Zum Hauptinhalt springen

Männedorf setzt ein Zeichen

Vier Wochen nachdem in Männedorf ein Grab geschändet wurde, wird der Friedhof für Minderjährige geschlossen. Auch wenn nicht klar ist, ob die Schändung das Werk Jugendlicher war.

Männedorf - Der Zutritt zum Männedörfler Friedhof ist ab dem 1. März für Jugendliche verboten, wenn sie nicht in Begleitung von Erwachsenen sind. Dies hat der Gemeinderat von Männedorf beschlossen (TA von gestern). Er reagiert damit auf die wiederholten Klagen von Friedhofsbesuchern.

«Es ist uns nicht leicht gefallen, das Verbot zu verhängen», sagt Gemeindepräsidentin Heidi Kempin (FDP), die bisher mit der Respekt-Kampagne vor allem auf den Dialog gesetzt hat. Wenn aber eine Abdankung durch johlende Jugendliche gestört und Gräber beschädigt würden, höre das Verständnis für die Jugendlichen auf. «In einem solchen Fall müssen wir ein klares Zeichen setzen», sagt Kempin.

«Das ist bitter für die meisten»

Der Entscheid fiel Ende Januar an einem runden Tisch, zu dem auch der Oberstufen-Schulleiter Matthias Würgler eingeladen worden war. Er steht hinter dem Verbot - jedoch schweren Herzens: «Ich finde es bitter, dass dadurch alle Jugendlichen in einen Topf geworfen werden.» Von ein paar schwarzen Schafen einmal abgesehen, habe er es vor allem mit interessierten und aufgeweckten Schülern zu tun, sagt Würgler. Erst kürzlich hat er mit einer Gruppe von Schülern ein Projekt bearbeitet, bei dem es darum ging, das Verhalten der Schüler auf dem Friedhof zu untersuchen und klare Richtlinien zu entwickeln. Die Jugendlichen seien sehr selbstkritisch und hätten verstanden, dass der Friedhof kein Ort für Schneeballschlachten sei, sagt Würgler. Das Verbot kommt darum für ihn zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Fussspuren von Erwachsenen?

Trotzdem verteidigt er den Gemeinderatsbeschluss: «Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen.» Das Fass zum Überlaufen brachte ein Vorfall Mitte Januar, als Vandalen ein Grabkreuz eingedrückt sowie Grabschmuck und Kerzen zerstört hatten. Auch wenn in diesem Fall alles andere als klar ist, dass die Verantwortlichen für diese Schändung Jugendliche sind. «Die grossen Fussspuren weisen meiner Meinung nach eher auf Erwachsene hin», gibt Würgler zu bedenken.

Der Friedhofsvorsteher von Männedorf, Rolf Baumann, wird demnächst ein laminiertes Dokument an die Eingänge hängen, das auf das Verbot aufmerksam macht. Dieses sei zeitlich befristet, sei aber mit Sicherheit bis zu den Sommerferien gültig. Baumann nimmt an, dass die Polizei die Umgebung des Friedhofs künftig häufiger kontrollieren wird. «Die Schüler müssen begreifen, dass ihr Handeln nicht ungestraft bleibt», sagt er. Die Friedhofsruhe und die Würde dieses Ortes müsse um jeden Preis geschützt werden. Derselben Meinung ist auch Gemeindepräsidentin Heidi Kempin.

Die Jugendlichen halten sich nicht zuletzt auf dem Friedhof auf, weil sie ihn als Schulweg benutzen. In Zukunft müssen sie einen Umweg machen. Das ist für junge Männedörfler künftig nicht mehr möglich: Der Schulweg führte viele direkt an den Gräbern vorbei. Foto: Esther Michel

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch