Zum Hauptinhalt springen

Namenswechsel Statt Orientierung zu geben, sorgen Zürichs neue Türme für Verwirrung. Von Jürg Rohrer

Hochhäuser wie in Babylon

Der Sunrise-Tower in Seebach heisst nicht mehr Sunrise-Tower, weil die 1500 Sunrise-Mitarbeiter ausgezogen sind und die Sunrise-Leuchtschrift verschwunden ist (TA vom Dienstag). Neu prangt oben am 88 Meter hohen Turm das Firmenzeichen der Credit Suisse, die sich mit 1000 Angestellten eingemietet hat. Jetzt heisst der Doppelturm wohl CS-Tower oder La Credit-Suisse-Tour. Die Verwirrung wird noch grösser, wenn man bedenkt, dass das 2005 fertiggestellte Hochhaus anfänglich Diax-Tower hiess, bis der Mobilfunkanbieter Diax mit Sunrise fusionierte.

Das ist ein ziemlich grosses Sprachdurcheinander in so kurzer Zeit. Doch der Diax-Sunrise-Credit-Suisse-Tower ist nicht das einzige Hochhaus in Zürich mit Identitätskrise. Das mit 126 Metern bald höchste Hochhaus hiess zuerst Maag-Tower, weil es der Maag Holding AG gehörte. Dann kaufte die Immobilien-Investmentgesellschaft Swiss Prime Site das Gelände und gab dem Turm ihren Namen, auf dass ganz Zürich im Anblick des dominantesten Gebäudes der Stadt an Swiss Prime Site denke. Wenigstens sind mit Maag und Prime bloss zwei Namen im Spiel.

500 Meter weiter nördlich wirds komplizierter: Das 60 Meter hohe Hochhaus beim Escher-Wyss-Platz hiess einst Mobimo-Tower, dann wurde es blau saniert und erhielt den Namen Bluewin-Tower. Heute heisst es Swisscom-Tower. Die Swisscom hatte ihre Marketingstrategie geändert und stellte sich selbst in den Vordergrund anstatt wie früher ihre Töchter, darunter die Bluewin.

Der doppelte Mobimo

Zur erhöhten Verwirrung trägt bei, dass es ein Swisscom-Hochhaus auch in Winterthur gibt und dass in Zürich der Mobimo-Tower plötzlich wieder aufgetaucht ist - gleich nebenan auf dem Coop-Areal, wo der Generalunternehmer Marazzi ein Hochhaus baute, das ursprünglich Scala hiess. Der zweite Mobimo-Tower in Zürich feierte mit 81 Metern kürzlich die Aufrichte.

Das sprachliche Durcheinander an Zürichs neuen Türmen rührt daher, dass Firmen - als Besitzer oder als Mieter - mit diesen hohen, auffallenden Gebilden repräsentieren wollen - in Wort und Logo. Das taten grosse Unternehmen immer schon. Die Jelmoli- und Globus-Häuser werden immer so heissen, auch wenn es die Firmen einst nicht mehr geben sollte. Beim Ober an der Sihl sorgte gar der Stadtrat dafür, dass das ehemalige Waren- und Konfektionshaus trotz Verkauf an die UBS immer noch Ober heisst, indem er den Schriftzug auf dem Dach unter Schutz stellte. Die Verbindung von Haus und Hausherr war selten so deutlich wie im Haus Ober.

Dass die Stadt das ehemalige Firmenlogo schützte, war überaus verdienstvoll, bilden Häuser doch Merkpunkte in der Stadt. «Wir treffen uns vor dem Sprüngli», wird seit Jahrzehnten verabredet. Man stelle sich vor, Sprüngli verkauft an McDonald’s: Ungezählte Paare würden sich verfehlen, weil sie vor dem «Mäc» abgemacht haben, dann aber nicht mehr wissen, vor welchem. Weil Häusernamen identitätsstiftend und heimatbildend sind, ist die babylonische Vielwörterei an Zürichs Hochäusern ein öffentlicher Ärger. Sollte Swiss Prime Site ihren Turm dereinst an BP verkaufen, haben wir mitten in Zürich mit einem Mal den BP-Tower und müssen ständig an Ölteppiche denken. Das tut der guten Laune und der Steuermoral Abbruch.

Schrötig, aber beständig

Früher hiessen Hochhäuser meistens nach ihrem Standort: Hardau, Lochergut, Werd, Hochhaus zur Schanze, Hochhaus zur Schanzenbrücke. Das ist zwar nicht sonderlich originell, aber beständig. Bei starken Unternehmen, die nicht im Immobiliengeschäft tätig sind, kann aber auch der Firmenname Bestand haben: Migros-Hochhaus und Migros Herdern.

Deshalb hätten sich für den Sunrise-Tower an der Hagenholzstrasse zwei Möglichkeiten angeboten: einerseits Hagenholz-Tower oder Hagi-Turm. Der amtliche Name geht in diese Richtung: Hochhaus Hagenholzstrasse. Anderseits hätte man den Sunrise-Tower auch nach dem Eigentümer nennen können, der Beamtenversicherungskasse des Kantons Zürich. Der Name «Beamtenversicherungskasse-des-Kantons-Zürich-Tower» ist zwar etwas lang, aber grundsolide und weltweit einzigartig. Bluewin-Tower im Jahr 2004 (l.), Mobimo- und Prime-Tower letzte Woche sowie das Ober-Gebäude. Fotos: Gaëtan Bally (Keystone), Steffen Schmidt (Keystone), Thomas Burla

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch