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Mit dem Alphorn um die Welt

Alfred Kübli aus Dielsdorf ist seit 1972 leidenschaftlicher Alphornbläser. Auch in den Ferien darf das Schweizer Nationalsymbol nicht fehlen.

Dielsdorf - Wer oft am Sonntag von Regensberg nach Boppelsen unterwegs ist, hat den Klang von Alfred Küblis Alphorn bestimmt schon gehört. An seinem freien Tag steht er gern unweit des Lägern-Parkplatzes gleich oberhalb des Skilifts und entlockt dem 3,70 Meter langen Instrument beeindruckende Töne. Mehrere Kilometer weit ist Kübli zu hören. «Für mich ist es einfach nur ein schönes Hobby», sagt er.

1972 hat der Dielsdorfer mit dem Alphornspielen begonnen. Bei der Alphornbläser-und-Fahnenschwinger-Vereinigung Zürcher Unterland hat er das Instrument erlernt. «Es hat mich schon immer sehr fasziniert», sagt er dazu. Noch heute probt er mit der Vereinigung jeden Donnerstag in Bülach. Zusätzlich übt er mit zwei Kollegen jeweils am Dienstagnachmittag in Niederglatt. «Eigentlich sollte man schon täglich üben», hält er fest. Heute reicht es ihm allerdings nur drei- bis viermal pro Woche, um zum Alphorn zu greifen. Obwohl er nun mehr Zeit dafür hätte: «Bis Ende März hatte ich noch im kleinen Nebenerwerb Cheminée- und Brennholz verkauft.» Der Aufwand sei ihm aber in den letzten Jahren zu gross geworden.

Seinem musikalischen Hobby konnte er nicht immer frönen. «Als ich Probleme mit den Zähnen bekommen habe, musste ich eine Pause einlegen», so Kübli. Mit der Prothese gehe es aber fast besser als zuvor. An sein erstes Instrument kann sich Kübli gut erinnern. 680 Franken hat es gekostet. Ein halbes Jahr musste er sich gedulden, ehe es fertiggestellt war. Heute besitzt Kübli vier verschiedene Instrumente. 1993 hat er sein letztes Alphorn erworben. 2600 Franken hat er bezahlt. «Und das war damals noch ein Freundschaftspreis», erzählt Kübli. Heute müsse man noch tiefer in die Tasche greifen, wenn man ein Alphorn kaufen möchte.

Nicht alle hören gern Alphorn

Nicht nur in Regensberg spielt Kübli auf. Auch im Wald von Dielsdorf ist sein Alphorn manchmal zu hören. Doch dies kommt immer weniger vor: «Es ist schon häufiger vorgekommen, dass sich die Leute gestört fühlten.» Entweder stellen sie ihre eigene Musik lauter, schicken ihre Kinder rund ums Alphorn zum Fussballspielen oder «bitten» ihn gleich selbst in schroffem Ton, mit diesem Lärm aufzuhören. Früher habe er mehr Toleranz zu spüren bekommen.

Im Ausland konnte Kübli mit seinem Alphorn ebenfalls schon auftreten. Zum Beispiel an der Hannover Messe Ende der Achtzigerjahre. Seine jüngsten Auftritte liegen nur ein paar Tage zurück. Am Tag der offenen Weinkeller spielte er letztes Wochenende in Neftenbach, Wil und Eglisau.

Beruflich hatte Kübli nicht viel mit Musik zu tun. Eine Lehre zum Maurer habe er absolvieren müssen, obwohl er lieber Zimmermann geworden wäre. «Mein Vater hat für mich den Lehrvertrag unterschrieben, als ich im Welschland war», erklärt er. Die Lehre zog er durch. Danach folgte er dem Ruf der weiten Welt. Sobald er die Lastwagenprüfung in der Tasche hatte, besorgte er sich eine Stelle als Chauffeur. So lernte er zahlreiche Länder in Europa und Asien kennen.

Auch heute reist der vor kurzem 70 Jahre alt gewordene Kübli gern ins Ausland. Mit seiner Frau Erika wird er im Sommer mehrere Wochen mit dem Wohnwagen nach Finnland fahren. Früher waren seine drei Kinder dabei. Heute sind sie längst erwachsen, der älteste Sohn hat Kübli schon zum zweifachen Grossvater gemacht.

Spontanes Duett am See

Zum Feriengepäck gehört heute wie damals das Alphorn. Sein neues Instrument kann er in vier Teile zerlegen und somit problemlos verstauen. Das zweiteilige Alphorn musste er jeweils auf den Dachträger des Autos binden. Einige spezielle Momente hat er schon erlebt. «Vor einigen Jahren waren wir am Kalterer See in den Ferien», erzählt der Pensionär. Als er dort am Seeufer zu spielen begann, erklang von der anderen Seeseite plötzlich ein zweites Alphorn. «Ein Berner hatte ebenfalls ein Alphorn dabei, und wir haben uns mit dem Spielen abgewechselt», so Kübli. Für ihn und die Zuhörer am See wird das spontane Duett wohl ewig in schöner Erinnerung bleiben. Mit seinem Alphorn bringt Alfred Kübli jeweils am Sonntag einen Hauch von Bergwelt ins Unterland. Foto: Nathalie Guinand

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