Freispruch im Vergewaltigungsprozess Nordportal

Das Bezirksgericht Baden hat einen 20-Jährigen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Die Aussagen des angeblichen Opfers waren als widersprüchlich aufgefasst worden.

War es Vergewaltigung oder einvernehmlicher Sex? Hier in dieser Nische beim Badener Club Nordportal ist es passiert.

War es Vergewaltigung oder einvernehmlicher Sex? Hier in dieser Nische beim Badener Club Nordportal ist es passiert. Bild: zVg

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Laut Anklageschrift hat der heute 20-jährige angehende Kleinkinderzieher in der Nacht des 18. Dezembers 2011 zwischen 2 und 4 Uhr die 29-jährige Frau mehrmals «angetanzt» und sie gefragt, ob sie nicht mit ihm nach draussen komme und mit ihm spazieren gehen. Sie wies dessen Avancen aber zurück. Trotzdem kamen die beiden ins Gespräch. Als der Club um 4 Uhr schloss, habe der Mann versucht, die Frau im Bereich der Damentoilette zu küssen. Dabei griff er ihr überraschend in die Hose und drang kurz in die Scheide ein, wogegen sich die Geschädigte «mit einer abweisenden Geste wehrte». Beide wurden dann von einer Securitasangestellten aufgefordert zu gehen.

Nach dem gemeinsamen Verlassen des Lokals, habe der Beschuldigte sie überredete, sich mit ihm in eine nahe gelegene Nische hinter dem Clubgebäude zu begeben. Dabei habe er die Frau mit sanftem Druck an der Hand dorthin gezogen. Dort sei es zur Vergewaltigung gekommen, zuvor noch zu gegenseitigem oralem Sex.

«Hand in Hand» zum Tatort

Für die Verteidigerin des Beschuldigten sind die Aussagen des Opfers unglaubwürdig. Sie stützte sich dabei auf die Beobachtungen zweier Securitasmitarbeiter, die im Club Dienst hatten. Beiden war die Frau wegen des «provokativen» Tanzstils aufgefallen. Der Mann und die Frau hätten schon im Club «aneinander geklebt». Beim Lokalsschluss um 4 Uhr hätten sie vor der Damentoilette herumgeschmust und gegenseitig «gekäsperlet». Andere Zeugen sahen, wie sie «Hand in Hand» zum Tatort gingen.

Im weiteren erwähnte die Verteidigerin, dass die Frau bei der Polizei von einem unbekannten Vergewaltiger gesprochen hatte, obwohl sie den Namen des Mannes kannte. Auch das auf Grund von ihren Aussagen erstellte Phantombild gleiche dem Beschuldigten nicht. Die Verteidigerin glaubt zu wissen, was das Motiv der Falschaussagen der Mutter eines Kindes war: Angst, dass ihr langjährige Partner vom Seitensprung erfuhr. Etliche Besucher hätten doch gesehen wie die beiden im Club herummachten und sich dann gemeinsam in die Nische begaben. Zudem habe ihr Mandant vom einvernehmlichen Sex mit der Blondine seinen Freunden erzählt. Dass die Frau bei der Vergewaltigung nicht um Hilfe geschrien hatte, obwohl der Tatort nur 40 Meter vom Clubausgang entfernt war, sei nicht nachvollziehbar. Es waren dort noch viele Clubbesucher unterwegs. Schon beim angeblichen massiven sexuellen Übergriff vor der Damentoilette im Club, habe die Frau nicht die Securitas alarmiert.

Opfer macht Filmriss geltend

In der persönlichen Befragung durch die Richterin sagte das angebliche Opfer, dass es einen Filmriss hatte, über das was kurz vor Clubschluss vor dem Damen-WC passiert war. Es sei ihr damals sehr unwohl gewesen, obwohl sie nur angetrunken und nicht betrunken war. Sie vermutet, dass ihr jemand KO-Tropfen ins Getränk geschüttet habe. Als sie mit dem Mann nach draussen ging, habe sie nicht geahnt, dass dieser in der Nische Sex wollte. «Ich habe mir keine Gedanken gemacht, das war ein Fehler.» Als er ihr die Hose runterriss, sie sei völlig blockiert gewesen. Der Mann habe verbale Gewalt angewendet, er sei wie besessen gewesen.

Zuvor habe er ihr versprochen, dass sie gehen können, wenn sie ihn oral befriedige. Dies habe sie aus Verzweiflung und trotz grossem Ekel schliesslich getan. Der Staatsanwalt verlangt für den Beschuldigten wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung eine Strafe von dreieinhalb Jahren. Für ihn waren die Aussagen des Opfers «im Kern immer gleich.» Die Aussagen der Frau seien glaubwürdig. Es habe sich um eine Vergewaltigung gehandelt, auch wenn der Mann keine physische Gewalt ausgeübt habe. Es reiche aber psychischer Druck. «Der Beschuldigte hat subtil, bewusst und zielorientiert das Opfer in eine auswegslose Situation gebracht.»

Das Bezirksgericht Baden sprach den Kleinkinderzieher aber nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» (im Zweifel für den Angeklagten) frei. Seine Aussagen seien stringenter gewesen, als die der Frau. Diese habe sich in Widersprüche verwickelt. Entscheidend für das Gericht waren die Aussagen der Securitasangestellten, welche objektiv und glaubwürdig gewesen seien.

Erstellt: 22.01.2013, 21:21 Uhr

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