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Mehr Kapazität für Kloten

Wenn Business-Jets nach Dübendorf ausgelagert werden, kann der Flughafen in Kloten weiter wachsen.

Von Ruedi Baumann und Stefan Häne Kloten – Aviatik-Experte Sepp Moser hat einen Vergleich, wenn es um das Nebeneinander von Gross- und Kleinflugzeugen geht: «Die Kleinen sind wie die Velos in der Stadt: erlaubt, leise, doch wenig lukrativ und aus Sicht der Autofahrer lästig.» Sollte der Flugbetrieb in Dübendorf tatsächlich revitalisiert werden, geht es nicht um Grossflugzeuge, sondern um die jährlich 41 000 Starts und Landungen (2010) von Business-Jets und Kleinflugzeugen, wie sie Manager, Hobbypiloten und Flugschüler benutzen. Beim Flughafen Zürich kommentiert man den Entscheid des Bundes positiv, aber nicht euphorisch. «Wir begrüssen grundsätzlich den Erhalt der Luftverkehrsinfrastruktur in Dübendorf», sagt Mediensprecher Marc Rauch. Und er betont: «Eine allfällige aviatische Nutzung von Dübendorf darf den Verkehr in Zürich-Kloten nicht beeinträchtigen.» Deutlich sagt der Flughafensprecher auch, dass man in Kloten kein Interesse habe, Linienflüge mit grossen Maschinen nach Dübendorf auszulagern. Die Kleinen bringen zu wenig Nach Ansicht von betroffenen Gemeindepräsidenten (siehe Seite 19) hat vor allem der Flughafen für Dübendorf lobbyiert. Auch Sepp Moser ist überzeugt, dass Kloten eine Businesss-Strategie habe, die darauf abziele, kleine Flugzeuge unter 30 Passagieren loszuwerden. «Schon heute vergrault der Flughafen die Leichtfliegerei mit höheren Taxen.» Die Kleinen seien für den Flughafen nicht interessant: «Sie verursachen fast den gleichen Aufwand wie die Grossen, bringen aber viel weniger ein – und die Manager sind auch nicht jene, die am Abend noch gross einkaufen.» Flughafensprecher Rauch dementiert das allerdings. Manche Geschäftsleute kämen mit einem Langstreckenflug erster Klasse nach Zürich und wechselten dann auf einen Business-Jet. «Das sind gut zahlende Umsteigepassiere.» Rein aviatisch macht die Auslagerung nach Dübendorf gemäss Moser Sinn. Business-Jets seien sehr leise, und das Pistensystem in Kloten würde entlastet. Das ist denn auch der springende Punkt für den Flughafenexperten und SP-Kantonsrat Ruedi Lais. Dem Flughafen gehe es mit der Auslagerung der Kleinen um langfristiges Wachstum. Die Zahl der Flugbewegungen in Kloten lag 2010 zwar bloss bei 270 000 – der von der Politik definierte Plafond liegt bei 320 000, technisch machbar wären 350 000. Weniger Kleine – mehr Grosse Wenn die 41 000 Flugbewegungen der Kleinen nach Dübendorf verlagert würden, gäbe das neue Kapazitäten für Linien- und Charterflüge. Viele Kleinflugzeuge sind zwar tagsüber unterwegs, wenn das Pistensystem nicht am Limit ist. Business-Jets besetzen Lande-Slots aber auch häufig zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend. Wenn diese wegfallen, können mehr Grossflieger aus Übersee starten und landen. «Diese wiederum», so SP-Politiker Ruedi Lais, «ziehen Ferienflieger und Regionalverbindungen an, was letztlich zu mehr Flugbewegungen führt.» «Derzeit ist eine Auslagerung aufgrund von Kapazitätsproblemen kein Thema», betont Flughafensprecher Marc Rauch. Er räumt aber ein: «Wenn die Flugbewegungen weiterhin zunehmen, könnte es durchaus sein, dass wir uns gezwungen sehen, die Kleinfliegerei auszuquartieren.» Dass der Flughafen heute «mit Samthandschuhen» kommuniziere und nicht in lautes Jubeln ausbreche, sei erklärbar, sagt SP-Politiker Lais: Erstens sind Regierung und Kantonsrat klar gegen eine weitere aviatische Nutzung von Dübendorf. Und zweitens wird im November über die Behördeninitiative gegen den Aus- und Neubau des Pistensystems abgestimmt. «Da will der Flughafen kein Öl ins Feuer giessen.»

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