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Louis Armstrong im Aktenordner

Das Jazzarchiv feiert dieses Wochenende sein 10-jähriges Bestehen im Musikcontainer Uster. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Die Betreiber möchten, dass sich die Stadt finanziell stärker engagiert.

Von Manuel Naegeli Uster – Das grösste Schweizer Jazzarchiv heisst Swiss Jazzorama (SJO). Es sammelt und archiviert Zeugnisse aller Art zum Thema Jazz: von Ton- und Bildträgern, Jazzbüchern, Fachzeitschriften, Notenmaterial bis hin zu Presseartikeln, Plakaten, CDs und Autogrammkarten von Berühmtheiten aus der Jazzszene. Daneben steht dem Verein, der das Archiv betreibt, ein Klubraum für Konzerte und Ausstellungen zur Verfügung, der rege genutzt wird. «Im Fokus der Archivierung steht die Schweizer Jazzgeschichte. Weil der Jazz als Musikrichtung aber in den USA entstand, wird automatisch auch diese Geschichte und deren Exponenten behandelt», meint Fernand Schlumpf, Vizepräsident und seit über zehn Jahren Leiter des SJO. Von Rheinfelden nach Uster Das heute grösste Jazzarchiv der Schweiz wurde 1989 nicht in Uster gegründet, sondern in Rheinfelden. Neun Jahre später fehlte es an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Allgemein herrschte im Baselbiet die Stimmung vor, ein solches Archiv sei überflüssig. Der Umzug nach Uster im selben Jahr sollte zeigen, ob dem so sei. Was dann folgte, war eine Erfolgsgeschichte. Im Mai 2000 wurde der frisch renovierte Musikcontainer in ein Schweizer Jazz-Zentrum umfunktioniert. Seit dem Umzug ist das Archiv ständig grösser geworden. «Das zeigt das Bedürfnis der Bevölkerung für eine Institution, die Material archiviert und zur Verfügung stellt», sagt Schlumpf, der als aktiver Jazzer am Schlagzeug selber in drei Bands mitwirkt. Ungefähr 95 Prozent der Archivbestände stammen von Schenkungen, der Rest aus Erbnachlässen oder Liquidationen. Manche sind sogar kurz vor der Kehrichtverbrennung gerettet worden. Schlumpf weiss, dass noch etliches Material existiert, welches noch nicht in der grössten Schweizer Jazzsammlung zu finden ist – von Fans, die «ganz im Stillen wertvolle Schätze hüten.» Trotzdem ist der Ustermer stolz, dass seine Sammlung schon sehr gross ist. Die Stadt soll zahlen Hilfe bei der Aufwertung von altem Material holt sich das SJO bei verschiedenen Institutionen, denn dazu wäre es alleine nicht in der Lage. Die dafür benötigten technischen Hilfsmittel kann sich das Archiv nicht leisten, obwohl im Verein knapp 30 Leute ehrenamtlich mithelfen. Trotzdem möchte Schlumpf das Jazzarchiv aber professionell führen. Darum möchte er den Verein in eine Stiftung umwandeln, die von Partnern finanziell unterstützt wird. Der Stadt Uster kommt dabei eine wichtige Rolle zu, denn das Jazzarchiv ist von deren Geld abhängig. «Uster hat im Sportbereich mit dem Schwimmklub schon nationale Ausstrahlung. Für die Stadt wäre es gut, auch im kulturellen Bereich zur nationalen Spitze zu gehören.» Deshalb sei es für beide Seiten ein Gewinn, dass das Archiv in Uster stehe – und bleibe, falls die nötige Unterstützung von der Stadt Uster komme, ergänzt Schlumpf. Jazztage als Werbung für Jazz Mit den ersten Ustermer Jazztagen vom Wochenende möchte Schlumpf sein Archiv und den Jazz allgemein unter die Ustermer bringen – «die Leute hinter dem Ofen hervorlocken», wie er sagt. Zudem sucht er, der sich mit Haut und Haar dem Jazz verschrieben hat, weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, die in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden können. Die Faszination am Jazz sieht er darin, dass man über die Altersgrenzen hinaus mit Leuten zusammenspielen kann, die man nicht kennt. «Mit bekannten Mitspielern vertieft man die Musik und kann noch mehr herausholen», meint Schlumpf, der als Einziger im SJO für seine Arbeit entschädigt wird. Er wünscht sich, dass neben Jazzfreunden, die nach einem Titel, einem Musiker oder einer Band suchen, oder Studenten, die eine Semesterarbeit schreiben müssen, auch Musikwissenschaftler den Weg ins Archiv finden. www.jazzorama.ch Um Anerkennung bemüht: Fernand Schlumpf (3. v. l.) und Team. Foto: Christoph Kaminski

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