Zum Hauptinhalt springen

Mutmasslicher Haupttäter macht Notwehr geltend

Der Staatsanwalt verlangt elf Jahre Freiheitsstrafe für den Messerstecher, der in Wädenswil einen Mann getötet hat.

Von Daniela Haag Horgen &endash Das Bezirksgericht Horgen vernahm gestern die vier Beschuldigten des Tötungsdelikts an der Holzmoostrasse in Wädenswil. Den drei Brüdern Z. und ihrem Bekannten wirft die Staatsanwaltschaft vor, die beiden Brüder I. angegriffen zu haben. Der mittlere der Z.-Brüder soll bei der Auseinandersetzung einen der I.-Brüder erstochen haben. Diesen Messerstich bestritt der Beschuldigte gestern nicht. Den Tathergang schilderte er aber völlig anders als der überlebende der beiden I.-Brüder am ersten Verhandlungstag. Dieser hatte am Dienstag gesagt, drei der vier Angreifer hätten seinen Bruder aus der Wohnung gezerrt. Laut dem Beschuldigten hingegen haben die beiden I.-Brüder die vier angegriffen, nachdem sie an der Tür geklopft hatten. Er &endash der Beschuldigte &endash sei dann die Treppe hinuntergestürzt. Der andere sei über ihm gewesen und habe ihn mit einem metallenen, spitzen Gegenstand bedroht und mit der anderen Hand geschlagen. Der Mann sei ihm körperlich überlegen gewesen. Auch habe er das Bewusstsein verloren, weil er beim Treppensturz auf den Hinterkopf gefallen sei, sagte der Beschuldigte. Zudem sei er am linken Oberschenkel verletzt worden und habe stark geblutet. Blutspritzer auf Jeans Irgendwann habe er sich losreissen können. Der andere habe ihn aber erneut angegriffen. «Ich hatte keine Möglichkeit, mich zurückzuziehen», sagte der Beschuldigte. Er sei verletzt und geschwächt gewesen. Da habe er gewusst: «entweder er oder ich». Er habe den Stich ausgeführt, um den Angreifer fernzuhalten. «Ich hatte Todesangst», sagte der Beschuldigte. Ob denn sein jüngerer Bruder und sein Bekannter ihm nicht geholfen hätten, wollte der Gerichtsvorsitzende Reto Nadig vom Beschuldigten wissen. Er habe sie nicht gesehen, antwortete dieser. Der Kampf habe ihn zu fest vereinnahmt. Er habe auch nicht gesehen, wer seinem Kontrahenten mit einem Armierungseisen auf den Kopf geschlagen habe. Ebensowenig wisse er, wer das Tatmesser weggetragen habe.Nichts gesehen haben wollen auch die anderen Beschuldigten. So streitet der jüngste der Z.-Brüder ab, mit einem Armierungseisen die I.-Brüder geschlagen zu haben, obwohl seine DNA-Spuren festgestellt wurden. Er weiss auch nicht, wie die Blutspritzer des Todesopfers auf seine Jeans kamen. Der Älteste der drei Z.-Brüder verweigerte die Aussage vor Gericht. Der Vierte im Bunde, der Freund der Z.-Brüder, sagte, er habe mit dem Arm den Kopf geschützt, damit er nicht geschlagen werde. Deshalb habe er vom Streit nichts gesehen. Er bestreitet, die Tatwaffen nach der Tötung versteckt zu haben. Alles Schutzbehauptungen Staatsanwalt Rolf von Allmen bewertet diese Aussagen als Schutzbehauptungen. Es sei ihnen keine Glaubwürdigkeit zu schenken. «Sie waren in der Überzahl und mit gefährlichen Gegenständen ausgerüstet.» Beide I.-Brüder hätten grosse Quetschrisswunden vom Armierungseisen am Kopf aufgewiesen. Und der Getötete habe an den Fingern Schnittverletzungen gehabt. Er habe wohl Angriffe mit dem Messer abwehren wollen, sagte der Staatsanwalt. Er fordert für den mutmasslichen Haupttäter eine Freiheitsstrafe von 11 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung. Wegen Angriffs, Körperverletzung und in einem Fall Begünstigung sollen der jüngste Bruder mit 2 Jahren, der älteste mit 15 Monaten und der Freund der drei Brüder mit 12 Monaten Freiheitsentzug bestraft werden. Zu Wort kam gestern auch der Rechtsvertreter der Geschädigten, Rechtsanwalt Markus Bischof. Er verlangt, dass die vier Beschuldigten den Familienangehörigen des Getöteten eine Genugtuung bezahlen müssen. Die Eltern sollen je 50 000 Franken, die Geschwister je 25 000 und der Bruder, der beim Angriff verletzt wurde und den Tod direkt miterleben musste, 35 000 Franken erhalten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch