«Frauen werden auf Kosten der Männer privilegiert»

Sarina Rogg aus Uster ist die einzige Frau im Vorstand des Vereins Antifeministen. Sie will aufzeigen, wo Männer benachteiligt werden.

Hat Angst, auf der Strasse erkannt zu werden: Die 38-jährige Sarina Rogg will ihr Gesicht nicht zeigen.

Hat Angst, auf der Strasse erkannt zu werden: Die 38-jährige Sarina Rogg will ihr Gesicht nicht zeigen. Bild: David Kündig

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Haben Sie ein Problem mit Frauen?
Überhaupt nicht. Ich bin ja selber eine Frau. (lacht)

Warum engagieren Sie sich dann im Verein Antifeministen?
Weil ich mich für richtige Gleichberechtigung einsetze.

Was verstehen Sie unter «richtig»?
Wir Frauen haben es doch sehr gut in der Schweiz. Ich finde es schade, dass wegen kleiner Dinge, in welchen die Frauen mit Männern nicht gleichgestellt werden, gleich eine grosse Geschichte gemacht wird. Für Frauen gibt es Anlaufstellen wie Sand am Meer, die sich für sie einsetzen. Aber wer schaut für Männer, dass auch sie zu ihrem Recht kommen? Aber im Grunde ist das eigentlich gar nicht Sache der Männer oder Frauen, sondern Sache der Menschen. Ich setze mich dafür ein, dass Menschen gerecht behandelt werden, ich habe einen starken Gerechtigkeitssinn.

Ist es nicht auch dem Engagement von Frauen zu verdanken, dass Sie heute als Frau Möglichkeiten und Rechte haben, die Sie ansonsten immer noch nicht hätten?
Ich danke allen Frauen, die vor 40 Jahren dafür gekämpft haben. Nur finde ich, dass Feminismus nichts mit Gleichberechtigung und Emanzipation zu tun hat. Ich habe ein Problem damit, wenn heute ein Gleichstellungsbeauftragter einen Fussgängerstreifen geschlechtsneutral Zebrastreifen nennen will.

Interessantes Beispiel. Aber es erklärt nicht, was Sie mit Ihrer Aussage «Feminismus hat nichts mit Emanzipation zu tun» meinen.
Damit meine ich, dass Feminismus nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat. Die Emanzipation hat sich zu einem destruktiven Anspruchsverhalten entwickelt. Also zu einer Privilegierung der Frauen auf Kosten der Männer.

Wofür setzen Sie sich konkret ein?
Wir Antifeministen setzen uns für richtige Gleichberechtigung ein, es geht uns darum, aufzuzeigen, dass es noch zahlreiche Bereiche gibt, in denen es noch extrem ungerecht zu und her geht.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel das Scheidungsrecht. Wir bekommen haufenweise Mails von verzweifelten Vätern, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Die von ihren Frauen erpresst werden. Dabei geht es doch in erster Linie um das Wohl des Kindes. Kinder brauchen auch Väter. Wenn sich Eltern nicht mehr ausstehen, kann doch das Kind nichts dafür. Die Vater-Kind-Beziehung wird vom Gesetz zu wenig geschützt.

Wofür setzen Sie sich sonst noch ein?
Es gibt verschiedene Bereiche, in welchen es keine Gerechtigkeit gibt. Ein Beispiel ist das Rentenalter: Wieso etwa müssen Frauen weniger lang arbeiten als Männer, zumal die Männer im Durchschnitt sowieso früher als Frauen sterben? Das ist doch unfair. Und wieso müssen Frauen keinen Militärdienst leisten? Das ist doch ein Ungleichgewicht.

Frauen sollten Ihrer Meinung nach also auch ins Militär . . .
Ja. Oder meinetwegen eine waffenlose Aufgabe wahrnehmen. Das kann auch eine Art Zivildienst sein. Solange Frauen keinen Militärdienst leisten, können sie doch nicht klagen, sie seien nicht gleichberechtigt.

Wechseln wir das Thema. Auf der Website Ihres Vereins ist zu lesen, dass Ihr Verein und damit auch Sie die Abschaffung von Frauenhäusern fordern.
In diesen Frauenhäusern werden die Frauen oft von Feministinnen unterstützt, sie erhalten Tipps, was sie machen müssen, damit sie bei der Scheidung dem Vater die Kinder wegnehmen können oder besser dastehen vor Gericht. Das kann es nicht sein. Frauenhäuser werden auch über Steuergelder finanziert. Wir sehen nicht ein, wieso diese Hetze gegen den Mann vom Steuerzahler mitgetragen wird.

Aber mal ehrlich: Was soll eine Frau Ihrer Meinung nach denn machen, wenn sie von ihrem Mann ernsthaft bedroht und bedrängt wird? Da sind solche Institutionen doch nicht selten der letzte Ausweg.
Im Grunde wäre das eine sehr gute Sache. Doch leider wird der ursprüngliche Zweck solcher Institutionen nicht mehr gelebt wie ursprünglich angedacht. Zudem gibt es nicht nur häusliche Gewalt gegen Frauen, sondern mehr und mehr auch gegen Männer.

Sie sind die einzige Frau im Vorstand eines Vereins. Ihr Vizepräsident sorgte 2009 für Aufsehen. Damals war er Präsident der SVP der Stadt Luzern und bezeichnete linke Politikerinnen als Vogelscheuchen.
Schauen Sie sich diese Frauen doch an . . . (lacht) Er bezeichnete übrigens nicht alle linken Politikerinnen so.

Eigentlich wollte ich auf etwas anderes hinaus: Die Exponenten Ihres Vereins nehmen kein Blatt vor den Mund. Wird man da nicht angefeindet?
Unser Vereinspräsident René Kuhn wurde schon ganz massiv bedroht. Dieses Jahr planen wir einen Antifeministentreff. Da wird sicher auch Polizei vor Ort sein, da wir mit Demonstranten rechnen müssen. Leider verstehen unsere Gegner etwas falsch: Antifeminismus ist nicht gleichzusetzen mit Frauenhass.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.03.2011, 21:39 Uhr

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