James Bonds Zweigstelle liegt in Affoltern

From Ruggächern with Love: Der James Bond Club Schweiz hat seinen Hauptsitz – ganz unglamourös – in einer Neubausiedlung am Stadtrand von Zürich.

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Heute Abend steigt in Emmenbrücke LU die Schweizer Filmpremiere von «Quantum of Solace», dem neuesten Abenteuer von Agent 007. Mit dabei sein wird neben Regisseur Marc Forster und Bond-Darsteller Daniel Craig auch Daniel Haberthür aus Zürich-Affoltern, Präsident des James Bond Clubs Schweiz: «Vielleicht klappt es diesmal für ein paar Worte mit Craig», hofft der 45-Jährige. Beim letzten Treffen 2006 bei der Premiere von «Casino Royale» sah er Craig zwar kurz an einer Party im Kaufleuten, doch für ein Gespräch reichte es nicht. Zuvor hatte er schon Craigs Vorgänger Pierce Brosnan bei seinem Schweizer Auftritt verpasst: «Ich war im WK.»

007 auf dem Klingelschild

Haberthür, Logistiker bei der Post und alleinerziehender Vater, amtet seit acht Jahren als Präsident des Schweizer 007-Fanclubs. 13o Mitglieder zählt der Verein, Tendenz steigend, wie Haberthür sagt. Seine Wohnung in der Genossenschaftssiedlung Ruggächern in Affoltern dient als Hauptsitz des Vereins. «James Bond Club Schweiz» steht inmitten zahlreicher normaler Namen auf dem Klingelschild am Eingang zur Neubausiedlung.

«Das Schweizer Fernsehen war auch schon da», berichtet der Schweizer Statthalter von 007 mit einem Quäntchen Stolz. Die Wände der Wohnung sind voll mit Bond-Filmplakaten und Autogrammen: «To Daniel, best wishes, Roger Moore.» Haberthür sammelt Bond-Objekte aller Art und besitzt etwa ein James-Bond-Würfelspiel von 1966 oder einen Nassrasierer namens «Goldeneye», ein Werbeprodukt für den gleichnamigen Bond-Film von 1995.

Fan des Topagenten ist Haberthür seit den Siebzigerjahren, als er zum ersten Mal «Goldfinger» im Kino sah. «Der beste Bond, das Vorbild für die späteren Filme», ist er überzeugt, «da stimmt einfach alles: Story, Musik, Schauspieler, und erst recht das Auto, ein Aston Martin.»

Grosse Ablehnung gegen Craig

Der James Bond Club Schweiz wurde 1997 gegründet. Er unterhält eine eigene Website (www.jamesbond.ch), gibt ein Clubmagazin heraus und organisiert Treffen für Mitglieder und Besuche bei anderen Fanclubs. Dazu kommen Ausflüge, etwa zum Bungee-Jumping auf die Staumauer im Verzascatal, wo Szenen für «Goldeneye» gedreht wurden, oder aufs Schilthorn, wo «On her Majesty`s Secret Service» spielt. Einen wichtigen Teil nehmen laut Haberthür auch Fachdiskussionen unter Mitgliedern ein. Warum fiel die Wahl auf Daniel Craig und nicht auf Clive Owen? Craig sei im Schweizer Bond-Verein anfangs auf grosse Ablehnung gestossen. Viele Fans von Pierce Brosnan seien aus Protest aus dem Verein ausgetreten.

Als Höhenpunkte im Vereinsleben gelten nebst Bond-Premieren auch Treffen mit Filmcrews wie dieses Jahr in Bregenz. Dort traf Haberthür kurz mit dem Schweizer Schauspieler Anatol Taubman zusammen. Der war überrascht, als er vom Bond-Club hörte: «Was, das gibt es?»

Ernst aber nicht verbissen

Anfangs, so sagt Haberthür, sei er von manchen als Spinner belächelt worden. Inzwischen sei die Akzeptanz deutlich gestiegen. «Die merken, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit dahintersteckt, aber keine Verbissenheit.» In seinem Umfeld stösst sein Hobby auf viel Goodwill: «Mein Chef findet das gut.» Mittlerweile gilt Haberthür als ausgewiesener Bond-Experte, dessen Rat sich auch Filmverleiher einholen.

Das cineastische Interesse stehe bei ihm klar im Vordergrund, sagt Haberthür. Die Identifikation mit Bond halte sich in engen Grenzen. «Dazu bin ich Realist genug.» Natürlich setze 007 Massstäbe in Sachen Stil und sei eine Ikone, und natürlich sei es ein verlockender Gedanken, einmal seinem Chef so cool die Meinung zu sagen wie Bond es tut. Aber: «Wer voll auf Bond abfährt, läuft Gefahr, früher oder später psychisch abzustürzen», ist er überzeugt.

Unerwünschter Besuch bei Roger Moore

Auch bei den allermeisten Clubmitgliedern stehe das cineastische Interesse im Zentrum. Doch vereinzelt tauchen auch schräge Vögel auf. Wie jenes Mitglied, das sich vor einigen Jahren als offizieller Pressesprecher des Schweizer James-Bond-Clubs ausgab und mit selbst gedruckten Visitenkarten Roger Moore in dessen Haus in Crans Montana besuchte. Der Schauspieler war «not amused», wie Haberthür sagt. Dem «Pressechef» wurde der Austritt aus dem Club nahegelegt.

«Ich wurde noch nie enttäuscht»

Für die ungebrochene Popularität der Bond-Filme hat Haberthür eine einfache Erklärung: «Die Leute wissen, dass sie zwei Stunden gute Unterhaltung bekommen, abschalten und in eine andere Welt abtauchen können. Ich wurde noch nie enttäuscht.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2008, 06:38 Uhr

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