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Kultur ausserhalb der Stadt

Rolf Lyssy ist Filmregisseur («Die Schweizermacher») und Autor.

Rolf Lyssy Wir können uns ja in dieser Stadt wahrlich nicht beklagen über zu wenig Kulturfutter. Ganz im Gegenteil, manchmal weiss man vor lauter Angebotsflut nicht, welche Prioritäten man setzen soll. Was sollte man, was müsste man gesehen oder gehört haben? Was wird man für den Rest des Lebens bereuen, wenn man nicht dabei war? Und weil man sich so sehr auf die Stadt fokussiert, erst recht, wenn man, wie ich, mittendrin lebt, kann es geschehen, dass man schon gar nicht auf die Idee kommt, sich kundig zu machen, was denn ausserhalb der Stadtgrenzen auch noch angeboten wird. Und ich kann Ihnen sagen, es läuft einiges. Zum Beispiel in der Kulturschiene Herrliberg/Feldmeilen. Die S-Bahn bringt einen ab HB oder Stadelhofen ruck, zuck zur gleichnamigen Station. Schneller, bequemer und direkter wird man nirgends zur Kultur geführt. Nach wenigen Schritten tritt man durch eine breite Schiebetür und befindet sich in einem holzgefassten, stimmungsvollen Raum, wo Ausstellungen, Konzerte, Vorträge und Feste aller Art stattfinden. Dem 100-jährigen ausgedienten SBB-Güterschuppen wurde vor 11 Jahren neues Leben eingehaucht. Verantwortlich für die Programmgestaltung ist Marielen Uster, und was sie von Frühling bis Herbst zu bieten hat, ist Kultur vom Feinsten. Unvergesslich vor kurzem ein Konzert des Grand Seigneur der Schweizer Jazzszene Georg Gruntz am Flügel, im Zusammenspiel mit dem, um fünfzig Jahre jüngeren, hochbegabten Violinisten Tobias Preisig. Ich kann nur sagen, es ging die Post ab. Was «Grossvater» und «Enkel» virtuos und einfühlsam, swingend und voller Humor vortrugen, war ein musikalisches Erlebnis der Extraklasse. Mit diesem Kulturseitenblick wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen, einen beschwingten, sonnenvollen Sommer. Man sieht sich in der Kulturschiene.

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