Zum Hauptinhalt springen

Mit dem Greenhorn nach Europa

Der 36-jährige Zürcher Uli Forte sieht sich als unerfahrenen und namenlosen Trainer. Er arbeitet mit St. Gallen trotzdem so erfolgreich, dass er Platz 4 vor Augen hat. Heute empfängt er den Konkurrenten FCZ.

Ursprünglich wollte der FC St. Gallen nicht absteigen. Jetzt will er auf Rang 4 und in den Europacup. Zwischen den beiden Zielen liegen acht Monate und 26 Spiele mit 37 Punkten. Uli Forte sagt: «Ich bin überrascht, dass die Liga so ausgeglichen ist. Und deshalb haben wir unser Ziel revidiert.»

Uli Forte ist der St. Galler Trainer, 36-jährig erst und in seinem ersten Super-League-Jahr. Im Sommer 2008 hatte er den damaligen Absteiger übernommen und sofort zurückgeführt in die höchste Liga. Ihm gefällt, was seine Mannschaft leistet. Wie schnell sie physisch bereit war für dieses Niveau. Wie selbstbewusst sie oft auftritt, auch wenn mit Muntwiler ein Schlüsselspieler des defensiven Mittelfelds schon lange ausfällt. Wie gut sich junge Spieler wie Regisseur Costanzo entwickelt haben.

Was Forte noch fehlt, ist die Cleverness. Eine gewisse Härte manchmal auch. Er sagt: «Wir müssen lernen, uns zu wehren.» Er glaubt, die Defizite seien auch eine Frage der Erfahrung. Und deshalb erinnert er im nächsten Satz daran, woher seine Mannschaft kommt: «Viele Leute vergessen, dass wir zum Beispiel am vergangenen Sonntag gegen den FCB mit Schenkel, Lang, Costanzo, Winter und Frei fünf Spieler in der Startformation hatten, die bis zu dieser Saison noch nie Stammspieler in der Super League waren.» Und weil die Mannschaft auf vielen Positionen jung und unerfahren ist, sagt Forte: «Ich erkenne eine Parallele zwischen den jungen Spielern und mir. Ich bin ein Greenhorn, ein junger Trainer, und muss noch lernen.»

Der Erfolg des Namenlosen

In Dietlikon ist Forte aufgewachsen, in Zürich schloss er ein Wirtschaftsstudium ab. Als Fussballer war er ein stämmiger Innenverteidiger. Bei Erstligist Red Star hatte er seine besten Jahre. Bei Red Star wurde er 2002 auch (Spieler-)Trainer, als das Team gerade abgestiegen war. Er führte die Stadtzürcher sofort zurück in die 1. Liga. Er wechselte 2006 zum FC Wil in die Challenge League. Er arbeitete so erfolgreich, dass sich der FC St. Gallen um ihn bemühte.

Es war Fortes grosse Möglichkeit zum Durchbruch. Er hat sie genutzt. Er ist «gottenfroh» darüber, weil er glaubt: «Du bekommst nicht viele solche Chancen. Vor allem nicht, wenn du kein ehemaliger National- oder Bundesligaspieler bist, sondern ein Namenloser wie ich.» Im Winter verlängerte Forte seinen Vertrag vorzeitig bis 2012.

Seine Arbeitsweise hat Forte in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert, er hat sie nur den immer besseren Rahmenbedingungen angepasst. Ihm ist jetzt auch in St. Gallen wichtig, dass sich alle den Zielen des Klubs unterwerfen, «dem Logo unterordnen», wie er ganz genau sagt. Forte verlangt «tagtäglichen Einsatz, Leidenschaft, Integration und Identifikation». Es sind die Leitwörter, die er selbst vorleben will. Und es sind die Leitwörter, die eine Ähnlichkeit mit Christian Gross andeuten. Forte orientiert sich an Gross. Und er hat Gross auch ein paarmal zum Kaffee getroffen, als der 55-jährige Trainer zwischen Basler Abschied und Stuttgarter Neubeginn im Appenzell wohnte.

Der Druck und der zweite Joker

Forte spürt den Druck in St. Gallen. Das war schon in der vergangenen Saison so, als es für den Klub und seinen Anhang nichts gab ausser den Aufstieg. In der Super League ist für ihn jetzt noch einmal alles «intensiver, schneller und auch vom physischen her anstrengender» geworden. Er ist nach den Spielen müder als in der Challenge League. Mit Sport versucht er sich zurück in die Balance zu bringen. Es ist sein Mittel, um Dampf abzulassen. Forte joggt. Und der St. Galler Verwaltungsrat und frühere Nationalverteidiger Marco Zwyssig hat ihn zu den Senioren des FC Gossau mitgenommen.

Mit seinem Wechsel zu St. Gallen ist Forte nach Abtwil gezogen. Seine Wohnung in Wipkingen allerdings hat er behalten, auch weil ihm die Kurzfristigkeit des Geschäfts bewusst ist. Zürich ist für ihn Basis und Rückzugsgebiet geblieben für freie Tage. Zürich bedeutet für ihn «Stecker rausziehen und Distanz gewinnen». In Zürich kann er sich «eher inkognito» (Forte) bewegen als in St. Gallen, wo die Leute mit ihm auf der Strasse über Fussball diskutieren wollen.

Der FCZ ist heute nächster Gegner in der AFG-Arena, nächster Gegner im Kampf um Platz 4. Auf Rang 6 steht St. Gallen, zwei Punkte hinter Platz 4 und zwei Punkte vor dem FCZ. Forte glaubt, dass am Ende das Team mit dem «längsten Atem» für Europa qualifiziert sein wird. Er befürchtet nicht, dass seine Spieler die Anspannung verlieren könnten mit dem gesicherten Platz im Mittelfeld, weil er neben der Meisterschaft einen «zweiten Joker» hat. Am Ostermontag spielt St. Gallen seinen Cup-Halbfinal gegen Lausanne. Das fördert den Konkurrenzkampf. «Jeder will dort spielen und sich jetzt präsentieren.» Leidenschaft ist eines der Hauptworte des Trainers Uli Forte. Foto: Wiegand (Reuters)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch