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Mehr Lärm, weiter verteilt

Fluglärmgegner haben es von Anfang an befürchtet: Wenn die wirtschaftsfreundliche Bundesrätin Doris Leuthard das Flughafendossier übernimmt, werden es die Anliegen der lärmgeplagten Bevölkerung künftig schwerer haben. Jetzt sehen sie sich bestätigt. Leuthard und Bundesrat Ueli Maurer prüfen, ob der Flugplatz Dübendorf künftig zivil genutzt werden kann, um Kloten zu ent-lasten. Ein unverständlicher Entscheid, der von verblüffender Geringschätzung für die Anwohner, aber auch für die Bedürfnisse des Kantons Zürich zeugt. Auch wenn die Rede von «massvoller» Nutzung ist: Ohne Zweifel wird die Lärmbelastung vor allem im oberen Glattal dadurch massiv steigen. Selbst wenn man mit dem früheren Jet-Betrieb vergleicht, wird die Belastung grösser. Die Militärjets waren zwar laut, aber sie flogen nur während der Arbeitszeiten. Wird der Flugplatz Dübendorf zivil angeflogen, ist auch mit Betrieb an Wochenenden und Abenden zu rechnen. Von den Zu- und Wegfahrten mit Autos gar nicht zu reden. Die Zahl der Flugbewegungen im Kanton Zürich wird wohl insgesamt steigen, denn die Lücke, welche die Privat-flieger in Kloten hinterlassen, dürfte sehr rasch von den Airlines aufgefüllt werden.Mit anderen Worten: Es gibt mehr Lärm, und dieser Lärm wird über eine grössere Fläche verteilt. Der Entscheid des Bundes wird also deutlich mehr Lärmopfer produzieren. Das ist der blanke Hohn für eine Bevölkerung, die sich seit Jahren gegen den Fluglärm wehrt.Kommt hinzu, dass der Kanton Zürich schon lange sein Interesse daran ange-meldet hat, das gut gelegene Gelände neu zu nutzen, sei es für Bildung, Wirtschaft oder Freizeit. Auch das ignorieren Leuthard und Maurer. Ihr Hauptargument klingt wie eine billige Ausrede: Die strategisch wichtige Infrastruktur müsse erhalten bleiben. Glauben die beiden im Ernst, das Militär könne Dübendorf später einfach wieder für sich beanspruchen, wenn sich dort die Zivilfliegerei eingerichtet hat? Kaum. Vielmehr scheint Bern die Einschränkungen in Kloten umgehen zu wollen. Ob das der Kanton Zürich hinnimmt, ist mehr als fraglich. Es ist Zeit, dass auch der Bundesrat erkennt, dass der Flugverkehr nicht unendlich wachsen kann. Kommentar Liliane Minor, Zürich-Redaktorin, über den Entscheid des Bundes zum Flugplatz Dübendorf.

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