Motorendröhnen für Oldtimer-Liebhaber

Am Wochenende strömten Fans von alten Autos, Motorrädern und Flugzeugen ins Oberland. Die Oldtimerclassic des Motor-Sport-Clubs Hittnau geniesst internationale Bekanntheit.

Alte Autos und Motorräder waren an der Oldtimerclassic in Hittnau angesagt, und die Besucher kamen in Scharen.

Alte Autos und Motorräder waren an der Oldtimerclassic in Hittnau angesagt, und die Besucher kamen in Scharen. Bild: Christoph Kaminski

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Motoren heulten auf, Räder quietschten, und schon brummten die Oldtimer los. Hoch erfreut zeigten sich die Zuschauer, als an der Oldtimerclassic vom Wochenende in Hittnau Publikumsliebling Luigi Taveri (79) mit seiner legendären Honda ebenfalls auf dem Rundkurs unterwegs war. Unter der Kategorie «Motorräder 50 bis 350 Kubik» lenkte der dreifache Motorrad-Weltmeister zusammen mit anderen bekannten und unbekannten Kollegen sein Motorrad durch die Strecke. Gekonnt lag er in die Kurven. Es war wie Musik für viele Ohren, als er seiner Honda das ersehnte Motorenbrummen entlockte. Sportlich und schnell fuhren natürlich die Teilnehmer allesamt – sofern der Zustand des alten Gefährts dies überhaupt zuliess.

Schwärmerei und Faszination

Auch das Herz von OK-Präsident Christian Brunner schien beim Anblick der fahrenden Akteuren höherzuschlagen. Er betonte jedoch: «Bei unseren Läufen geht es um nichts. Nicht um Käse, nicht um Wurst und nicht mal um die Ehre.» Die Teilnehmer seien lediglich zum Spass hier. Doch die Aussage, dass es an der Oldtimershow so ganz um gar nichts ginge, schien doch etwas untertrieben zu sein. Den Teilnehmern wie auch den Zuschauern stand die Schwärmerei und Faszination für Oldtimer ins Gesicht geschrieben.

Schon auf den Besucherparkplätzen waren spezielle Zwei- und Vierräder zu sehen. Da stand ein Cadillac-ähnlicher Schlitten, komplett mit braunem Leder überzogen, dahinter ein Porsche älteren Semesters, links davon ein alter Mercedes, daneben ein Ferrari und eine Corvette. Angereist kamen die Besucher und Teilnehmer auch mit Wohnmobilen. «Sie schlafen aber lieber draussen im Zelt, um ihrem Motorrad drinnen Platz zu machen», lachte OK-Mitglied Urs Frei. Kein Thema war dieser Tausch für Silke und Dirk aus Deutschland. Sie seien bereits seit drei Wochen mit ihrem Wohnmobil in der Schweiz unterwegs. Ihr mitgebrachtes BMW-Gespann von 1952 mit 600 Kubik erhielt Platz im Anhänger und nicht im Wohnmobil. Auf den Anlass aufmerksam gemacht wurde Dirk durch einen Bekannten. Dieser arbeitete als Hauswart beim Sauber-Team in Hinwil. Vor zwei Jahren nahm er an der Oldtimerclassic allein teil. «Heute fahre ich mit meiner Schmiermaxe», erzählt er und lächelt dabei seine Partnerin liebevoll an. Der Begriff Schmiermaxe sei entstanden, als der Beifahrer noch die Kette schmieren musste.

Starten und landen auf der Kuhweide

Nicht weniger liebevoll, dafür aber etwas holprig, ging es auf dem Flugplatz am anderen Ende des Geländes zu und her. «Unsere Start- und Landepiste ist eigentlich eine Kuhweide», lachte Reto Seitz. Er nennt ein «Minicab GY20», Jahrgang 1950, sein Eigen. Als Fünfjähriger sei er zum ersten Mal mit seinem Vater mitgeflogen. 33 Jahre später absolvierte er seine ersten Flugstunden. Ein grosses Passagierflugzeug zu fliegen, reize ihn nicht. «Mit dem Oldtimer kann ich machen, was ich will», so Seitz. Pilot Hansueli Binz (67) kam aus Buttwil AG angeflogen und erinnerte mit seinem Fliegerkombi optisch an den Hauptakteur im Film «Top Gun». Ganz wie Tom Cruise trug er über dem Kombi eine Lederjacke. Ebenfalls wie im Film trug er eine Fliegerbrille. Etwas besorgt schaute er zu den aufziehenden Wolken: «Nach dem Formationsflug werde ich gleich gegen Westen nach Hause fliegen.» Eine halbe Stunde vor Beginn des Formationsflugs gab Reto Seitz dem «wilden Haufen» noch die letzten Anweisungen. Dann endlich wurden die Flugzeugmotoren angeworfen. Hansueli Binz drehte den Propeller seiner Maschine von Hand in die richtige Position, bevor auch er zum Abflug auf der Holperpiste ansetzte.

Der Motorenlärm wurde von den Zuschauern auch hier mit Begeisterung aufgenommen. Sehnsüchtig verfolgten die Besucher mit Fotokamera oder Feldstecher den Flug ihrer Lieblinge Cessna, Piper Jodel und Co. Das älteste Modell von Hersteller Comte in der Schweiz trug gar den Jahrgang 1930.

Zuschauer wie Organisatoren erlebten nicht nur eine aussergewöhnliche Flugdemonstration, sondern insgesamt zwei unvergessliche Tage. Allerdings blieb auch die diesjährige Classic nicht von Unfällen verschont. So schlimm wie vor zwei Jahren, als ein Streckenposten starb, war es aber nicht. Am Samstagmorgen ereignete sich auf einer Besichtigungsfahrt jedoch ein Unfall, bei dem ein Motorradfahrer stürzte. Dabei wurde er mittelschwer verletzt und musste ins Spital transportiert werden. Insgesamt verfolgten 4500 Zuschauer den Anlass. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 20:29 Uhr

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