Die Armee hat ausgescheuert

Ihr Scheuermittel für die Armee stellte die Pfäffiker Firma Sorein 88 Jahre nach dem gleichen Rezept her. Doch jetzt ist Schluss damit: Geschäftsführer Daniel Bürki setzt voll auf flüssige Seifen.

Er sorgt schweizweit für saubere Hände: Geschäftsführer Daniel Bürki am Abfüllstutzen eines Rührwerks.

Er sorgt schweizweit für saubere Hände: Geschäftsführer Daniel Bürki am Abfüllstutzen eines Rührwerks. Bild: Stefan Krähenbühl

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In den Büroräumen des Pfäffiker Seifenfabrikanten Sorein glänzt es, als könnte man vom Boden essen. Tische, Fenster, Computer und Akten sind sauber und staubfrei. Selbst Geschäftsführer Daniel Bürkis Hemd strahlt, als hätte er es stundenlang in Seifenlauge getunkt. «Natürlich haben wir alle eine weisse Weste», sagt er vergnügt. «Das gehört bei uns ja quasi zum Job.»

Seit bald 90 Jahren produziert Sorein Seifen für stark Verschmutztes. Ihre Produkte kommen bei besonders aggressiven Stoffen zum Einsatz. Sie entfernen Harz, Zement, Grafit oder Teer. 5000 Kunden, darunter Industrieunternehmen wie Amag, ABB, Coca Cola, IWC, aber auch die Schweizer Luftwaffe, beliefert die Firma und ist damit in der Schweiz Marktführerin. «Wir sind überall da gefragt, wo die Hände besonders stark beansprucht werden», sagt Bürki.

Unverzichtbar im Militärdienst

Der Seifenmarkt ist hart umkämpft. Hersteller von normalen Reinigungsprodukten wie Handseifen und Duschmitteln agierten in einem übersättigten Markt, sagt Bürki: «Die letzten Schweizer Fabriken serbeln. Gegen die Produkte der Grosshändler kommen sie nicht an.»

Auch Sorein hat einst mit Putzmitteln für den Haushalt begonnen. Das bekannteste – zumindest unter Militärdienstleistenden – ist das Sorein-Scheuerpulver. Wer im Dienst schon einmal ein Waschbecken geschrubbt hat, kennt die weisse Substanz. «Die Formel für das Pulver ist 88 Jahre alt», sagt Bürki. Es ist das älteste Produkt des Unternehmens. Hergestellt wird es inzwischen nicht mehr. «Wir beschränken uns auf flüssige und halbfeste Stoffe.»

Plötzlich ein Chemiebetrieb

Anfang 2008 bezog Sorein eine neue Produktionsanlage im Pfäffiker Industriequartier Witzberg. Dem Umzug war ein Inhaberwechsel vorangegangen: Bürki übernahm den Betrieb von der Familie Wolfensberger aus Russikon. Mit dem Wechsel in der Chefetage gab es Probleme. Der Mietvertrag für das alte Gebäude an der Feldstrasse wurde gekündigt, die Sorein musste umsiedeln. Mit weitreichenden Konsequenzen: «Plötzlich wurde uns klargemacht, dass wir ein Chemiebetrieb sind und diverse Auflagen erfüllen müssen», sagt der 44-Jährige. Auflagen, auf die früher niemand geachtet hatte. «Da wurde unter freischwebenden, tonnenschweren Gefässen an offenen Rührwerken gearbeitet», erinnert sich Bürki. «Es waren archaische Zustände.»

Am neuen Standort ist die Seifenfabrikation – das «Herz», wie Bürki sagt – zum schlanken Prozess umgestaltet worden: In zwei Rührwerken, beide immerhin mit einer Kapazität von 1800 Litern, werden die «Zutaten» vermengt. Aus 10 bis 15 Rohstoffen bestehen die verschiedenen Reinigungsmittel. Damit die korrekte Zusammensetzung peinlich genau eingehalten werden kann, liegen die Rührwerke, beide je über drei Tonnen schwer, auf Waagen auf. Auf ein Kilogramm genau messen die Geräte. Der Herstellungsprozess dauert gut einen halben Tag. Dann wird die Masse direkt ab Rührwerk abgefüllt. Sorein verkauft ihre Seifen in Behältern mit bis zu einer Tonne Fassungsvermögen. Rund 350 Tonnen Reinigungsmittel liefert das Unternehmen jährlich aus.

Tüfteln für neue Anwendungen

Wenn die Produktionsanlagen das Herz von Sorein sind, ist der abgegrenzte Raum in seinem Innern das Hirn. Hier, im Labor, tüftelt ein Chemiker an neuen Produkten. Er kalkuliert, portioniert, mischt und rapportiert. Unzählige Behälter mit Proben zeigen, wie die Inhaltsstoffe von unfertiger Seife aufeinander reagieren. Bis die Entwicklung eines Produkts abgeschlossen ist, kann es ein Jahr dauern. «Allein die Testphase nimmt sechs Monate in Anspruch», sagt Bürki. In den nächsten Jahren will er ein gutes halbes Dutzend neue Produkte auf den Markt bringen.

Geplant ist ausserdem die Ausdehnung auf den Westschweizer Markt. Bislang ist die Sorein vor allem in der Deutschschweiz tätig. «Der Markt in der Romandie weist ein grosses Potenzial auf. Wir gewinnen jeden Tag ein oder zwei Kunden dazu.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2011, 21:40 Uhr

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