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Kultur Wenn die Oper zu Google geht, TA vom 10. 6.

Klassische Musik verlangt Verständnis.

Nun versuchen also auch die legendären Berliner Philharmoniker «das Pferd am Schwanz aufzuzäumen», das heisst: ihre philharmonischen Darbietungen elektronisch vermanschen zu lassen. Und warum eigentlich? Weil die klassische Musikpflege, das einstige Steckenpferd konservativ-begüterter Kreise, lahmt. Ist die Klassische Musik auf der Flucht aus dem Konzertsaal oder auf der Flucht vor sich selbst? Keine Frage: das gewaltige Erbe der anspruchsvollen Musik hat sich in der Beschleunigungsgesellschaft mit ihren permanenten Trendwechseln noch längst nicht zurechtgefunden. Doch Hand aufs Herz: Das Problem dieser Musik liegt ja ganz anderswo. Klassische Musik ist fordernd, anstrengend, verlangt Zuneigung und Verständnis und irgendwo auch Kenntnis, sonst fällt sie ins Leere. Wer seine Finger keine zehn Minuten vom Blackberry lassen kann, dem kommt die Siebente von Bruckner mit ihren siebzig Minuten vor wie die Ewigkeit. Klassik wird nicht «mehrheitsfähig», indem man ihr mittels fragwürdiger Events und Tricks das Genick bricht. Brecht würde sagen: «Ich habe zwar ein Rückgrat, aber nicht zum Brechen.»

Armin Brunner, Zollikon

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