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Kriegsspiele in Stäfner Kiesgrube

Wo junge Paintballer sich mit Farbkugeln beschiessen, bleibt den Arbeitern der Ärger über Abfall und Flecken.

Stäfa - Ein Kämpfer verschanzt sich hinter dem Vorbau der kleinen Baracke. Ein anderer schleicht sich, das Gewehr im Anschlag, zwischen den Geröllhaufen an. Beide sind in dicke Schutzkleidung gehüllt. Plötzlich stürmt der Angreifer das Versteck des anderen. Es knattert aus zwei Läufen, farbige Kugeln von der Grösse einer Heidelbeere zerplatzen auf dem Körper des Gegners und an den Wänden der Baracke. Das Spiel ist aus. Die beiden Männer sind ausser Atem. Doch dann geht das Versteckspiel wieder von vorne los.

Diese Szene beobachtete kürzlich ein Passant auf seiner Jogging-Runde, die an der kleinen Kiesgrube oberhalb der Stäfner Aberenstrasse vorbeiführt. Ein Augenschein vor Ort zeigt, was von den Schlachten übrig bleibt. Kugeln und mit Farbe verklebte Hülsen sind über den ganzen Boden verstreut. Am kleinen Bürogebäude, an Maschinen und Steinen zeugen zerlaufene Farbflecke vom kriegerischen Spiel der jungen Erwachsenen.

«Das ist eine Sauerei, was die hier veranstalten», sagt ein Mitarbeiter des Betriebs, der Kies, Sand und Ton abbaut. Die Paintball-Spieler seien wohl schon an einigen Wochenenden in der Grube gewesen, sagt er. Gesehen habe er sie noch nie - nur ihre Spuren. Am meisten ärgert den Baggerführer, dass offenbar achtlos in die Kies- und Steinhaufen geschossen werde. Kunden hätten wegen der Farbe und der Plastikteile, die sich im Kies und in den Gesteinsladungen befinden, reklamiert. «Ich musste schon Steine putzen, die für einen Gärtnereibetrieb bestimmt waren», sagt er. Etwas entspannter nimmt es der Besitzer der Kiesgrube, Ferdinand Oberholzer. Er wisse nichts von den Paintballern auf seinem Gelände. «Solange sie nichts kaputt machen, können sie treiben, was sie wollen», sagt er.

Paintball ist eine Art modernes «Räuber und Poli» und gilt als Sportart. Das Spiel erfreut sich auch in der Schweiz grosser Beliebtheit und hat bereits für heftige Kontroversen gesorgt. Beim Paintball bekämpfen sich zwei Mannschaften auf einem abgegrenzten Spielfeld mit gasdruckbetriebenen Pistolen und Gewehren. Diese werden Markierer genannt und fallen unter das Waffengesetz. Als Munition dienen Farbkugeln, die beim Aufprall zerplatzen.

In Zürcher Wäldern verboten

Bis vor einigen Jahren fanden auch im Küsnachter Tobel unterhalb vom Limberg regelmässig professionell organisierte Paintball-Schlachten statt. Der Kanton erteilt jedoch für das Spiel in Erholungsgebieten keine Bewilligungen mehr. Seit 2008 ist darum Paintball auch im Wald verboten.

Paintball-Markierer unterscheiden sich von den verwandten Softair-Waffen. Diese sehen echten Waffen zum Verwechseln ähnlich und werden mit wesentlich kleineren Plastikkügelchen geladen, die nicht zerplatzen. Diesem Spiel widmen sich etwa die Mitglieder des Herrliberger Gotcha Clubs. Sie tragen ihre Gefechte in einem privaten Waldstück in Herrliberg aus. Im Gegensatz zu den Paintballern haben sie dafür eine Erlaubnis.

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