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Menschliches Gewebe züchten

Die ZHAW in Wädenswil will Haut nachbilden und gründet dafür ein Kompetenzzentrum. Es ist weltweit das erste seiner Art und vereint Wissenschaft und Industrie.

Von Dorothea Uckelmann Wädenswil – Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat in Wädenswil das weltweit erste Kompetenzzentrum «Gewebe zur Wirkstoffentwicklung» gegründet. Das Kompetenzzentrum will das Wissen und die Technologie zu Gewebemodellen bündeln und klar definierte Qualitätsstandards etablieren, wie Urs Hilber, Direktor der ZHAW Wädenswil, an der gestrigen Medienorientierung im Campus Reidbach sagte. «Deshalb bringen wir Spezialisten aus allen Branchen an einen Tisch.» Ursula Graf-Hausner, Leiterin des neuen Kompetenzzentrums, beschäftigt sich seit 13 Jahren mit dem sogenannten Tissue Engineering, der Züchtung von lebendem Gewebe im Reagenzglas. Sie erklärt: «Heute benutzt man zweidimensionale Zellkulturen und macht Tierversuche, um neue Wirkstoffe zu entwickeln und danach zu prüfen.» Ab 2013 dürfen in der EU aber keine Tierversuche mehr für Kosmetikprodukte durchgeführt werden. Die Pharma- und die Kosmetikbranche brauchen deshalb neue Möglichkeiten, ihre Wirkstoffe zu entwickeln und zu testen, und setzt deshalb zunehmend im Labor gezüchtetes Gewebe ein. Bisher werden in Tests vor allem zweidimensionale – also flache – Zellkulturen genutzt. Deren Aussagekraft ist laut Graf-Hausner jedoch limitiert, kommen doch im menschlichen Körper nur dreidimensionale Zellstrukturen vor. Menschliche Haut nachbauen Zunehmend werden aber auch 3-D-Gewebemodelle im Labor hergestellt und kultiviert. Statt eines Tierversuchs setzt eine Kosmetikfirma ein speziell entwickeltes 3-D-Hautmodell ein. Dieses umfasst verschiedene Zelltypen der menschlichen Haut. Daran testet die Firma ihre pflanzlichen Wirkstoffe. Am Modell der Mundschleimhaut können Forscher studieren, wie Zellen nach einer kleinen Verletzung wieder zusammenwachsen. Ein weiteres Projekt sieht vor, 3-D-Gewebe einzufrieren, damit es gelagert und transportiert werden kann. «Viele Modelle müssen für praktische Routinearbeiten weiter optimiert und validiert werden», sagt Ursula Graf-Hausner. Es sei daher notwendig, Standards, Normen und Qualitätskontrollen aufzubauen und zu definieren, wo welche Lösungen eingesetzt werden. Anstatt an verschiedenen Orten im kleinen Stil zu forschen, soll die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung und Industrie in Wädenswil gestärkt werden. Bisher konnten 16 Partner aus der Pharma-, Medizinal- und Kosmetikindustrie gefunden werden. Ziel ist es, ein nationales Kompetenzzentrum Tedd (Tissue Engineering for Drug Development) zu schaffen, das Kompetenzen bündelt, vorhandenes Potenzial besser ausschöpft und internationale Ausstrahlung hat. Unterstützt wird der Aufbau des Kompetenzzentrums durch die Gebert-Rüf-Stiftung, die grösste private Wissenschaftsstiftung der Schweiz. Das Projekt war 2010 eines der fünf Finalisten aus 56 Projektgesuchen. Die Gebert-Rüf-Stiftung leistet eine Anschubfinanzierung von 300 000 Franken. Messlatte für das Kompetenzzentrum wird das Symposium vom 14. bis zum 16. März 2012 mit der Dechema sein. Die Dechema ist eine gemeinnützige Fachgesellschaft, der mehr als 5500 Naturwissenschaftler, Ingenieure, Firmen, Organisationen und Institute angehören. «Dann werden wir sehen, wo das Kompetenzzentrum international steht», sagt Graf-Hausner.

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