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Mark W. nutzte die Bibel gerade so, wie sie ihm nützlich war

Mark W.s Töchter mussten leiden, weil ihr Vater seinen Sadismus auslebte. Laut dem Psychiater besteht eine «weit überdurchschnittlich hohe Rückfallgefahr».

Von Thomas Hasler Wila/Zürich – Psychiater Lutz-Peter Hiersemenzel musste in der internationalen Klassifikation der psychischen Krankheiten manche Seite aufschlagen, um die psychische Konstitution des 44-jährigen Angeklagten voll zu erfassen. Was er am siebten Prozesstag dem Geschworenengericht vortrug, bestätigte die schlimmsten Vermutungen. Der Mann, der seine beiden Töchter während Jahren einem laut Anklage «folterähnlichen tyrannischen Erziehungs- und Strafsystem» unterwarf, leidet an einer schwer ausgeprägten kombinierten Persönlichkeitsstörung. Diese Störung hat narzisstische, histrionische, sadistische und dissoziale Zügen (siehe Text rechts). Zudem weist Mark W. die Merkmale eines Psychopathen auf. In der Erziehung und Bestrafung seiner Kinder habe er vor allem seinen Narzissmus und Sadismus ausgelebt, erklärte der Gutachter. Von Therapie wird abgeraten Trotz der schweren Störungen ist der 44-Jährige voll zurechnungs- und damit schuldfähig. Er habe gewusst, dass der «gesellschaftliche Konsens» ein anderer ist. Was er getan habe, sei gewollt und geplant gewesen. Mark W. habe zielgerichtet gehandelt. Laut dem Psychiater muss von einer «weit überdurchschnittlich hohen Rückfallgefahr» in Bezug auf vergleichbare Straftaten ausgegangen werden. Trotzdem könne keine Therapie empfohlen werden. Im Gegenteil: «Ich muss von einer Therapie sogar ausdrücklich abraten», sagte Hiersemenzel. Eine Behandlung des Angeklagten könnte gewisse Störungen, so seine «manipulative Kompetenz», noch verstärken. Der Versuch des Verteidigers, die Taten mit einer Art religiösem Wahn zu erklären, stiess beim Gutachter auf Ablehnung. Mark W. sei nicht einer Fehlbeurteilung der Realität erlegen, sondern habe die Fantasie der eigenen Grandiosität ausgelebt. Er glaube, mit seiner Nähe zu Gott etwas Besonderes zu sein. Seine dargestellte Religiosität habe er für seinen Anspruch auf Bewunderung und für seine Manipulationen benutzt. «Er folgte nicht den Lehren von Jakob Lorber, sondern benutzte sie zur Rechtfertigung seiner Taten vor sich selber und vor den anderen.» Hiersemenzel sprach von einer «selektiven Auswahl der Bibel»: Er nahm, was ihm nützte. Den Rest ignorierte er. Machtanspruch durchgesetzt Auf das scheinbar asketische Leben von Mark W. angesprochen, sagte der Psychiater, unter Askese stelle er sich etwas anderes vor als Ferien in Thailand, andere für sich arbeiten lassen, Cannabis und Sex konsumieren. Er habe seine Kinder zu sich genommen, weil er einen Machtanspruch habe und diesen durchsetzen wollte. Mark W., der sich für gesund, aber «anders als die anderen» hält, lehnt das Gutachten ab. Es sei bloss «eine Fachmeinung»: «Ich bin in dieser Geschichte einfach das Arschloch.» Mark W.

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