Ein Quatschkopf geblieben

Vize-Mister-Schweiz Stefan Tobler zieht als Model Auftrag um Auftrag an Land. Diesen Herbst geht er nach Mailand, doch der Wädenswiler macht sich keine Illusionen.

Fast jeden Tag von Kameras umringt: Stefan Tobler stemmt Hanteln. Arjeta Lataj unterstützt ihn.

Patrick Gutenberg

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Er ist der Gleiche geblieben. Zumindest äusserlich. Drei Monate und 27 Tage nach der Wahl zum Vize-Mister-Schweiz trägt Stefan Tobler aus Wädenswil noch immer Bart sowie ein Stück einer Velokette am Handgelenk. Er sagt: «Ich bin derselbe Quatschkopf geblieben. Nur mein Leben hat sich verändert.»

Tobler geht keiner geregelten Tätigkeit mehr nach wie früher, als er Projektkoordinator für Events und Velokurier war. Der 29-Jährige arbeitet als Vollzeit-Model. Wenn Zeit übrig bleibt, büffelt er für seinen Marketingabschluss.

Fast jeden Tag steht er vor irgendeiner Kamera. Diese Woche dreht er zusammen mit Miss-Schweiz-Kandidatin Arjeta Lataj einen 20-sekündigen Werbespot für einen seiner Sponsoren: ein Fitnesscenter an der Goldküste.

In einen Bademantel eingehüllt schneidet er Grimassen, tänzelt ein paar Schritte im Gang auf und ab, damit Tom, der Kameramann, die Schärfe einstellen kann. Die Kamera liegt am Boden. Man sieht nur die Beine der beiden Models. «Alright, Kamera läuft», sagt Tom. Hand in Hand gehen Tobler und Lataj in Richtung Sauna.

Gestutzt, aber nicht rasiert

«Hättest du dir vorher nicht die Zehen rasieren können?», spottet Tom. Das habe er sich überlegt, antwortet Tobler. «Immerhin habe ich die Haare an den Beinen etwas gestutzt.»

Dann laufen die Models ein zweites Mal.

«Das muss relaxter aussehen», ruft Tom.

Die beiden trippeln ein drittes Mal durch den Gang.

«Arjeta, dein Gang wirkt zu modellhaft.»

Sie gehen ein viertes Mal.

«Ihr müsst die Geschichte im Kopf haben! Flirtet mehr.»

Sie probieren es erneut.

Nach über 20 Versuchen ist die erste halbe Stunde eines harten Drehtages vorbei, und zwei Sekunden des Werbespots sind im Kasten.

Stefan Tobler ist acht Jahre älter als Arjeta Lataj und hat die Wahlen schon hinter sich. Er zeigt ihr wenig später im Fitnessraum, wie man sich elegant zur Kamera dreht und beim Stemmen der Hanteln richtig in die Kamera schaut: Angestrengt, aber nicht verbissen. Er hat ihr zudem gesagt, dass es am wichtigsten sei, natürlich zu bleiben, und dass es in der Finalnacht nicht nur ums Gewinnen gehe.

Doppelt so viele Aufträge

Im Nachhinein ist Stefan Tobler froh, ist er bei den Mister-Schweiz-Wahlen nur Zweiter geworden. «Als Vize habe ich es einfacher. Ich bin nicht an fixe Verträge gebunden und geniesse grosse Entscheidungsfreiheit.»

Mal wirbt der angehende Marketingfachmann für einen grossen Sportartikelhersteller, mal sieht man ihn in einem Modekatalog. Seit der Mister-Schweiz-Wahl bekommt er mehr als doppelt so viele Aufträge als früher, als er das Modeln mehr hobbymässig betrieb.

Die wenigen Monate seit dem 8. Mai kämen ihm wie zwei Jahre vor, sagt er. Es sei ein 150-Prozent-Job. «Ich kann gut davon leben», sagt er. Die Zahlen behält er lieber für sich.

Ab diesem Herbst wird Stefan Tobler sogar in die Modemetropole Mailand pendeln. Deswegen wird er aber noch lange nicht euphorisch. «Ich habe mir etwa 15 Agenturen angeschaut, nur eine buchte mich.»

Der Wädenswiler gehört in der Branche schon zu den Älteren. Seine Berufskollegen sind durchschnittlich zehn Jahre jünger. Doch Stefan Tobler will weitermachen. Er sagt: «Solange es noch geht.»

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Erstellt: 04.09.2010, 09:31 Uhr

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