Masseur wegen Schändung verurteilt

Ein Masseur hat sich während einer therapeutischen Massage an einem 16-jährigen Mädchen vergriffen. Dafür gibt es Gefängnis, aber kein Berufsverbot.

«Beim nächsten Mal gibt es nichts mehr zu husten»: Das Bezirksgericht Zürich, wo der Prozess stattfand.

«Beim nächsten Mal gibt es nichts mehr zu husten»: Das Bezirksgericht Zürich, wo der Prozess stattfand. Bild: Keystone

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Die Anklageschrift ist happig: Der Masseur aus der Stadt Zürich soll dem Mädchen nicht nur die Brust geleckt haben, sondern mit den Fingern in die Scheide eingedrungen sein. Ähnliche sexuelle Handlungen verübte er auch bei einer erwachsenen Kundin. Zudem fotografierte er mit seinem Handy heimlich die Geschlechtsteile der beiden Opfer. Daneben fand die Polizei auf seinem Computer illegale pornografische Bilder, und der Mann fuhr zweimal mit seinem Auto, obwohl er seinen Führerausweis auf unbestimmte Zeit los ist.

Staatsanwalt Markus Oertle verlangte dafür eine unbedingte Freiheitsstrafe von 44 Monaten sowie ein dreijähriges Berufsverbot. «Der Masseur hat das Vertrauen der beiden Opfer heimtückisch ausgenützt», sagte Oertle am Prozess vor dem Bezirksgericht. Es bestehe die Gefahr, dass er weiterhin solche Taten verübe, deshalb das Berufsverbot.

Die Geschädigtenvertreterin sagte, dass das Mädchen durch die Tat traumatisiert und gedemütigt worden sei und psychotherapeutische Hilfe gebraucht habe. Sie verlangte Genugtuung und Schadenersatz.

Polizei eruierte zweites Opfer

Der Masseur stritt die beiden Schändungen ab. Er gestand aber, die Frauen fotografiert zu haben, und auch bezüglich der Pornografie und der Verkehrsdelikte war er geständig. Die Fotos habe er gemacht, weil er eine Sammelwut habe und die Bilder aufbewahre. Die Taten seien nicht sexuell motiviert gewesen. Es tue ihm sehr leid.

Nach dem sexuellen Übergriff Anfang 2014 hatte die Mutter des Mädchens den Masseur angezeigt. In der folgenden Untersuchung konnte die Polizei anhand der Fotos und der Kundenkartei das zweite Opfer eruieren. Die Frau hatte den Mann nicht selber angezeigt.

Michael Felder, der Anwalt des Masseurs, verlangte denn auch einen Freispruch bezüglich Schändung. Die Aussagen der erwachsenen Frau seien sehr widersprüchlich gewesen. Das Mädchen sei nicht, wie das bei Schändung der Fall sein muss, wehrlos gewesen. Wenn es überhaupt zu solch einem Übergriff gekommen sei, hätte das Mädchen die Mutter zu Hilfe rufen können. Diese hatte ihre Tochter begleitet und auf einem Sofa in der Massagepraxis ein Nickerchen gemacht.

Letzte Chance

Das Bezirksgericht verurteilte den Masseur wegen Schändung im Fall des Mädchens, im Fall der erwachsenen Frau wurde er freigesprochen. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wovon er zwölf Monate absitzen muss, vermutlich in Halbgefangenschaft. Auf ein Berufsverbot verzichtete das Gericht. Gerichtsvorsitzender Roger Weber betonte aber, dass es bei einem weiteren Mal «nichts mehr zu husten gibt». Dann gebe es ein Berufsverbot.

Erstellt: 15.09.2015, 11:41 Uhr

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