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Migrantinnen treiben weniger Sport

Eine Studie der kantonalen Fachstelle Sport zeigt: Vor allem junge Mädchen aus dem Balkan, der Türkei und Osteuropa sind in den Sportvereinen untervertreten. Die hiesigen Vereine haben einleuchtende Erklärungen.

«Keine Zeit» geben Migranten am häufigsten als Grund an, weshalb sie nicht Sport treiben. Laut einer Studie der kantonalen Fachstelle Sport sind Schweizer sportlich aktiver als Migranten. Besonders klein ist der Anteil sportlicher Mädchen. Es ist vor allem die junge weibliche Bevölkerung aus dem Balkan, der Türkei und aus Osteuropa, die den Durchschnitt drücken.

Enrico Zoppelli von der Jugendberatungs- und Suchtpräventionsstelle Meilen erstaunt das nicht. «Mädchen aus diesen Ländern müssen in der Regel nach der Schule direkt nach Hause», erklärt er. Sie hätten kaum Spielraum für Freizeitaktivitäten.

Zustände wie im Film

Auch die Stäfner Asylkoordinatorin Meret Schulthess hat eine Erklärung. Unter den von ihr betreuten Asylsuchenden sind es vor allem die Mädchen aus konservativeren Kulturen wie den genannten, die keine Hobbys haben, aber auch solche aus Sri Lanka und Indien. «Das Mädchen gehört ins Haus, vor allem in der Pubertät», erzählt Schulthess von ihren Erfahrungen mit Migranten. «Die Buben spielen in ihrer Freizeit vielleicht noch Fussball; die Mädchen helfen der Mutter im Haushalt.»

Der Film «Bend it like Beckham» spiegle die Realität, wenn auch etwas überspitzt, sagt die Asylkoordinatorin weiter. In diesem Film kämpft ein indisches Mädchen in England gegen den Widerstand seiner Familie darum, in der Damenfussballmannschaft mitspielen zu können. «Auch hier musste ein Mädchen eine Sportart unbedingt ausüben wollen und heftig darum kämpfen, damit es klappt.» Schulthess rechnet damit, dass sich das frühestens mit der nächsten Generation ändert.

Zahlen zu den einzelnen Gemeinden und Bezirken im Kanton Zürich können die Studienverfasser zwar nicht zur Verfügung stellen. Allerdings fand man heraus, dass in urbanen Zentren und Agglomerationsgemeinden deutlich weniger Migranten in den Vereinssport integriert sind als in ländlichen Gemeinden. Das würde auf eine niedrige Migrantenquote in den hiesigen Gemeinden hindeuten.

Eine Umfrage bei ausgewählten Sportvereinen bestätigt diesen Verdacht tendenziell: In den sieben Herren- und Juniorenmannschaften des Unihockeyklubs Lokomotive Stäfa sind laut Präsident Matthias Jost praktisch nie Migranten aus dem Balkan, der Türkei oder aus Osteuropa vertreten. Auch Susan Tremp, Leiterin der Stäfner Tanzschule Impuls-Werkstatt, hat kaum Menschen aus diesen Ländern in ihren Kursen. Und dies, obwohl jene Migrantinnen, die Sport treiben, am liebsten tanzen, joggen oder ins Fitnesscenter gehen.

Tanzkurse sind eine Geldfrage

Die Untervertretung von Migranten erklären sich die Sportvereine allerdings unterschiedlich. Matthias Jost etwa führt das geringe Interesse darauf zurück, dass Unihockey in jenen Ländern kaum bekannt ist. Allerdings finden auch aus anderen Weltgegenden kaum Spieler in den Stäfner Klub. In der einzigen Damenmannschaft habe aber letzte Saison eine Lettin mitgespielt, die als Aupair in der Schweiz arbeitete.

Susan Tremp wiederum vermutet, dass der Tanz bei Mädchen aus den genannten Ländern deshalb nicht zuoberst auf der Hobbyliste stehe, weil dieser in vielen Kulturen sowieso verankert sei. «In vielen Ländern wird bei jedem Fest getanzt», sagt sie. «Tanz ist Teil der Kultur, dafür gehen die Mädchen nicht extra in einen Kurs.» Manche Familien wollten oder könnten sich die Kurse zudem schlicht nicht leisten.

Internationale Schwimmschule

Ganz anders sieht es bei der Tiss Schwimmschulen GmbH aus, die ihren Sitz in Zollikon hat. Dort kämen neben Kindern aus Russland und Deutschland auch einige aus dem Balkan in den Unterricht, sagt Teilinhaber Marco Pilloud. Das Verhältnis ausländischer Mädchen und Buben sei ungefähr ausgeglichen. Allerdings geben viele Mädchen, auch Schweizerinnen, das Schwimmen im Alter von 13 bis 15 Jahren auf. «Das ist wohl auf die Pubertät zurückzuführen.»

Ein grosser Teil der internationalen Kundschaft stammt aus den Privatschulen Inter-Community School in Zumikon und der Terra Nova in Küsnacht. Unter den zehn Schwimmleitern sind fünf, die osteuropäische Sprachen sprechen. Nun möchte Tiss das Angebot sogar noch erweitern: «Wir möchten gerne auch Unterricht in Serbisch, Kroatisch und Tschechisch anbieten, wenn die Nachfrage gross genug ist», sagt Pilloud.

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