Die kunstvolle Art, Städte und Berge zu entdecken

Der Verlag Gecko Maps aus Egg vertreibt besondere Stadt- und Touristenkarten. Ruben Atoyan ist einer der Künstler und Kartografen, welche die Karten zeichnen.

Mit kleinsten Fenstern, Vordächern und Tramhaltestellen: Ruben Atoyan hat einen aussergewöhnlichen Stadtplan von Zürich gezeichnet.

Mit kleinsten Fenstern, Vordächern und Tramhaltestellen: Ruben Atoyan hat einen aussergewöhnlichen Stadtplan von Zürich gezeichnet. Bild: Christoph Kaminski

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Zweidimensionale Stadtpläne gehören bei jedem Touristen ins Reisegepäck. Sie orientieren schnell, grösstenteils übersichtlich und führen die Reisenden zum Ziel. Einen realen Eindruck über das Aussehen des Ziels – sei es eine Kirche, ein Bahnhof oder ein Park – erwecken sie aber nicht. Diese Vorstellung will der armenische Künstler und Kartograf Ruben Atoyan mit seinen Plänen vermitteln. «Es sind dreidimensionale Darstellungen aus der Vogelperspektive. Sie vermitteln ein anderes Bild einer Stadt», sagt Atoyan. Das Markenzeichen der Pläne ist die kunstvolle, im Stil des 17. Jahrhunderts gehaltene Aufmachung. Sie sind koloriert und wirken wie Gemälde. Die Detailtreue geht bis zu kleinsten Fenstern, Vordächern oder Tramhaltestellen. Die Karte von Zürich, die er für den Verlag Gecko Maps gezeichnet hat und die in diesem Jahr erschien, ist ebenfalls in diesem Stil gezeichnet. Atoyan weilt zurzeit für zehn Tage in der Schweiz, um für Gecko Maps an Plänen der Städte Luzern und Bern zu arbeiten. «Ich habe ihn vor zehn Jahren an der Buchmesse in Frankfurt kennengelernt», sagt Arne Rohweder, Inhaber von Gecko Maps. Nach dem Betrachten von Atoyans Werken sei die Idee entstanden, auch Schweizer Städte so kunstvoll darzustellen.

Google Earth anstatt Skizzen

Ruben Atoyan wurde 1954 in Armenien geboren und studierte in den 70er Jahren an der Moskauer Universität Kartografie. In den 80er Jahren machte er seine Doktorarbeit mit dem Thema «Entwicklung neuartiger Touristenkarten». Sie weckte bei Atoyan den Gedanken, «neben Panoramen auch Städte dreidimensional zu zeichnen». Die ersten zehn Jahre nach dem Studium verbrachte Atoyan in Armenien. Er zeichnete Städte und Landschaften, bot sie verschiedenen Verlägen zum Kauf an. «So konnte ich meine Kunst etablieren und mir einen Namen machen», sagt er. In den folgenden Jahren arbeitete er unter anderem in Weissrussland – wo er heute lebt –, Polen, Deutschland, Italien oder Kambodscha.

Beim Anblick der Karte von Zürich stellt sich unweigerlich die Frage: Wie ist es möglich, die Komplexität einer Stadt in einem schlüssigen Gesamtbild zu fassen? In einem ersten Schritt der Arbeit wandert Atoyan tagelang durch die Städte. «Früher hatte ich noch keine Kamera, also musste ich in aufwendiger Kleinarbeit Skizzen erstellen und diese dann in die Karte übertragen», erklärt er schmunzelnd. Heute sei es einfacher. Er fotografiere und filme die Gebäude und Sujets. Besonders schwierig sei der «point of view» zu bestimmen, die Perspektive der Pläne. «Jedes Gebäude muss ich von diesem Punkt aus betrachten und auch so in die Karte eintragen.» Google Earth stelle dabei eine Hilfe dar. «Ich nutze es, um die Orientierung nicht zu verlieren und die Häuseranordnung zu überprüfen», sagt Atoyan.

Das Zeichnen und Malen ersetze es aber nicht, dies sei immer noch lange, kunstvolle Handarbeit. An der Karte von Zürich arbeitete er insgesamt sieben Monate. Grundlage für die Zeichnung sei ein zweidimensionaler Plan der Stadt. Er diene als Schablone, um die korrekte geometrische Anordnung zu gewährleisten. «Zur besseren Orientierung und Übersicht zeichne ich die Strassen breiter», erklärt Atoyan eine weitere Eigenheit seiner Pläne.

Charakter eines Gemäldes

Arne Rohweder ist ebenfalls gelernter Kartograf. Nachdem er sich als Panoramazeichner selbstständig gemacht hatte, gründete er den Verlag Gecko Maps. «Ich bin in Griechenland mit dem Velo eine ganze Insel abgeradelt, um eine Panorama- und Strassenkarte zu zeichnen. Letztlich hat mich der Auftraggeber aber nicht mal bezahlt», erzählt er. Deshalb sei er gezwungen gewesen, die Karten über Gecko Maps selbst zu vertreiben.

Rohweder hat sich im Gegensatz zu Atoyan auf Berggebiete spezialisiert. «Die handgezeichneten Karten erleichtern den Touristen die Orientierung und das Auffinden von Sehenswürdigkeiten», sagt er. Zudem seien sie ein wertvolles Souvenir für kunstinteressierte Leute. Und Atoyan fügt hinzu: «Sie haben den Charakter eines Gemäldes, das man an die Wand hängt.»

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Erstellt: 27.10.2010, 20:27 Uhr

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