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Kunstaktion ohne Publikum

Ein Klangbaum mit 14 Handys sollte gestern in Dübendorf für Irritationen sorgen. Doch die Passanten ignorierten die Installation der Künstlerin Brigitte Fries.

Dübendorf - Normalerweise werden Handys in der Hand getragen oder plärren in der Jackentasche. Gestern Nachmittag ertönen während zehn Minuten 14 Mobiltelefone - an einem Baum hängend - hinter dem Dübendorfer Stadthaus. Als erstes ist dasjenige eines Asylbewerbers aus Somalia zu hören: als Rufton ein Volkslied aus dem fernen Afrika. Künstlerin Brigitte Fries aus Gockhausen lächelt. Sie hat ein Ziel mit ihrer Aktion erreicht. Zuvor hat sie erklärt: «Der Klangbaum mit den 14 gleichzeitig klingelnden Handys soll auch verschiedene Kulturen miteinander verbinden.» Das gelingt in der Gruppe der 14 Personen aus Dübendorf, zu der drei Asylsuchende aus Somalia und Sri Lanka zählen.

Nervös vor der Aktion

Die als visuelle Kommunikatorin bekannt gewordene Brigitte Fries belegt als Stipendiatin das städtische Kunstatelier. Bereits eineinhalb Stunden vor der Aktion tigert sie durch die Räumlichkeiten. Sie ist enorm nervös. Der Klangbaum ist das zweite von mehreren Momentmalen, die sie Dübendorf präsentiert. Sie weiss genau, was sie damit erreichen will: «Die 14 Personen, die ihre Handys an den Baum hängen, sollen mit den unterschiedlichen Tönen für Irritationen bei den Passanten sorgen. Diese sollen innehalten, überrascht sein und Neues im gewohnten Stadtraum entdecken.» Botschaften, so Fries, wolle sie nicht vermitteln. Der Klangbaum solle die Kommunikation in der Stadt in Schwung bringen. Die Künstlerin sagt: «Ich erhoffe mir poetische, schöne Klänge. Auf keinen Fall möchte ich, dass die Aktion zu einem akustischen Albtraum wird.»

Künstlerin genoss Experiment

Alle 14 Handys ertönen gleichzeitg. Toni Käslin aus Gockhausen hört seines und stellt fest: «Der Klangbaum ist eine Kakofonie mit einem trotzdem eingängigen Rhythmus.» Nur: Die wenigen Passanten ignorieren die Installation von Fries bewusst. Schnellen Schrittes gehen sie am Klangbaum vorbei. Enttäuscht darüber ist die Künstlerin nicht: «Man weiss nie, wie ein Experiment ankommt. Immerhin haben es die Teilnehmer genossen.»

Ende Januar hatte sich die Gockhauserin mit dem letzten Momentmal mehr Aufmerksamkeit gesichert. Damals hatte sie einen roten See aus Randensaft auf die schneebedeckte Wiese hinter dem Stadthaus gesprüht. Die Polizei wurde alarmiert.Ein Polizist hatte sogar am Geisteszustand der Künstlerin gezweifelt. Brigitte Fries hängt die wasserdicht verpackten Handys auf. Bild: Christoph Kaminski

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