Bubenträume auf Schienen

In Bauma gaben sich am Wochenende Meisterwerke en miniature ein Stelldichein: 80 Modelleisenbahner stellten ihre Kleinserien aus.

Vom Hobby zum Beruf: Christian und Helene Carl haben sich schon lange den Modelleisenbahnen verschrieben.

Vom Hobby zum Beruf: Christian und Helene Carl haben sich schon lange den Modelleisenbahnen verschrieben. Bild: David Baer

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Drei rote Waggons der Rhätischen Bahn holpern in steinigem, unwegsamem Gelände über die Schienen, daneben rattert ein Cisalpino über eine malerische Wiese. Nur einige Meter davon entfernt lädt die Luzerner Bahnhofshalle zu einer Stilkunde in Bahnhofsarchitektur ein. Auf engstem Raum präsentieren sich an diesem Wochenende in Bauma auf Hochglanz polierte Bubenträume aus Stahl, Kupfer und Messing. 80 Aussteller aus der Schweiz und sämtlichen Nachbarländern zeigen an der achten Plattform der Kleinserie im Schulhaus Altlandenberg und Zentrum Grosswis ihre Kleinode.

Ein Pflaster für Spezialisten

«Dieser dort hat einen echten Dampfantrieb», tönt es von der einen, «machen Sie Spur 0 oder N?», fachsimpelt es von einer anderen Seite. Vor dem Ausstellungsstand des «Weichen-Walters» diskutiert eine Gruppe älterer Herren über die Herstellung raffinierter Stellwerke im Kleinformat, unweit davon wirbt ein Aussteller mit «Hintergründe und Halbreliefgebäude für alle Spureinheiten». Was der Laie inmitten der versierten Modelleisenbahner bald einmal ahnt, bestätigt OK-Mitglied Roland Born. Das Zielpublikum des dreitägigen Anlasses seien «keine Starter und Normalverbraucher, sondern Spezialisten». Und diese pilgern am Wochenende in Scharen nach Bauma: Rund 3500 Besucher zählen die Organisatoren insgesamt.

Eine Lok für 15'000 Franken

Die ausgestellten Kleinserien zeichnen sich, wie der Name bereits verrät, durch ihre geringe Stückzahl aus: Die Modelle, die in Bauma feilgeboten werden, sind handgefertigte Spezialprodukte – vorbildgetreu bis ins kleinste Detail nachgebaut. So bietet ein Modelleisenbahner aus Deutschland ausschliesslich Miniaturbäume an – in jeweils einem Tag Arbeit Blatt für Blatt, Ast für Ast gefertigt. Ein weiterer Aussteller hat sich auf ausgeklügelte Barrieren spezialisiert, ein Dritter auf gasbetriebene Dampfbahnen en miniature. So wundert es nicht, dass die Modelleisenbahner für ihre raren Stücke einen stolzen Preis verlangen: «Eine stattliche, handgefertigte Lok kann bis zu 15'000?Franken kosten», verrät Roland Born.

Grosse Kinder

Mit 250 bis 480 Franken bewegen sich die Waggons von Christian Carl in einer etwas tieferen Preisklasse. Sie sind jedoch nicht minder aufwendig hergestellt: Bis zu 80 Arbeitsstunden stecken in einem der Waggons, deren Konstruktion und Design allesamt aus der Feder von Christian Carl stammen. «Wir fahren jeder Lok nach, die wir sehen», erzählt seine Frau Helene augenzwinkernd. Die Begeisterung für die Bahn liegt wohl in der Familie. Schon als Kind sei der Dübendorfer ein begeisterter Modelleisenbahner gewesen – wie schon sein Vater, verrät Helene Carl. Vor 25 Jahren hatte er sein Hobby zum Beruf gemacht und betrieb bis vor 2 Jahren ein Geschäft in Zürich. Als «Spielzeuge für die grossen Kinder» bezeichnet er seine Produkte. Und schon erklärt er einem nächsten potenziellen Kunden die Feinheiten eines kleinen Spur-H0-Waggons.

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Erstellt: 17.10.2010, 21:40 Uhr

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