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Maggi-Gewürz gehört hier noch auf den Tisch

Wer dem Alltag entfliehen will, der muss nicht weit fahren. Der Freihof in Neschwil tut dem Puls und der Seele gut.

Neschwil. - Als könnte man noch die reitenden Landvögte über die Wege Richtung Kyburg galoppieren hören: Der Gasthof Freihof in Neschwil zeugt nicht nur mit dem geschichtsträchtigen Bau davon. Auch die nahe Dreschscheune mit dem Schlachthaus und dem imposanten Türmchen deuten auf Vergangenes hin.

Ländliches Stelldichein

Hier läuft die Zeit etwas gemächlicher als andernorts. Fernab vom Grossstadtgetöse taucht man in dieser Aussenwacht von Weisslingen in die Stille ein. Es könnte einem beinahe wie die Ruhe vor dem Sturm vorkommen. Aber alles bleibt ruhig, nur ein Hahn kräht irgendwo. Mitten im Hof neben dem mächtigen Kastanienbaum liegt im dichten Fell der Bless, der hier Riwa heisst, und lässt den Tag vorüberziehen.

Wir sitzen draussen auf Plastikstühlen. Noch ist früher Abend. Traktoren, mit Milchkannen beladen, fahren dicht an unserem Tisch vorbei zur Hütte. Bald werden die Melker und andere Feierabendgeniesser den Stammtisch drinnen belagern. Man kennt sich in diesem Dorf, das gerade mal etwas über 200 Einwohner zählt. Wir Neulinge werden freundlich gegrüsst - auch die Traktorfahrer heben die Hand zum Gruss -, uns wird ganz heimelig dabei.

Bald steht unser bestelltes Bier auf dem Tisch. Wir wischen uns mit einem zufriedenen Seufzer den Schaum vom Mund und den Alltag aus dem Sinn. Die freundliche Bedienung fragt nach unseren Wünschen. Hier auf dem Land wird Fleisch gegessen, keine Frage. Mein Begleiter, ein Vegetarier, tut sich schwer mit der kargen Auswahl fleischloser Gerichte. An Speck und Bauernschüblig und Wurstsalat mangelt es nicht. Auch eine «Satteltasche» wäre zu haben, ein Schnitzelbrot. Der Fleischlose wählt die «Chäsröschti», vorab einen gemischten Salat. Ich entscheide mich für einen grünen Salat und wünsch mir für später das Cordon bleu mit Pommes frites.

Keiner muss hungrig gehen

Die treue Seele der Gaststätte - sie serviert schon über 15 Jahre im Freihof, so sagt uns später der Wirt - sputet sich, denn der Chef ist noch im Stall. So muss sie für ihn einspringen und entschuldigt sich, dass sie das Kochen nicht so gut beherrsche wie er. Wir verzeihen ihr, dass die Rösti krustenlos serviert wird. Als sie später erfährt, dass wir ausgerechnet an diesem Abend das Essen getestet haben, verwirft sie die Hände über dem Kopf. Der Nachbarshund erhält auf sein nachhaltiges Betteln hin den etwas dunkel geratenen Teil meines Cordon bleus.

«Bei uns bekommt der Gast auch zu später Stunde noch etwas zu essen», sagt Heinrich Heller. Er wechselt täglich zwischen Stall und Küche. Das ist sein Alltag seit 30 Jahren. In der vierten Generation wirtet er im Freihof. 1897, sagt Heller, habe sein Urgrossvater den Betrieb übernommen. Im hinteren Teil der Gaststätte war die Bäckerei angegliedert (siehe Kasten). Und unvermittelt liegt die halbe Dorfgeschichte auf dem Tisch neben dem Maggi-Ständer. Ein Blick in die Gaststube, wo eifrig diskutiert wird, bestätigt die Vertrautheit. Die Decken hängen tief, und die Villiger-Stumpen neben dem Eingang fehlen nicht. Ein einsamer Gümmeler huscht in der Dämmerung vorbei. Grillen zirpen. Zwei Hunde raufen sich in die Nacht hinein. Ein bisschen Heimatgefühl hat sich in uns breitgemacht. Restaurant Freihof, Ludetswilerstrasse 19, Neschwil, 052 384 11 36. Öffnungszeiten: Mo, Do, Fr. 8.45-13.30 und 15.30-0.30 Uhr, Sa 8.45-19 Uhr, So 8.45-20 Uhr, Di und Mi geschlossen.Preise: kalte Speisen 5.50-16 Fr., warme Speisen 7.50-20.50 Fr.Kein Nichtraucherbereich.

Die Geschwister Heller sorgen im Freihof für das Wohl der Gäste. Heinrich Heller wechselt täglich vom Stall in die Küche.

Im heimeligen Stübli treffen sich Einheimische zum Stamm.

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