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Mehr Platz für Herrliberger Jugend

300 statt bloss 50 Quadratmeter: Das Engagement der Teenager für ein grösseres Jugendhaus hat sich gelohnt. Gestern feierten sie die Schlüsselübergabe.

Herrliberg - Überglücklich sind die Jugendlichen und stolz auf ihr neues Jugi. «Das Haus sei mega», sagt die 16-jährige Céline Aregger und strahlt. Gestern war die Schlüsselübergabe, die offizielle Eröffnung findet am 6. November statt. Wobei der reguläre Betrieb bereits nach den Sommerferien wieder aufgenommen wird. Einige der Jugendlichen werden während der Ferien das Haus einrichten. Die Eigeninitiative sei gross, sagt Patrick Frank, einer der beiden Herrliberger Jugendarbeiter. So haben auch die Jugendlichen die ganze «Ufrichti» organisiert. Als kleines Zeichen des Dankes an Gemeinde, Jugendkommission und Bauarbeiter. Fast ein Jahr hat der Umbau des Eglihuuses gedauert. Das Resultat: ein Neubau mit historischen Zügen.

Nicht nur die Jugendlichen, auch die Gemeinde ist stolz darauf. Ursula Avolio, die Präsidentin der Jugendkommission, sagt in ihrer Rede: «Herrliberg hat nun eines der schönsten Jugendhäuser des Kantons, ja der ganzen Schweiz.» Doch der Weg war lang und steinig. Nur schon die Suche nach einem geeigneten Objekt habe gedauert, sagt Hochbauvorsteherin Lisbeth Germann (FDP). Zwölf verschiedene Standorte habe man geprüft. Entweder sei die Immobilie zu teuer oder der Widerstand der Anwohner zu gross gewesen. Als das geeignete Objekt gefunden worden war und die Gemeinde im November 2008 dem Umbau zugestimmt hatte, kam dann endlich Schwung in das Projekt.

Schluss mit Platzproblemen

«Ohne das neue Jugi hätten wir langsam, aber sicher ein Problem gehabt», sagt Fabienne Bohnenblust, Jugendarbeiterin in Herrliberg. Ein Platzproblem. Denn das alte Jugi-Provisorium an der Forchstrasse war klein mit seinen knapp 50 Quadratmetern. Bei bis zu 60 Jugendlichen an einem Freitagabend reichte das schlicht nicht aus. Zudem sei die Arbeit auf diese Weise schwierig gewesen, da es keine Rückzugsmöglichkeiten gab. Dafür hat es im neuen Jugi nun genug Platz - 300 Quadratmeter stehen für Aktivitäten zur Verfügung, etwa zum Kochen, für Tanzkurse oder zum Sprayen. Wichtig ist den Jugendarbeitern vor allem, dass die Vorschläge von den Teenagern selbst kommen, denn «Jugendarbeit begleitet nur und setzt nicht fest, was gemacht wird», erklärt Jugendarbeiter Frank. Auch Projekte zwischen den verschiedenen Generationen soll es geben. Deshalb «ist es gäbig, dass das Pflegeheim gleich nebenan ist.» Eine grosse Chance sei es, zwischen Jung und Alt vermitteln zu können. Derselben Meinung ist auch Seraina Dittmar, Leiterin des Pflegeheims.

Anfangsschwierigkeiten

Nicht immer war die Stimmung zwischen Jung und Alt locker. Kurz vor der Abstimmung im November 2008 äusserten viele Bewohner des Pflegeheims «im Rebberg» ihre Bedenken zum geplanten Jugendhaus. Vor allem um die Nachtruhe sorgte man sich. Die Situation hat sich nun aber normalisiert - der Zeit sei Dank. Über das Thema Jugi werde nicht mehr viel diskutiert, sagt Dittmar, «die Bewohner warten erst einmal ab, wie sich die Jungen verhalten werden».

Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden an der Goldküste, in denen die Jugendarbeit ganz gestrichen oder stiefmütterlich behandelt wird, ist die Zusammenarbeit mit der Gemeinde in Herrliberg eng. Frank bezeichnet sie gar als «sehr intensiv». Grund hierfür ist die langjährige Aufbauarbeit, aber auch, dass die Jugendarbeit seit vier Jahren der Schule unterstellt ist, was den Jugendarbeitern ermöglicht, aktiv die Schüler zu begleiten - in Lagern, durch Schulbesuche und bei alltäglichen Problemen.

Zuvor war die Jugendarbeit dem Hochbau-Ressort unterstellt, da «niemand anders uns wollte», sagt Jugendarbeiterin Bohnenblust. Das neue Jugi vervollständige das Gerüst der Herrliberger Jugendarbeit, meint Frank. Die Basis für die Zukunft sei nun endlich fertig gelegt.

Unterschiedliche Probleme

Jugendarbeit bedeutet nicht überall dasselbe. «Gewalt gibt es auch in Herrliberg», sagt Bohnenblust. Doch hier richte sie sich nicht gegen Mitmenschen, sondern vor allem gegen Dinge. Frank ist aber der Meinung, dass dies nicht einfach ein Jugendproblem sei. Es betreffe die ganze Gesellschaft. Eine leichte Zunahme habe es zwar gegeben in den letzten Jahren, doch die Vergehen hielten sich in Grenzen. Der Leistungsdruck ist ein anderes Problem an der Goldküste. Die Mehrheit der Jugendlichen gehe ins Gymi. Der Druck, dass sie dort mithalten können, sei sehr gross. Die Herrliberger Jugendlichen freuen sich über ihr neues Jugi neben dem Pflegeheim. Foto: Sabine Rock

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