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Mit Kiosküberfällen die Kokainsucht finanziert

Zwei Männer raubten Kioske, den Stäfner Denner und Tankstellen aus, um ihr Kokain zu bezahlen. Das Bezirksgericht Meilen urteilte milde, da sie auf dem Weg der Besserung sind.

Die beiden jungen Angeklagten, die sich gestern Mittwoch vor dem Bezirksgericht Meilen für Raubüberfälle in Stäfa, Feldbach und Rapperswil verantworten mussten, sahen nicht wie schwere Jungs aus. Der 38-jährige Deutsche und der 27-jährige Italiener aus der Region zeigten sich reuig. Sie sind in Therapien damit beschäftigt, sich von ihrer Drogenabhängigkeit zu lösen. Der Deutsche lebt drogenfrei in einer therapeutischen Gemeinschaft im Kanton Zug, wo er Koch und Holzbearbeiter ist. Der Italiener ist verheiratet und hat als Baggerführer wieder fest ins Arbeitsleben gefunden.

Der deutsche Hauptangeklagte hatte von Ende 2006 bis Juli 2007 am oberen Zürichsee mit Raubüberfällen für grosse Aufregung gesorgt. Im Dezember 2006 hatte er maskiert und mit einer Gasdruckpistole bewaffnet den Stäfner Bahnhofskiosk heimgesucht. Er jagte der Verkäuferin einen Riesenschrecken ein und erbeutete rund 1700 Franken in bar und in Sammlerbriefmarken. Zwei Wochen darauf überfiel er wild entschlossen den Manor-Kiosk in Rapperswil, musste aber ohne Beute abziehen. Am Berchtoldstag kam die Agip-Tankstelle in Rapperswil-Jona dran, die er zusammen mit seinem italienischen Komplizen überfiel – der eine mit seiner Gasdruck-, der andere mit einer Spielzeugpistole. Der Deutsche bedrohte die Verkäuferin und nahm 2450 Franken aus der Ladenkasse. Der Italiener zwang einen Kunden, sich auf den Boden zu legen und sein Geld herauszurücken, und nahm mindestens 100 Franken davon an sich.

Überfälle mit Masken und Pistolen

Im März 2007 erbeutete der Deutsche im Stäfner Denner, wo er einer Kundin seine Pistole an die Schläfe hielt und den Verkäufer bedrohte, 1820 Franken und rannte dann auf die nahe S-Bahn. Im Juli 2007 überfiel er mit einem dritten Komplizen die Migrol-Tankstelle Schirmensee in Feldbach. Die maskierten Täter erschreckten die Verkäuferin so, dass ihr schwarz vor den Augen und schlecht wurde, und leerten 756 Franken aus der Ladenkasse in einen Sack.

Der Deutsche war in Bonn aufgewachsen und 1985 mit seinen Eltern in die Schweiz gekommen. Doch schon in der Sekundarschule in Schmerikon trank er mehr Wodka Lemon, als ihm guttat, begann nach der Lehre als Kunststofftechnologe mit Cannabisrauchen, geriet via Ecstasy immer tiefer in die Drogen und schnupfte schliesslich so viel Kokain und Heroin, dass er es mit Drogenhandel zu finanzieren begann. Er kaufte jeweils grössere Mengen Heroin und Kokain und verkaufte sie teurer weiter. Im Beruf arbeitete er gut und begann bei seinem toleranten Arbeitgeber in Rapperswil ein kontrolliertes Methadonprogramm. Doch 2006 wurde er wegen Missbrauchs der Firmenkreditkarte entlassen. Dann ging es nur noch bachab. Die Raubüberfälle waren das bittere Ende einer menschlichen Tragödie, die in die Sackgasse führte. Erst die Verhaftung und die Einweisung in eine Therapiestation brachten Einsicht und Wende. Er ist innert einem Jahr mit Methadon und dem Alkoholentzugsmittel Antabus von seinen Süchten losgekommen und pflegt wieder Kontakt zu seinen Eltern, die er vier Jahre lang nicht mehr gesehen hatte.

Der Italiener, ursprünglich aus Lecce in Süditalien, lebt als Jahresaufenthalter am rechten Zürichsee. Er hat weniger auf dem Kerbholz. Doch auch er ist drogensüchtig. Er beendet aber bald sein Methadonprogramm und sagt, der Täter sei «eine andere Person» gewesen. Das sei vorbei. Täter auf dem Weg der Besserung Beide scheinen auf gutem Weg zu sein, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das Verhalten im Gerichtssaal bestätigte den Eindruck, dass sie ihre Taten nicht wie skrupellose Berufsverbrecher vollbracht hatten. Wenn der Richter ironische Fragen stellte, etwa zur Beschaffung der Waffen oder zu einträglichen Hehlereigeschäften, lächelten sie so verlegen wie ertappte Schuljungen nach einem groben Streich. Der Deutsche schlug zudem von sich aus vor, seinen Opfern Gespräche anzubieten, um seine «grosse Dummheit» wiedergutzumachen.

Ohne Strafe kommen sie aber nicht davon. Der Deutsche wurde zu 42 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sie wird ihm erlassen, wenn er die stationäre Therapie makellos abschliesst. Der Italiener erhielt acht Monate bedingt. Beide müssen die Raubbeträge, Bussen und Gerichtskosten berappen. Es wird lange dauern, bis sie ihre Schulden beglichen haben.

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