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Mit Schleim gegen Schnee und Eis

Bevor die Flieger am Flughafen Zürich abheben können, müssen sie von Schnee und Eis befreit werden. Die Enteiser arbeiteten gestern im Akkord – dennoch mussten Flüge annulliert werden.

Von Nicola Brusa Kloten – Auf der Bachtel liegt Schnee, auf der Bern nebenan ebenso. Als Swiss-Maschinen sind sie einzig an der Heckflosse auszumachen. Der Schriftzug auf dem Rumpf liegt unter einer ordentlichen Schicht Schnee. Das Flugfeld am Flughafen Zürich ist gestern Freitagmorgen ein Schneefeld, durch das Räumfahrzeuge schwarze Schneisen gepflügt haben. Eine Piste nach der anderen, 14, 16, 28 und wieder von vorn, die ganze Nacht hindurch. Dafür verläuft der Verkehr ruhig und geordnet – um 9 Uhr heben die Flieger im Schnitt mit einer halben Stunde Verspätung ab. Kaum der Rede wert, bei diesen Wetterverhältnissen. Nach dem Mittag macht der Schnee dem Flughafen mehr zu schaffen. Die Verspätungen steigen auf zwei bis drei Stunden an, bis zum Abend werden mehr als 150 Flüge annulliert. Rote Sauce, grüner Glibber Bevor die Bachtel abheben kann, muss der Airbus enteist werden. Das dauert zehn Minuten, braucht eine Menge Wasser, 300 Liter Enteiser, kostet die Fluggesellschaft rund 2000 Franken – und bietet ein grosses Spektakel. Gleich neben der Piste 28 tanzen die Enteiser, Elefanten genannt. Immer synchron, einer links, einer rechts vom Flugzeug. Um eine A380 flugtauglich zu machen, arbeiten vier Elefanten gleichzeitig – mindestens. An ihren neun Meter langen Rüsseln tragen sie knallorange Fühler, starke Scheinwerfer beleuchten die Flugzeuge. Sie waschen mit Hochdruck, 80 Grad heissem Wasser und einer Menge Chemikalien den Schnee von den Flugzeugen (siehe Artikel rechts). Orange Sauce läuft über die Kabinenfenster und tropft vom Rumpf. Wasser stiebt, Flugzeuge und Enteiser verschwinden immer wieder in dicken Dampfwolken. In einem zweiten Arbeitsgang tragen die Elefanten Anti-Ice auf, zäher, giftgrüner Glibber, der das erneute Einfrieren verhindert. Vor allem die heiklen Stellen, Tragflächen, Leitwerke und Stabilisatoren, werden damit überzogen – das alles bei laufenden Triebwerken. Am Flughafen Zürich wird an zwei sogenannten De-Icing-Pads enteist. Auf beiden können jeweils drei Maschinen gleichzeitig enteist werden. Die Elefanten arbeiten im Akkord, 10 000 Liter Wasser und Frostschutz fassen ihre Tanks, je nach Wetterbedingungen sprühen sie die Maschinen mit anderen Mischungen ein. Unverdünnt hält länger «Grüezi», melden sich die Swiss-Piloten beim De-Icing-Pad-Coordinator, der in einem schäbigen Bürocontainer vor drei Bildschirmen und einem kleinen gelben Funkgerät sitzt und die Jumbolinos, Airbusse und Elefanten dirigiert. Auf Englisch und im Eilzugstempo wird den Kapitänen das Prozedere auf einer eigenen Funkfrequenz durchgegeben: mit welchem Gemisch, in wie vielen Durchgängen der Flieger behandelt wird. Daraus kann die Besatzung errechnen, wie lange ihr Flieger geschützt ist. Lange: Am Flughafen Zürich wird der giftgrüne Schleim unverdünnt aufgetragen. Vor dem Abflug eine halbe Stunde im Schneegestöber zu stehen, ist kein Problem. Dann wünscht der Coordinator einen guten Flug, «Ihnen auch», quittiert das Cockpit. Die Swiss-Flieger Pfannenstiel (vorne) und Bachtel (hinten) werden schneefrei – und bei dieser Gelegenheit für eine Zeit lang orange.Foto: Daniel Kellenberger TitelZusatziPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488 TitelZusatziPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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