. Bei Anruf Krankenkasse, TA vom 9. 11.

Eine Totgeburt und lauter hohle Versprechungen. Franz Steinegger liegt einmal mehr goldrichtig mit seiner Einheitskasse. Das Krankenversicherungsgesetz war von Anfang an eine Totgeburt und wurde nur angenommen, weil eine kleine Mehrheit des Stimmvolkes an die schon damals hohlen Versprechungen glaubte. Seither schnipselt bereits die dritte Generation Bundesrat an der Leiche herum, und wir zahlen immer höhere Prämien. Wie krank muss ein Gesundheitswesen sein, wenn jeden Herbst dieselbe Leier losgeht: «Wenn Sie weniger bezahlen wollen, müssen Sie die Kasse wechseln!» Dann meldet sich die Politik und will die aggressive Telefonwerbung der Krankenkassen verbieten, anstatt dass sie die Ursachen des ganzen Übels beseitigt und das bestehende System endlich zu Grabe trägt.

Erwin Müri, Feldmeilen

Das Abstimmungsvolk hatte Sand in den Augen.

Eigenartig: plötzlich tönt es auch von «vernünftiger» (lies: «bürgerlicher») Seite so, wie wenn es naheliegend und einleuchtend wäre, dass eine einheitliche Krankenversicherung wesentliche Vorteile gegenüber dem heutigen «Wettbewerb» zwischen beinahe neunzig verschiedenen Krankenkassen hätte. In den Diskussionen vor der entsprechenden Abstimmung vom 11. März 2007 tönte es in der Schweiz noch mehrheitlich ganz anders. Die Stimmung kam denn auch im Abstimmungsresultat deutlich zum Ausdruck. Das Wählervolk liess sich damals Sand in die Augen streuen. Der Zauberspruch «nur der freie Wettbewerb zwischen den Kassen garantiert tiefe Prämien» benebelte das Urteilsvermögen der Nein-Stimmenden.

Janos Sipos, Wettswil

Die Kosten unter Kontrolle zu halten, gelingt nur wenigen Ländern.

Ex-FDP-Präsident Steinegger hat als langjähriger Suva-Präsident einiges übers Versicherungswesen gelernt und schlägt nun eine Einheitskasse vor. Dabei vergisst er erstens, dass in einem Anbietermarkt, der das Gesundheitswesen nun mal ist, die Marktgesetze weitgehend nicht funktionieren. Das sollten jetzt auch Wettbewerbsfetischisten einsehen, vor allem nach dem Kollaps der neoliberalen Ideologie. Und zweitens: weltweit gibt es kein einziges Beispiel, wo der Wettbewerb zu tieferen Kosten im Gesundheitswesen geführt hätte. Die Gesundheitskosten einigermassen unter Kontrolle zu halten, ist bis jetzt nur Ländern mit einer Einheitskasse oder ähnlichen Mechanismen (Kanada, Skandinavien usw.) gelungen. Es stimmt, dass vor kurzem das Volk mit 71 Prozent die Einheitskasseninitiative verworfen hat. Nur: Damals war die Lage noch anders, und vor allem hatte der Bundesrat versprochen, «alles würde bald besser»,

Der kürzlich abgetretene Bundesrat Pascal Couchepin hatte mit vielen Tricks die Krankenkassenprämien tief gehalten und zudem: Die Initiative sah auch abkommensabhängige Prämien vor. Bei der jetzt vorgesehenen Initiative ist dies nicht mehr der Fall.

Franco Cavalli, Bellinzona Chefarzt/Alt-Nationalrat

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