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Mittagstische in Wädenswil fast doppelt so teuer

Noch vor dem Start der Tagesschule sorgt deren starres Modell für Ärger. Zudem sind Eltern und die CVP über die Kosten für den Mittagstisch empört.

Von Dorothea Uckelmann Wädenswil – «Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht mehr», sagt eine Wädenswiler Mutter, die anonym bleiben will, empört. Mit dem Mittagstisch sei sie bisher zufrieden gewesen, doch nun seien die Preise ohne erkennbare Leistungssteigerung erhöht worden. Zudem habe sie nur zwei Wochen Zeit, um sich zu entscheiden, ob sie ihr Kind für den Mittagstisch anmelde, was zusätzlich 30 Franken Gebühr kostet. Ihr 11-jähriger Sohn besuchte bisher für 56 Franken pro Woche den Mittagstisch. Mit dem neuen Tarif müsste die Mutter das Doppelte zahlen. «Nun habe ich mich mit einer Kollegin arrangiert und werde meinen Sohn nicht mehr zum Mittagstisch schicken», sagt sie. Im kommenden Schuljahr führt die Stadt Wädenswil flächendeckend freiwillige Tagesschulen ein. Ein Angebot, auf das viele Eltern lange gewartet haben. Nun hat die Primarschulpflege die Tarife für die Ganztagesbetreuung bekannt gegeben, die für jedes Kind aus verschiedenen Modulen zusammengesetzt werden können. Der Besuch des Morgentisches kostet 8 Franken. Für den Mittagstisch mit dem neu eingeführten Nachmittagsclub zahlt man für ein Kind 63 Franken. Nach Schulschluss 48 Franken. Die Teilnahme am Ferien-Schülerclub kostet die Eltern 80 Franken. Statt der bisher 13 Franken für den Mittagstisch, der die Kinderbetreuung und eine warme Mahlzeit beinhaltet, müssen die Eltern pro Kind neu 25 Franken bezahlen. Je nach steuerbarem Einkommen (unter 120 000 Franken) kann eine Reduktion des Tarifs gewährt werden. Neu dürfen auch Kindergartenkinder für 35 Franken am Mittagstisch teilnehmen. Die Tarife gelten pro Tag und enthalten einen Anteil von 10 Franken für das Mittagessen. Der andere Teil des Tarifs beinhaltet die Kosten für die Betreuung. Die Möglichkeit, dass die Kinder für 4 Franken ihr Essen selbst mitbringen, fällt mit der Einführung der Tagesschulen weg, damit alle Kinder das gleiche Essen haben. Wieder privat betreuen Auch die CVP-Fraktion meldet sich mit einer schriftlichen Anfrage beim Stadtrat zu Wort. «Statt einer günstigen Möglichkeit, die Kinder über Mittag in Betreuung zu geben, muss man sie neu zu hohen Tarifen fix anmelden», sagt Michael Vogt (CVP). Seiner Meinung nach fehlt in Zukunft eine Zwischenlösung. Mit den durch die Blockzeiten gedrängten Stundenplänen bleibe den Schülern häufig keine Zeit, nach Hause zu gehen. Er vermutet, dass durch die hohen Kosten die Teilnehmerzahl am Mittagstisch begrenzt werden soll. Trotzdem nicht kostendeckend Johannes Zollinger (EVP), Stadtrat mit Ressort Schule und Jugend, kann die Aufregung um die neuen Tarife verstehen. «Eine gesunde Ernährung müsste das aber wert sein», findet er. Selbst mit der Tariferhöhung sei die Betreuung noch lange nicht kostendeckend. Mit der Einführung der Tagesschule habe sich auch das Angebot verbessert. Zudem seien die Tarife jenen der Horte angeglichen worden. Die Gefahr, dass Eltern ihre Kinder aufgrund der hohen Kosten nicht mehr zum Mittagstisch schicken, ist Zollinger bewusst. In diesem Fall müsste man die Preise überdenken und unter Umständen vom Parlament absegnen lassen.

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