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Nicht alle Glocken läuten gegen die drohende Klimakatastrophe

Kirchgemeinden setzen ein politisches Zeichen: Für ein effizientes Klimaabkommen in Kopenhagen lassen sie am Sonntag die Glocken erklingen. Skepsis gegenüber der Aktion herrscht bei den Kantonalkirchen.

Wallisellen - Für den römisch-katholischen Theologen und Pfarreileiter Oliver Wupper-Schweers in Wallisellen ist der Klimawandel ein globales Problem, das alle etwas angeht. Deshalb sieht er auch kein Problem darin, dass sich Kirchgemeinden politisch engagieren und am Sonntag um 15 Uhr für zehn Minuten die Glocken läuten lassen. «Mit dem Geläut wollen wir eine politische Botschaft an den Bundesrat senden», sagt Wupper-Schweers. «Und zwar fordern wir die Regierung auf, mehr gegen die Klimaerwärmung zu unternehmen.»

Die Kirche sei ein Teil der Gesellschaft, und deshalb sei es durchaus legitim, sich bei einem so wichtigen Thema wie der Klimaerwärmung politisch zu engagieren, ist der Theologe überzeugt und fügt hinzu, dass die Einwohner zu diesem Thema eine Stellungnahme der Kirche erwarten. Deshalb akzeptiere die Bevölkerung auch, dass die Glocken an diesem Sonntag zusätzlich läuten würden.

Das Geläut soll aber nicht nur den Bundesrat wachrütteln, sondern auch die Bevölkerung: «Wir rufen alle Menschen dazu auf, bewusster und sparsamer mit den Ressourcen umzugehen», sagt Wupper-Schweers. Den Entscheid, die Glocken läuten zu lassen, habe das Seelsorgeteam gemeinsam beschlossen. Die katholische Kirchgemeinde in Wallisellen zählt rund 4000 Mitglieder.

Aktion nicht breit abgestützt

Die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer rufen zu mehr Gerechtigkeit im Klimawandel auf. Sie verlangen, dass im neuen Klimaschutzabkommen, das vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen verhandelt wird, die Anliegen der Menschen in den Entwicklungsländer berücksichtigt werden. Deshalb fordern sie die Kirchgemeinden auf, zur gleichen Zeit die Glocken läuten zu lassen.

Dem Aufruf folgen jedoch nicht alle Kirchgemeinden. In Wallisellen etwa bleiben die Glocken der evangelisch-reformierten Kirche - die nur rund 200 Meter neben der katholischen steht - stumm. Der Grund dafür liege aber nicht etwa darin, dass sich die Kirchgemeinde nicht politisch exponieren wolle, sagt der evangelisch-reformierte Pfarrer Sven Hesse.

«Der Grossteil der Leute ist über die Aktion gar nicht informiert.» Er findet, dass die Hilfswerke die Bevölkerung mit Flyer oder Plakaten hätten darauf aufmerksam machen müssen. Zudem löse ein Kirchengeläut zu einer ungewohnten Zeit bei der Bevölkerung nur Unverständnis und Unsicherheit aus. Ein weiterer Grund, weshalb sich die reformierte Kirche nicht am Glockengeläut beteiligt, liegt aber noch ganz woanders: «Wir feiern am Sonntag um 17 Uhr Kinderweihnachten.» Würden die Leute die Glocken bereits um 15 Uhr läuten hören, wären sie irritiert.

Den Entscheid, nicht bei der Aktion mitzumachen, habe die Kirchenpflege gemeinsam gefällt. Die reformierte Kirchgemeinde Wallisellen zählt rund 5000 Mitglieder.

Handeln ist gefragt

Skepsis gegenüber der Aktion regt sich bei den Landeskirchen. Der Mediensprecher der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Nicolas Mori, warnt denn auch davor, dass das Kirchengeläut nicht zur Heuchelei verkommt: «Glockenläuten allein nützt nichts, wir müssen handeln», sagt Mori. Gerade die Kirche stehe mit ihren vielen Gebäuden in der Pflicht, Energiemassnahmen zu treffen.

Geläut gezielt einsetzen

Auch der Informationsbeauftragte der kantonalen katholischen Kirche, Aschi Rutz, mahnt davor, das Glockengeläut nicht zu missbrauchen. «Es gibt sehr viele Probleme, die angepackt und gelöst werden müssen. Doch wir können nicht für jedes Anliegen die Kirchenglocken läuten lassen.» Die Leute würden sich gar nicht mehr für das Geläut und vor allem den Grund interessieren.» Zudem fragt sich der Informationsbeauftragte: «Wie weit sollen sich die Kirchen politisch engagieren?» Eine Antwort darauf hat er jedoch nicht parat. Nur eines steht für ihn fest: «Das Glockengeläut muss sehr gezielt und zurückhaltend eingesetzt werden.» Theologe Wupper-Schweers lässt am Sonntag die Kirchenglocken läuten. Foto: David Baer

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