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Minigolf bünzlig? Sicher nicht!

Seit bald 60 Jahren wird Minigolf auf einer Bahn gespielt, die einst im Tessin erfunden wurde. Es hat nichts an Attraktivität verloren.

Von Liliane Minor Bassersdorf – «Minigolf? Spielt das überhaupt noch jemand?» Diese Frage tauchte kürzlich in einer Diskussion unter Kollegen auf, die sich um Freizeitvergnügen einst und jetzt drehte. Was machte man eigentlich damals, als es noch kein Handy gab, weder Computergames noch DVD, ja nicht mal Skateranlagen? Es gab Kino und ab und an eine Wanderdisco. Und Badi, Eisbahn und, genau, Minigolf. «Minigolf, soo bünzlig!» fand die Runde. Das spielen doch nur Familien, denen die Ausflugsideen ausgegangen sind. Und wenns hoch kommt noch Leiterinnen einer Kinderkrippe auf Betriebsausflug. Für jede Bahn einen Ball Diese These zu bestätigen, machte sich die Schreibende auf. Und stellte fest: Was für ein Vorurteil! Minigolf ist keineswegs am aussterben. Das zeigt schon der erste Blick in die Minigolfhalle Grindel in Bassersdorf an einem Nachmittag. Draussen ist es herbstlich kühl. Drinnen tummeln sich, natürlich, unzählige Eltern, Göttis und Grosseltern mit Kindern aller Grössen. Aber da sind auch Leute wie Paul Neuweiler, ein nicht mehr ganz junger Herr mit einer Figur, die nicht auf Leistungssport hindeutet. Paul Neuweiler schleppt ein dutzendfach geflicktes Damen-Handtäschli mit sich, darin sind 17 bunte Bälle. Schwerere und leichtere, weiche und harte. Manche springen, wenn man sie fallen lässt, andere bleiben liegen. Neuweiler spielt Minigolf, wann immer er Zeit hat: «Weil ich dabei gut abschalten kann.» Für jede Bahn hat der Mann einen Ball. Sein Grundsatz ist: «Der Ball sollte mit einem Schlag ins Loch.» Grundsätzlich. Aber eben, seufzt Neuweiler ernst: «Der Ball hat seinen Willen. Er ist der Chef, nicht ich.» An diesem Nachmittag übt Neuweiler auf der einfachsten Bahn, den Ball mit zwei Bandenberührungen zu versenken. Und was tut der Ball? Er schert sich um sämtliche Gesetze der Physik. Rollt akrobatisch ums Loch herum, wenn man ihn schon drin sieht. Oder er macht im letzten Moment einen unerklärlichen Schlenker und verschwindet im Loch, wo doch klar schien, dass er vorbeikullern würde. «Bälle versenken. Was sonst?» Die zweite Überraschung im Grindel: Es sind Junge da. Viele Junge. Vor allem junge Männer, einige mit Freundin, viele aber mit Kollegen. Finden sie Minigolf nicht bünzlig? «Sicher nöööd!», meint Kevin (20) entrüstet. «Sonst wären wir doch nicht hier, sondern daheim vor dem Fernseher.» Kevin spielt mit seinen Unihockey-Kumpels Sandro (18), Björn (18) und Yannick (21), den sie Elch nennen. Was gefällt den vier gestylten jungen Männern denn am Minigolf? Sandro sagt: «Hmmm . . .», Kevin: «Äh . . .». Björn sagt gar nichts und konzentriert sich auf seinen Schlag. Schliesslich murmelt Yannick: «Was uns gefällt? Bälle versenken. Was sonst?» Aber klar doch, jetzt fällt es der Autorin wie Schuppen von den Augen. Minigolf bietet alles, was Männer jeden Alters lieben. Einen Ball, der versenkt werden muss. Gelegenheiten für Sticheleien und dumme Sprüche. Gelegenheiten, unauffällig wegzuhören, wenn die Freundin zu komplizierte Dinge erzählt (das ist kein Vorurteil, sondern wurde mehrfach beobachtet). Gelegenheiten, andere zu bewundern, wie zum Beispiel Sandro, der einen Hobbyminigolfer mit einem Köfferli für sein Ballsortiment entdeckt und seinen Freunden mit wichtiger Stimme erklärt: «Diese Bälle kosten im Fall 30 Stutz das Stück, ohne Scheiss!» Und nicht zuletzt befriedigt Minigolfen den Ehrgeiz. Meistens. Die vier Unihockey-Kumpel liefern sich nach der zehnten Bahn einen harten Konkurrenzkampf. Björn und «Elch» liegen knapp in Führung. Bis die anderen zur psychologischen Taktik greifen. «Los, schiess daneben», johlen sie lachend, als Björn am Schlag ist. Der grinst, läuft rot an – und trifft prompt nicht. Auch Yannick gehts nicht besser, und plötzlich ist Sandro vorn. Und Kevin? «Den haben wir schon in der siebten Runde abgehängt», lachen seine Kumpel. Schliesslich gewinnt Sandro die Runde mit 42 Punkten, gefolgt von Björn mit 43 und Yannick mit 44. Paul Neumeier wäre damit nicht zufrieden. Er will 30 Punkte. Höchstens.

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