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Mini-Fische für öffentliche Gewässer

Im Kanton Zürich werden in vier Zuchtstätten Jungfische aufgezogen. Eine davon befindet sich in Wangen.

Wangen - Die Aufzucht in Wangen dient nicht etwa den Liebhabern, die Fisch am liebsten auf ihrem Teller sähen. Das macht Fredi Senteler, der die Fischaufzucht führt, von Anfang an klar. «Wir verkaufen hier keine Fische.» Es sei vielmehr der Auftrag des Kantons, und dieser wiederum des Bundes, die öffentlichen Gewässer zu beleben und die Artenvielfalt in diesen zu erhalten.

Die Becken in der Halle sehen aus wie aneinandergereihte Waschtröge aus vergangenen Zeiten. Frisches Wasser plätschert in die einen halben Quadratmeter grossen Becken, in denen sich je 8000 Brutfische tummeln, denen der Dottersack noch am Leib hängt. Gerade mal zwei Zentimeter lang sind diese Wirbeltierchen. In dichten Schwärmen sucht die Fischbrut unter den Abdeckungen nach geschützten Stellen. Sobald die Jungtiere Nahrung aufnehmen, werden sie in die Aussenbecken verteilt, und wenn sie vier bis fünf Zentimeter gross geworden sind, in den umliegenden Bächen und Flüssen ausgesetzt. Dort beginnt ein harter Überlebenskampf. Nur drei bis fünf Prozent der gezüchteten Jungfische hätten die Chance, sich fortzupflanzen, erklärt Senteler.

Die Natur unterstützen

Dem Laien mag es seltsam vorkommen, dass der Natur nicht freier Lauf gelassen wird und Fische gezüchtet und ausgesetzt werden müssen. «Mit der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum und der damit verbundenen Gewässerbelastung ist der Gewässerboden an vielen Orten verschlammt», erklärt der Züchter. «Kiesbette, wie sie die Forellen zum Laichen benötigen, gibt es vielerorts nicht mehr.» Senteler sieht die Fischaufzucht nicht als Eingriff in die Natur, sondern als Unterstützung derselben. «Noch vor Jahren wurden Bäche kanalisiert», sagt er, «inzwischen wurden grosse Renaturierungsprojekte in Angriff genommen, aber aus Kostengründen teilweise wieder gestoppt.»

Jungfische werden nicht nur in Wangen, sondern auch in Stäfa, Pfäffikon und Dachsen gezüchtet. Die Zuchtbetriebe ziehen nach den kantonalen Vorgaben verschiedene Arten auf. Während in Dachsen Bachforellen und Aeschen für den Rhein und das Weinland heranwachsen, werden in Stäfa und Pfäffikon vor allem Seefische aufgezogen. In Wangen ist es ausschliesslich die See- und Bachforelle, neuerdings auch der heikle Seesaibling.

Laichfische aus Naturgewässern

In zwei grossen Aussenbecken ist der Muttertierstamm untergebracht. Hier schwimmen die Weibchen - verwirrenderweise der Rogner genannt -, denen der Züchter im Frühwinter von Hand den Fischlaich abstreift. «Nach etwa sieben Jahren, wenn der Rogner nicht mehr laichfähig ist, gebe ich ihn wieder der Natur zurück», sagt Senteler. Die neuen Laichfische fängt er im Oktober aus Naturgewässern. Dann beginnt das Prozedere von Neuem.

Die Wangener Fischzucht hat der Kanton bereits 1898 eingerichtet. Zu einer Zeit, als der Kreislauf der Natur noch intakt war und sich in der Glatt viele Forellen tummelten. Weshalb damals bereits Fische gezüchtet wurden und welche, ist Senteler nicht bekannt. Sein Arbeitstag und der seiner zwei Aushilfen ist kurzweilig: Er befreit die Filter von Schmutz und Futterrückständen, füttert die Fische und reinigt die Becken. Über den Fischbestand führt er sorgfältig Buch und protokolliert die Evaluationen zuhanden der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Gleichzeitig ist er Fischereiaufseher, hat Einsätze auf Baustellen an Gewässern und evakuiert in Notfällen gefährdete Fische. In der Aufzucht gedeihen die jungen Bachforellen prächtig, in der Natur folgt der Überlebenskampf. Fotos: Christoph Kaminski Fredi Senteler.

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