Zum Hauptinhalt springen

Mit einem schwarzen Pudel gegen Depressionen

In der Oetwiler Privatklinik Schlössli schafft es ein Therapiehund, Patienten für kurze Zeit aus dem Gefängnis ihrer düsteren Gedanken zu befreien.

Von Regine Imholz Oetwil &endash Fröhlich trabt Balzo in den grossen Therapieraum, setzt sich auf den Teppich &endash und kratzt sich erst mal ausgiebig hinter dem Ohr. Aufmerksam mustert er die Menschen, die im Halbkreis vor ihm sitzen. Seit ein paar Wochen kommt der siebenjährige Riesenpudel regelmässig auf die Station der Privatklinik Schlössli in Oetwil. Seine Besuche sollen depressiven Patienten helfen, aus ihrer tiefen Traurigkeit herauszufinden &endash für einen Moment wenigstens. «Man darf nicht erwarten, dass die Patienten dadurch geheilt werden», sagt die betreuende Pflegefachfrau. Er sei vielmehr ein kleiner Teil aus dem umfassenden Therapieangebot der Klinik. Beim ersten Besuch von Balzo sei sie sehr kritisch gewesen. «Was soll ein bisschen spielen mit dem Hund schon bringen?», habe sie sich gefragt. Das Feedback der Patienten hat sie dann eines Besseren belehrt: Aus einem «Stimmungsbarometer», das die Teilnehmer selber ausfüllten, sei klar hervorgegangen, dass sie sich nach der «Hundetherapie» jeweils wesentlich wohler fühlten. Eigentlich hätte sie es besser wissen müssen, sagt die Fachfrau, schliesslich erlebe sie tagtäglich mit ihrem Pferd, wie gut diese Beziehung ihrer eigenen Seele tue. Unentgeltlicher Service Dass ihr Hund über ein besonders feinfühliges Wesen verfügt, wurde Katja Biella-Casal bewusst, als Balzo noch sehr jung war. Damals ging sie oft mit ihm in Erlenbach spazieren. Und jedes Mal, wenn ihnen behinderte Bewohner der Martin-Stiftung begegneten, habe es für den Pudel kein Halten mehr gegeben. Er sei auf die Leute zugestürmt, habe sie zum Spielen animiert und sich von ihnen streicheln lassen. «Er demonstrierte mir so immer wieder seine Affinität zu speziellen Menschen», sagt seine Besitzerin heute. Beim Verein Therapiehunde Schweiz liess sie sich zusammen mit Balzo zu einem Team ausbilden. Seit nunmehr vier Jahren besuchen die beiden Demenzkranke, gehen mit Bewohnern aus Altersheimen spazieren und versuchen ein bisschen Freude in den Alltag depressiver Patienten zu bringen. Sie tun dies nicht für Geld: Die Einsätze von Katja Biella und ihrem Hund sind ehrenamtlich. Im Therapieraum macht Balzo wedelnd seine Begrüssungsrunde. Er setzt sich manierlich vor jeden Patienten hin und gibt ihm die Pfote. Dies tut er mit schräg gelegtem Kopf auf eine so niedliche Art, dass er allen Anwesenden unwillkürlich ein Lächeln entlockt. Die Blicke, die vorher ziellos ins Leere gingen, sind jetzt alle auf den Hund gerichtet. Und dieser legt sich mächtig ins Zeug: Er sucht in den Händen versteckte Hundeguetsli und öffnet mit seiner Schnauze kleine Schachteln. Zwischendurch schnappt er sich ein Kissen, schleudert es in die Luft und bringt es einem Patienten. Findet er ein Leckerchen nicht auf Anhieb, ermuntern ihn die Patienten mit Zurufen. Eine Teilnehmerin lässt sich dazu motivieren, selber ein Kissen zu verstecken. Bereits nach kurzer Zeit herrscht eine ganz andere Atmosphäre als zu Therapiebeginn. Es wird gelacht, gerufen und vereinzelt sogar in die Hände geklatscht. «Das schafft kein Buch» Nach einer Stunde wird Balzo müde. Er legt sich mitten in die Runde und streckt entspannt alle viere von sich. «So sollten wir auch abschalten können», sagt eine Dame. Der Hund beschäftigt die Leute weiter: Wie alt ist er? In welcher Jahreszeit wurde er geboren? Ist er schon Vater? Wird er noch grösser? Wie lange macht er diesen Job schon? Ausführlich beantwortet Katja Biella-Casal die vielen Fragen. Zwei Teilnehmerinnen erzählen von ihren eigenen Tieren, und eine Frau sagt, dass sie auch gerne einen Hund hätte. In einem sind sich die Patienten einig: Balzo ist es gelungen, sie für eine kurze Zeit aus dem Gefängnis ihrer düsteren Gedanken zu befreien. «Das schafft kein Buch», sagt eine Dame. «Es tut so gut, ihn anzufassen und seine Wärme zu spüren», sagt eine andere. Dass er alle Menschen gleich behandelt und nicht wertet, beeindruckt eine der Teilnehmerinnen besonders: «Das kann man von den Menschen nicht erwarten.» Balzo verabschiedet sich bei jedem Einzelnen mit «Pfotenschlag». Begleitet wird sein Abgang von liebevollen Blicken. «Balzo wird mir immer unvergessen bleiben», sagt eine Patientin, «weil er mich in dieser schwierigen Lebensphase begleitet hat.» Katja Biella-Casal und ihr Königspudel Balzo auf dem Weg ins Therapiezentrum im Schlössli. Foto: Sabine Rock

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch