Zum Hauptinhalt springen

«Mit blauem Auge davongekommen»

Trotz Dachstockbrand in der ehemaligen Weberei Hueb bleibt der Besitzer und Architekt Hannes Strebel zuversichtlich, dass er den millionenteuren Umbau wie geplant im Frühjahr 2011 abschliessen kann.

Von Walter Sturzenegger Wald – Die Rauchwolke, die vom Dach seiner Fabrik im Weiler Hueb oberhalb von Wald in den Himmel stieg, verhiess nichts Gutes. «Wird nun meine ganze Arbeit für die Umnutzung der ehemaligen Weberei und der grosse Aufwand all der beteiligten Handwerker ein Raub der Flammen?», fragte sich Hannes Strebel, als er am Samstag um die Mittagszeit zur Baustelle fuhr. Schon bald schlugen die Flammen aus dem Dachstock. Strebel versuchte die Polizei zu alarmieren (siehe Kasten), ein Nachbar hatte geistesgegenwärtig die Feuerwehr Wald verständigt. Diese war schon kurze Zeit später zur Stelle und konnte den Brand gemeinsam mit der ebenfalls alarmierten Stützpunktfeuerwehr Hinwil löschen (TA von gestern). «Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen», bilanzierte Strebel, als er gestern zum Augenschein auf dem Dachstock lädt. Rund ein Drittel des Daches ist abgedeckt, die Ziegel liegen in Schuttcontainern. Die Sonne scheint durch verkohltes Gebälk, auf dem Dachboden liegen Ziegelscherben und angesengte Schindeln neben Stapeln feuchter Gipsplatten und Isolationsmatten. Doch die Hauptträger, die sogenannten Binder, blieben dank dem raschen Einsatz der 85 Feuerwehrleute unversehrt. «An diesen Trägern hängen die Decken», erklärt Strebel, «wären sie in Brand geraten, wäre das Gebäude wahrscheinlich zerstört worden.» Jetzt arbeiten die Handwerker in den unteren Stockwerken unverdrossen weiter, verputzen Wände, legen Leitungen, bohren, hämmern. Das Löschwasser habe bloss geringfügige Schäden verursacht, sagt Strebel. «Zum Glück sind wir mit dem Innenausbau noch nicht so weit. Die Küchen beispielsweise sind noch nicht montiert.» Strebel hofft nun, dass der zerstörte Dachstock bis Ende Woche provisorisch gedeckt werden kann. Die Arbeiten am 13,5 Millionen Franken teuren Umbau würden durch den Brand kaum verzögert, ist er überzeugt. Zumal er spüre, wie ein Ruck durch seine «Bau-Mannschaft» gegangen sei. Unvorsichtige Dachdecker Noch hat der Ermittlungsdienst der Kantonspolizei die genaue Brandursache nicht abschliessend geklärt. Doch scheint klar, dass das Feuer durch zwei Dachdecker ausgelöst wurde, die am Samstag auf den Flachdächern der sogenannten Sanitärtürme auf der Rückseite des Fabrikgebäudes mit Flüssiggas Bitumenbahnen verschweissten. Bei den Abdichtungsarbeiten zum alten Dach hätten offenbar Schindeln Feuer gefangen, mutmasst Strebel. Die beiden Arbeiter versuchten das Feuer mit Wassereimern zu löschen, mussten aber bald aufgeben und vom Dach flüchten. Das Feuer habe sich zwischen den Ziegeln und der Dachverkleidung rasch ausgebreitet, berichtet Andreas Odermatt, Mediensprecher der Feuerwehr Wald. Die Feuerwehrleute mussten das Unterdach mit Motorsägen öffnen, um der Flammen Herr zu werden. Die Löschkräfte hätten den Brand auch deshalb relativ rasch unter Kontrolle gebracht, weil sie über das Baugerüst leicht zum Dachstock hätten hochsteigen können, erklärt Odermatt. Eigentümer Hannes Strebel ist des Lobes voll über die Arbeit der Feuerwehr: «Selbst auf dem bereits brennenden Giebel waren mutige Männer im Einsatz.» Ihr engagiertes Eingreifen habe Schlimmeres verhindert, insbesondere auch ein Übergreifen der Flammen auf das benachbarte Tuchlager mit seinen holzgetäferten Praxen und Ateliers, das vor der Fertigstellung stehe. Für den Feuerwehreinsatz wird die Öffentlichkeit aufkommen müssen. Der Brand wurde zwar möglicherweise fahrlässig verursacht. Doch nur wenn ein Gericht zum Schluss käme, dass sich die Verursacher grobfahrlässig verhalten hätten, könne die Feuerwehr die Kosten weiterverrechnen, sagt Odermatt. So weit komme es erfahrungsgemäss aber «extrem selten». Unter einem schlechten Stern Die Umnutzung der 1853 erbauten und wenige Jahre später nach einem Grossbrand neu errichteten Weberei steht unter einen schlechten Stern. Zuerst musste der heutige Eigentümer Hannes Strebel einen Mieter ausweisen, der die Fabrik bis unters Dach mit Sammelgut vollgestopft hatte. Dann eckte er mit seinem Plan, einen 18 Meter hohen Turm des Bildhauers und Landschaftsarchitekten Jürg Altherr aufzustellen, bei Bewohnern des Weilers an. Und schliesslich scheiterte der Umbau beinahe an der Finanzierung. Ihm bleibe in der Hueb wohl nichts erspart, sinniert Strebel. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass er sein Werk bis April 2011 vollenden kann. «Die Hälfte der 17 Lofts ist verkauft, die Finanzierung gesichert.» Blick in den abgebrannten Dachstock der früheren Weberei Hueb oberhalb von Wald. Gut sichtbar die unversehrt gebliebenen Hauptträger. Foto: Nathalie Guinand

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch