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Luciano Moggi Der gefallene Boss des Calcio schlägt zurück - gegen Inter Mailand. Von Oliver Meiler

Der Rachefeldzug des «Lucky Luciano»

Es läuft die Nachspielzeit, oder besser: die Nachtretzeit. Luciano Moggi, 72, auch «Lucky Luciano» genannt, gefallener Boss des italienischen Fussballs, schlägt zurück. Er versucht gerade, all jene mit ins Verderben zu zerren, die den grossen Skandal überlebten, in dessen Strudel er selber seine Macht verlor. In Neapel läuft die späte und zweite Runde der Ermittlungen zu «Calciopoli», vier Jahre nach der ersten Runde. Und wenn das ein Omen ist, dann sollte Italien auch heuer wieder Weltmeister werden. Wir erinnern: Die Azzurri reisten damals wie geschlagene Hunde nach Deutschland. Gebeutelt durch das Kopfschütteln aus aller Welt. Erniedrigt durch eine Affäre um geschobene Spiele und gefügige Schiedsrichter. Die Häme war ihr Ansporn.

Doch die Affäre ist noch nicht ausgestanden. Plötzlich steht ausgerechnet jene Mannschaft im unschönen Gerede, die dabei ist, die Champions League zu gewinnen: Inter Mailand. Und dafür sorgt Luciano Moggi, eine Figur wie aus einem Roman - vom Bahnhofsvorstand aus Civitavecchia zum nationalen Strippenzieher. Gewitzt, vernetzt, halbseiden. Immer mit Zigarillo und einer Serie Schweizer Handykarten im Sack, dank denen er ungehört zu mauscheln gedachte. Legendär ist die Geschichte, wie Moggi einmal einen Schiedsrichter, der nicht ganz so gepfiffen hatte, wie es davor telefonisch ausgemacht war, in der Garderobe in Reggio Calabria einschloss und mit dem Schlüssel in der Tasche die Heimreise nach Turin antrat. Sie mussten die Tür aufbrechen, um den Mann zu befreien.

Kürzlich kündigte Moggi nun an, es gebe da Protokolle abgehörter Telefongespräche, sehr brisantes Material, das auch Inter Mailand und dessen Präsidenten, den Erdölindustriellen Massimo Moratti, belaste. Jenen Verein also, der 2006 unbeschadet und unbestraft überstand, ja gar reich belohnt wurde für seine angebliche Sauberkeit: Der Verband verlieh Inter nachträglich einen Scudetto, den Meistertitel 2006, der Juventus Turin, Moggis Juve, wegen Mauscheleien entzogen worden war. Es wäre der 29. in der Vereinsgeschichte gewesen. Die Turiner wurden zwangsrelegiert in die Serie B, in die Hölle. Eine Schmach sondergleichen, die nun gesühnt werden soll.

Viel ist noch nicht publik von den neuen Aufnahmen. Auf einer hört man Moratti mit Paolo Bergamo reden, am 10. Januar 2005, 12.23 Uhr. Bergamo war damals Designatore, teilte also Schiedsrichter den Spielen zu. Manchmal wurden die Paarungen ausgelost, im Cup aber nicht. Vor dem Cupspiel Bologna gegen Inter telefonierte Bergamo mit Moratti. Bergamo: «Da es keine Auslosung gibt, schicke ich euch Gabriele, als Linienrichter begleiten ihn zwei sehr gute Männer.» Moratti: «Gabriele war immer ein guter Schiedsrichter, sehr ordentlich, habe nie Klagen gehört über ihn.» Bergamo: «Es würde ihn sehr freuen, wenn Sie ihn begrüssen würden.» Moratti: «Ich danke Ihnen, am Mittwoch bin ich unten (in Bologna) und werde ihn vor dem Spiel treffen.»

War da was? Warum will Gabriele begrüsst werden? Was ist mit Begrüssung gemeint? Und was mit den Klagen? Moratti winkt ab: Gar nichts sei da.

Doch für Moggi, der vom Fussballverband verbannt wurde und zuweilen noch für den Lokalsender Tele Capri Spiele kommentiert, bietet sich in der zweiten Runde von «Calciopoli» eine unverhoffte Chance. Er sagt es so: «Entweder sind alle schuldig, oder alle sind unschuldig.» Es ist eine einfache Gleichung, aber sie hat viele Anhänger, die meisten in Turin. Im «Così fan tutte» soll alles untergehen: alle individuellen Verfehlungen. Auch Moggis - vor allem seine.

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