Zum Hauptinhalt springen

Medizin Hunderte starben wegen der Pille, TA vom 11. 6.

Verlierer sind Patienten und Ärzte.

Die Pille ist ein sehr gutes Beispiel für die Vorgehensweise der Pharmaindustrie. Nach der Markteinführung wäre diese prinzipiell gesetzlich dazu verpflichtet, das Nutzen-Risiko-Potenzial aktiv weiter abzuklären. Um aber bei kassenpflichtigen Medikamenten den Preis hochzuhalten oder bei selbst zu bezahlenden Präparaten wie der Antibabypille die Verordnung bringenden Werbeversprechungen aufrechterhalten zu können, gibt man sich passiv mit den Minimalerkenntnissen aus klinischen Registrierungsstudien mit geringer Patientenzahl zufrieden, die nicht dem tatsächlichen Verordnungsmarkt entsprechen. Da sich heute praktisch alle Medikamente in einem hart umkämpften Verdrängungsmarkt befinden, liegt es nicht im Interesse der Pharma, Spontanmeldungen genauestens abzuklären. Erstens sind es ja bekannte Nebenwirkungen, und zweitens fehlen offensichtlich einzelne Daten, die keine definitiven Rückschlüsse erlauben. Das Geschäft ist gerettet. Verlierer sind die betroffenen Patienten und Ärzte, die offensichtlich etwas übersehen haben oder aus Spargründen mögliche genetische Risiken nicht abklären können. Erst auf Druck von Gesundheitsbehörden oder Haftpflichtfällen werden weitere Studien lanciert, um die Zulassung nicht zu verlieren, resp. die Gerichtsfälle abwehren zu können. Doch bis diese medizinisch korrekt ausgewertet sind, sind bereits die neusten angeblich noch «sichereren» Präparate auf dem Markt, zu denen man «zum Schutze des Patienten» wechseln kann.

Andreas Keusch, Pfäffikon

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch