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Mann ohne Berührungsängste

Fredi Knecht war eines der letzten Originale und einer der ersten postmodernen Maler. Artbox und Kulturlabor in Thalwil widmen ihm eine Hommage.

Thalwil - An der Tür seiner Zürcher Galerie steht bis heute: «Bin gleich zurück, Fredi Knecht». Kaum zwei Monate nach seinem überraschenden Tod ist er zurück: Das Kulturlabor mit der Artbox Thalwil stellt Werke von Fredi Knecht aus. Die Ausstellung ist nicht zum Verkauf gedacht, sie ist eine Art Hommage an einen originellen Künstler, der etwa 30 Jahre lang in Thalwil gelebt hat.

Urs Amstutz kannte Fredi Knecht seit Jahrzehnten, er ist ein kompetenter Verwalter seiner Hinterlassenschaft und ein würdiger Kurator. Die Ausstellung hat er nach Petersburger Art gehängt, so wie Knecht es am liebsten hatte: Jeder erreichbare Fleck Wand wurde mit Bildern vollgehängt. In der Artbox im Bahnhof Thalwil wird das letzte, noch unfertige Bild des Künstlers gezeigt - auf der Staffelei, auf der es entstanden ist.

Fredi Knecht reiste zeit seines Lebens in alle Kontinente und hat immer fotografiert. Die Eindrücke der Reisen vermischte er daheim mit Bildern, die er in Büchern und Museen gesehen hatte, und formte daraus seine eigene Sicht auf die Welt. So begegnet man auf seinen Bildern einem Kunstkiosk in einem südamerikanischen Slum. Verkauft werden dort Figuren, die eindeutig von Alberto Giacometti stammen. Oder eben von Fredi Engelbert Knecht, wie er sich oft kokett nannte. Er hatte nie Probleme damit, Bekanntes und Unbekanntes zu mischen. Und so konnte in einer Ausstellung in seiner Galerie durchaus die Arbeit einer unbekannten Thalwiler Künstlerin neben einem Werk von Pablo Picasso hängen.

Mit seiner Technik des Vermischens von Epochen und Stilen, mit seiner ständigen Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen war er seit den 70er-Jahren ein postmoderner Künstler avant la lettre. Lange bevor es die Postmoderne gab, arbeitete er mit den Elementen, die diese Kunst- und Gesellschaftstheorie im Nachhinein definierte.

So wie auf seinen Bildern nie nur eine Epoche gegenwärtig ist, hat auch er selber nie nur eine Tätigkeit ausgeübt. Er war Galerist, Maler, Fotograf und hat Bücher herausgegeben. An der samstäglichen Vernissage wird Christine Faissler Texte von Fredi Knecht lesen, die aufzeigen, dass der Mann ohne Berührungsängste noch unbekannte Seiten hatte: die des politischen Dichters beispielsweise.

Ausstellung 5. Juni bis 16. Juli, Vernissage, Sa, 5. Juni, 17 Uhr, Artbox Bahnhofperron 4 + 6, 18 Uhr, Kulturlabor, Gotthardstrasse 62, Thalwil. Fredi Engelbert Knechts Schaffen ist bunt, vielfältig und witzig. Foto: PD

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