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Neustart eines Stürmertalents

Nach dreijähriger Odyssee kehrt Luca Cunti bei den GCK Lions zu seinen Eishockey-Ursprüngen zurück – vorerst auf Probe.

Von Philipp Muschg Nicht Mark Streit, nicht Reto von Arx, nicht Michel Riesen. «Luca Cunti ist der talentierteste Schweizer aller Zeiten», lautete das Urteil, das NHL-Scout Thomas Roost im Frühjahr 2007 fällte. Es war Fluch und Segen zugleich. Der Erlenbacher Cunti, gerade 17 Jahre alt, hatte damals noch keine einzige NLA-Partie bestritten. Er hatte bei den Junioren geglänzt, in der NLB und in der 1. Liga gespielt und freute sich auf den bevorstehenden Draft. Als der Stürmer von Tampa Bay in der 3. Runde gezogen wurde, glaubte nicht nur Cunti an einen steilen Aufstieg in Übersee. Drei Jahre später stemmt er neben der Kunsteisbahn Oerlikon Gewichte. Er ist einer von 28 Spielern, die das Sommertraining mit den GCK Lions bestreiten. Zweimal täglich treffen sie sich, fünfmal die Woche. Und fast alle haben einen Vertrag für die neue Saison – Cunti gehört nicht dazu. «Ich möchte mich empfehlen», sagt er. Hier, wo er als Eishockeyspieler gross wurde. Hier, wo alles begann. Eine Chance und ein Neuanfang sei es für ihn, sagt Cunti. Er wählt seine Worte mit Bedacht. Seit er vor drei Jahren seine Heimat verliess, um Nordamerika zu erobern, hat er so viel erlebt wie andere in einer ganzen Karriere. Probleme mit der Meldestelle Schon die erste Station war eine Prüfung. An der St. Cloud State University – einer guten Adresse im amerikanischen College-Hockey – wollte Cunti Sport und Studium kombinieren. Es wäre im Eishockey eine Pionierleistung gewesen, aber am Ende bestritt er kein einziges Spiel: Die zentrale Meldestelle der Liga wurde von einem Feuer zerstört, zog in einen andern Bundesstaat und brauchte nicht weniger als eine halbe Saison, um festzustellen, dass die NLB eine Profiliga sei und der Gang ins College-Hockey deshalb nicht möglich. «Es war ein Missverständnis», glaubt Cunti, der St. Cloud als Fernstudent der Psychologie noch immer verbunden ist. «Bis zum Abschluss könnte es trotzdem noch eine Weile dauern», sagt er dann und lacht – und das soll in erster Linie mit dem beruflichen Neustart zu tun haben. Zum ersten Mal seit drei Jahren trainiert Cunti im Sommer wieder innerhalb einer Teamstruktur; viele seiner Mitstreiter kennt er von früher. Der 21-Jährige wirkt zuversichtlich. «Der Wettstreit im Training hat mir gefehlt», sagt er, «als Einzelkämpfer ist es viel schwieriger, sich zu motivieren.» Auf zehn statt vier Einheiten pro Woche kommt er jetzt. Er fühle sich besser denn je und sei endlich wieder gesund. Wenig Interesse aus Tampa Das war vergangene Saison anders. Nach einem erfolgreichen Jahr in der höchsten kanadischen Juniorenliga – er bestritt das Finalturnier um den Meistertitel – musste er im Sommer 2009 zur Kenntnis nehmen, dass bei Tampa Bay das Management neu, seine Bezugspersonen weg und das Interesse an einer Verpflichtung gering war. Als die Optionen in Nordamerika weniger wurden, orientierte sich Cunti Richtung Heimat. Der SC Bern, bei dem sein Onkel Pietro einst erfolgreich gestürmt hatte, verzichtete nach einigen Probetrainings jedoch – auch andere Klubs winkten ab. Schliesslich landete Cunti bei den SCL Tigers, wo ein Mitglied des Trainerstabs seine körperliche Fitness als «jenseits» qualifizierte. Ein Grund dafür war bald klar: Cunti litt am Pfeifferschen Drüsenfieber, die Saison musste er frühzeitig abbrechen. «Ich gehörte eigentlich immer zu den Schnellsten, aber in Langnau sind mir alle um die Ohren gefahren», erinnert sich der Stürmer, der als einer der besten Schlittschuhläufer seines Jahrgangs weltweit galt. Da sind sie wieder, die Superlative von einst. Doch die Zeiten haben sich geändert. Früher stand Cunti im Ruf, nicht immer pflegeleicht und verbal durchaus wehrhaft zu sein. Seinem NLB-Coach Beat Lautenschlager hielt der 17-Jährige öffentlich vor, den Jungen zu wenig Eiszeit zu geben. Heute ist er vorsichtiger geworden, schweigt lieber zu Dingen, über die er nichts Gutes sagen mag. Auch der GCK-Sportchef achtet auf seine Wortwahl, wenn es um den prominenten Rückkehrer geht. «Talent hat er, keine Frage», hält Simon Schenk fest und weist darauf hin, dass mit Dino Stecher ein anderer Trainer ist und die Voraussetzungen für einen Neustart gut seien. «Ob es schliesslich zu einem Vertrag reicht, liegt aber in erster Linie am Spieler selbst.» Kaderschnitt Ende August Ende August wird Schenk sein Kader um ein halbes Dutzend Spieler verkleinern. Cunti hofft, dass er auch dann im Team verbleibt. Dass er in Zürich sportlich endlich wieder eine Heimat findet. Davon, dass von den GCK Lions ein kurzer Weg zum ZSC und damit in die NLA führen würde, spricht heute noch keiner. Gewichte Stemmen für einen Vertrag bei den GCK Lions: Luca Cunti. Foto: Nicola Pitaro

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