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Liliane Minor

Abstimmung vom 27. November Der Kantonsrat will längere oder neue Pisten in Kloten verhindern.Pistenausbaustopp am Flughafen? Wieder einmal können sich die Zürcher Stimmberechtigten zu einer Vorlage äussern, die den Flughafen einschränken will &endash und wieder einmal schwingen die Gegner die übliche argumentative Keule. Sie drohen mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft, wenn dem Flughafen mittels eines Pisten- ausbaustopps alle Optionen für die Zukunft verbaut würden. Die Schweiz, so behaupten sie, würde den Anschluss an die Welt verlieren. Das ist Panikmache. Bei einem Ja wird kein einziger Flug gestrichen. Im Gegenteil, es sind noch weit über 70 000 zusätzliche Flüge pro Jahr möglich &endash das entspricht gegenüber heute einer Steigerung um etwa ein Viertel. Das reicht auf Jahre hinaus. Einmal abgesehen davon, dass der Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Flughafenwachstum ohnehin nicht so eindeutig ist. In den letzten Jahren etwa wuchs die Wirtschaft munter weiter, während der Flughafen auf ungefähr gleichbleibendem Niveau vor sich hin dümpelte. Weiter stellt sich die Frage, von welchen Ausbauoptionen die Gegner denn träumen. Der einzige Pistenausbau, der laut den Vorgaben des Bundes zulässig ist, erlaubt nicht mehr Flüge als das heutige Pistensystem, wenn man den Berechnungen des Bundes und den Beteuerungen von Flughafenchef Thomas Kern glaubt. Bei 350 000 Bewegungen ist so oder so Schluss. Die Argumentation der Gegner geht also nicht auf. Oder verschweigen die Flughafenverantwortlichen ihre Ziele und die wahren Kapazitäten einer Pistenverlängerung? Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass mit unzutreffenden Zahlen jongliert wird. So war in den Abstimmungsunterlagen zum Bau des Docks E von höchstens 250 000 Flugbewegungen pro Jahr die Rede. Kaum stand das Dock, sprach der Flughafen plötzlich von 420 000. Aber selbst wenn eine Verlängerung der Pisten einzig einem stabileren Flugbetrieb und einer Entlastung des Südens dient, ist sie nicht sinnvoll. Denn damit würde der Osten mit einer Rücksichtslosigkeit sondergleichen dem Fluglärm geopfert &endash eine Region notabene, die bis vor zehn Jahren noch kaum Fluglärm hatte. Die dortige Bevölkerung müsste neu sechs Stunden Fluglärm pro Tag ertragen, dreimal so viel wie heute. Zu befürchten ist zudem, dass der Bund dem Flughafen, sollten die Pisten verlängert werden, Ostanflüge am frühen Morgen erlaubt. Das wäre zwar ein Vertrauensbruch. Aber die Geschichte des Flughafens ist reich an Vertrauensbrüchen, nicht nur, was die Zahl der Flugbewegungen betrifft. Dem Süden versprach der Flughafen über Jahre, es gebe dort keine Anflüge. Ostanflüge, so beteuerte man anfangs, gebe es nur bei starkem Westwind. Alles Makulatur. Genau deshalb braucht es ein Ja. Sicher, die Stimmberechtigten haben schon heute ein Mitbestimmungsrecht bei Änderungen am Pistensystem. Aber in dieser Abstimmung geht es um mehr. Es geht darum, den Regierungsrat &endash unabhängig davon, wer gerade Chef der Volkswirtschaftsdirektion ist &endash auf eine Linie zu verpflichten und sicherzustellen, dass mindestens in diesem Punkt keine Vertrauensbrüche mehr möglich sind. Ja Redaktorin im Ressort Zürich

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