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Mitten im Orchester der Musik lauschen

Zum Abschluss der Thalwiler Kulturtage konnte das Publikum hautnah beim Konzert des Sinfonieorchesters Tifico dabei sein.

Von Andreas Kurz Thalwil/Langnau – «Zwischenräume» war das Motto der zweiwöchigen Thalwiler Kulturtage, die am Samstag in Gattikon zu Ende gingen. Und Zwischenräume wurden auch bei der Schlussveranstaltung in der Langnauer Mehrzweckhalle Schweikrüti geschaffen: in Form von freien Stühlen, die mitten im Sinfonieorchester Tifico standen. Die Zuschauer füllten diese Zwischenräume und konnten so für einmal ein Konzert aus der Perspektive der Musiker miterleben. Acht Plätze standen für die hundert Zuschauer mitten im Orchester bereit. Dazu zwei vor dem Dirigenten und rund zwei Dutzend auf Schwebebalken direkt vor den Musikern. Nach zwei Stücken wurden jeweils die Plätze getauscht. Das knapp 90-köpfige Sinfonieorchester Tifico spielte Filmmusik von «Indiana Jones» über «Spiderman» bis «Die Maske des Zorro». Zum Einstieg spielte jede Instrumentengruppe ihren Part der «Indiana Jones»-Titelmelodie, dann wurden sie wie Puzzlesteine zusammengefügt. Klangfülle und Dramatik Das Besondere am knapp eineinhalbstündigen Konzert war die Unmittelbarkeit. Man sah den Musikern aus nächster Nähe auf die Finger und konnte beobachten, wie die Blicke zwischen dem Notenblatt und dem Dirigenten hin und her huschen. Oder man bekam etwa mit, wenn der Kontrabassist einmal unvorsichtig mit seinem langen Bogen herumfuchtelte und dabei den Cellisten traf. Was dieser wiederum mit einem bösen Blick und heftigem Kopfschütteln quittierte. Auch direkt neben dem Thalwiler Dirigenten Christof Brunner waren Plätze frei. Dort kam das Zusammenspiel optimal ausgewogen zur Geltung. Man konnte die volle Klangfülle, die Wucht und die Dramatik der Filmmusik erleben. Hingegen ist – auch das wurde während des Konzerts deutlich – der Platz im Orchester punkto Klangerlebnis nicht der beste. Die Instrumente um einen herum sind zu dominant und übertönen die andern. Jeder Platz hat eine andere Akustik – je nachdem, in welchem Teil des Orchesters man sitzt. Motivieren mit der Mimik Für die Musiker ist der Effekt noch deutlicher: «In gewissen Sälen hört man nur sich selbst. Vom Rest des Orchesters bekommt man praktisch nichts mit», sagt Moderator René Huber. «Wir würden deshalb gern auch einmal mit dem Publikum tauschen.» Für ein Stück stand Dirigent Christof Brunner ein paar Meter vor das Orchester, sodass man ihn als Zuschauer von vorn sehen konnte. Dabei wurde einem vor Augen geführt, wie stark er neben dem Dirigentenstab auch mittels Mimik kommuniziert. Er forderte die Musiker, trieb sie an oder bekräftigt sie in ihrem Spiel. Den Zuschauern gefielen das intime Konzert und die ungewohnten Einblicke. Sie dankten dem Orchester mit minutenlangem Applaus.

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