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Neue Hoffnung für gestresste Lehrer Neue Hoffnung für gestresste Lehrer

Zwei Zürcher Schulleiter wollen Therapeuten und Fachlehrer in der Schule abbauen und dafür die Klassen verkleinern. Die Bildungsdirektion spricht von einer guten Idee, aber es gibt auch Widerstand. Ein Schulleiter verlangt weniger Therapeuten, Heilpädagogen und Fachlehrer sowie kleinere Klassen. Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) spricht von einer guten Idee.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Die Volksschule steckt in der Dauerkrise. Die Schulreformen setzen den Lehrkräften zu, und viele fühlen sich heute so stark überlastet, dass sie sich zum Widerstand formieren – zum Beispiel in der Stadtzürcher Protestbewegung «Schule im Sinkflug». Sie zählt bereits über 5000 Sympathisanten. Doch ungeteilt ist die Freude darüber nicht. Vielen ist der Ton zu negativ. Es genüge nicht, ständig mehr Ressourcen und den Abbau von Schulstunden zu verlangen, sagt etwa Schulleiter Bernhard von Arx. Und er geht gleich mit dem guten Beispiel voran. Unter dem Titel «Schule im Steigflug» präsentiert er eine Idee. Er ist überzeugt, dass damit auf einen Schlag praktisch alle Probleme der Volksschule gelöst werden könnten. Sein Vorschlag ist einfach: Man reduziert das Fachpersonal oder verzichtet ganz darauf. Mit dem frei werdenden Geld könnten mehr Klassenlehrer eingestellt werden. Von Arx geht davon aus, dass die durchschnittliche Klassengrösse von heute gut 21 Kindern auf 14 sinken würde. In so kleinen Klassen sieht der Initiant viele Vorteile. Die Lehrpersonen hätten weniger zu korrigieren, weniger Elterngespräche, und weil sie auch weniger Nerven in Absprachen und Sitzungen mit Therapeuten und Fachlehrern bräuchten, bliebe mehr Zeit für die individuelle Förderung der Kinder übrig. In einer solchen Schule stiege bei den Lehrpersonen die Freude am Beruf, und es sänke die Burn-out-Rate. In kleinen Klassen seien auch «schwierige Schüler» besser zu integrieren.In einem Papier listet von Arx noch weitere Vorteile auf: Schüler und Eltern haben weniger Ansprechpersonen, in den Schulzimmern gibt es mehr Platz für Leseecken, und Stundenpläne sind einfacher zu machen. Schulleiter Bernhard von Arx ist so sehr überzeugt von seiner Idee, dass er zusammen mit zwei Gesinnungsgenossen den Verein Blickfeldschule gegründet hat und sowohl bei seiner Schulgemeinde Dietikon wie auch bei der Bildungsdirektion nachgefragt hat, ob er diese Idee in seiner Schule umsetzen dürfe. Kanton sieht «kreativen Ansatz» Bei der Bildungsdirektion stiess von Arx auf offene Ohren. Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) schrieb in einem Brief, sie prüfe das Projekt und unterstütze dessen Ziele grundsätzlich. Und auf dem Volksschulamt wurden gar Modellrechnungen gemacht, wie viele Ressourcen frei würden, wenn die Stunden für Therapien, für «Deutsch als Zweitsprache» sowie jene für die Heilpädagogen in die Verkleinerung der Schulklassen umgelagert würden. Dabei kommt das Amt zum Schluss: «Es kommt erstaunlich viel zusammen.» Konkret spricht das Volksschulamt von Klassen mit 14 bis 16 Schülerinnen und Schülern. Urs Meier, stellvertretender Amtschef, ortet in der Zerstückelung des Unterrichts ein Problem und sieht im Vorschlag von Bernhard von Arx und seinen Mitstreitern einen «kreativen Ansatz». Sein Amt habe an Infoveranstaltungen Schulbehörden auch schon aufgefordert, Gesuche einzureichen, damit das Modell auf seine Praxistauglichkeit geprüft werden könne. Doch bis jetzt wolle keine Schule die Idee umsetzen – auch nicht Dietikon. Gemeinde legte Veto ein Dies bestätigt Bernhard von Arx. Anfänglich habe in Dietikon alles gut ausgesehen. Er habe Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) angeschrieben und eine positive Rückmeldung erhalten. Dann habe er die Idee auch in der Lehrerschaft verbreitet, doch dann sei plötzlich das Veto des Schulpräsidenten gekommen. Balbiani habe einen Übungsabbruch verlangt und ihm untersagt, die Idee in seinem Lehrerteam zu diskutieren. «Das hat mich enttäuscht», sagt von Arx. Weshalb es dazu kam, weiss er nicht mit Sicherheit. Möglich, dass Therapeuten und Heilpädagogen hinter den Kulissen gewirkt haben, um die Reduktion ihrer Pensen zu verhindern. Dies kann Schulpräsident Balbiani nicht bestätigen. «Ich wollte einfach nicht schon wieder ein neues Schulprojekt», sagt der Schulpräsident. Man sei in Dietikon mit der Umsetzung des Volksschulgesetzes mehr als ausgelastet. Grundsätzlich lehnt er die Idee mit den kleineren Schulklassen nicht ab.Bernhard von Arx hat seine Stelle in Dietikon allerdings gekündigt und ist heute Schulleiter in Zürich. Er kann sich vorstellen, seine Idee später am neuen Ort umzusetzen. Er ist auch überzeugt, dass man derzeit einen falschen Weg einschlägt. Die Bildungsdirektion und auch die Lehrerverbände wollten die Lehrpersonen entlasten, indem sie Schulstunden strichen. «Das wird ein Rohrkrepierer», glaubt von Arx. Entlastung gebe es nur, wenn man die Zahl der Baustellen reduziere, so von Arx. Wenn Lektionen gestrichen würden, sei das Symptombekämpfung. In nächster Zeit will von Arx wenn möglich auch politisch aktiv werden, vielleicht mit einem parlamentarischen Vorstoss. Bereits habe ein SVP-Kantonsrat Interesse gezeigt, und auch die Piratenpartei wolle ihn unterstützen. Diese hat allerdings den Nachteil, dass sie nicht im Kantonsrat vertreten ist. www.blickfeldschule.ch «Entlastung gibt es nur, wenn wir die Zahl der Baustellen reduzieren.» Bernhard von Arx, Schulleiter

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