Pädophiler hat bei ICF Kindergottesdienste geleitet

Der 29-Jährige Kleinkindererzieher, der vier Mädchen missbraucht hat, hat sich nicht nur bei der Arbeit mit Kindern umgeben. In seiner Freizeit organisierte er Kindergottesdienste und bot sich als Babysitter an – obwohl er dies nicht durfte.

Freikirchler: Der verhaftete Markus L.

Freikirchler: Der verhaftete Markus L.

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«Ich bin immer fröhlich, aufgestellt und ein gemütlicher Mensch.» So preist sich Markus L. (Name geändert) auf einer Online-Plattform für Teenager an. Der Verfasser ist 29 Jahre alt und wohnt in einer Stadt im Zürcher Oberland. Seit zwei Wochen sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, vier Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Das jüngste war erst eineinhalb Jahre alt.

Staatsanwalt Ulrich Weder bestätigt, dass eine der Tathandlungen in der Kinderkrippe Purzelbaum in Volketswil passiert ist. Dort hat sich L. an einem zweieinhalbjährigen Mädchen vergangen, das er hätte betreuen sollen. Der ausgebildete Kleinkindererzieher war in der Tagesstätte angestellt, die vom freikirchlichen Pastor Ernst Vögeli gegründet wurde.

Krippe sucht christliche Bewerber

Laut Notfallpsychologe Herbert Wyss, der von der Krippe mit der Kommunikation betraut wurde, ist die Tagesstätte organisatorisch unabhängig. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder ist aber in der Christlichen Gemeinde Volketswil (CGV) engagiert. Die Krippenleitung sucht für die Stelle, die seit der Verhaftung von Markus L. frei ist, ausdrücklich nach Bewerbern, die «Glaube an Jesus Christus» mitbringen. Verbreitet wird die Stellenausschreibung vor allem über evangelikale Internetportale.

L. erfüllte das Anforderungsprofil offenbar. Wie Recherchen von Tagesanzeiger.ch zeigen, war der 29-Jährige auch Mitglied der evangelikalen Freikirche International Christian Fellowship (ICF). Bei der Oberländer ICF-Filiale ist der Verhaftete bestens bekannt. Wie Sprecher Daniel Linder auf Anfrage bestätigt, hat Markus L. auch bei ICF den Kontakt zu Kindern gesucht. Die Freikirche bietet Gottesdienste für Kinder aller Altersgruppen an («Baby World», «Milky Way», «Kids Planet»). Seit etwa einem halben Jahr hat L. eine dieser Gruppen in Wetzikon betreut. Gruppenbetreuer seien aber nie mit Kindern allein, sagt Linder. «Wir gehen davon aus, dass bei ICF nichts passiert ist.»

L. hat gegen Weisungen verstossen

Fest steht: Indem er auch in seiner Freizeit mit Kindern zu tun hatte, verstiess L. gegen eine Weisung der Kinderkrippe Purzelbaum, die dies verbietet. Wie Sprecher Wyss erklärt, verlangt die Krippe von ihren Mitarbeiter, dass sie das Vertrauensverhältnis zu den Eltern nicht ausnutzen, indem sie beispielsweise auf privater Basis am Wochenende Kinderhütedienste anbieten. Sinn der Regel: Missbräuche verhindern.

In einem Babysitter-Inserat auf dem Elternportal Liliput.ch, das vom 1. November datiert, hat sich Markus L. aber gar noch mit seiner Arbeitsstelle geschmückt: «Ausgebildeter Erzieher hütet eure Kinder», heisst es darin. Er arbeite in der Kinderkrippe Purzelbaum und habe «ein sehr grosses Herz für Kinder».

Verschiedene Gelegenheiten

Ob L. auch Mädchen missbrauchte, die er hätte hüten sollen, ist derzeit nicht bekannt. Kinderkrippe und Freikirche waren aber nicht die einzigen Orte, an denen Markus L. mit Kindern zu tun hatte. Gemäss Staatsanwalt Ulrich Weder waren es verschiedene Formen, die zur Betreuungssituation geführt haben.

Die Ermittler sind derzeit daran, das kinderpornografische Material zu sichten, das auf der Festplatte von L.s sichergestelltem Computer gefunden wurde. Der 29-Jährige hat seine Taten mit Foto- und Videokamera festgehalten. Er gab auch zu, solches Material aus dem Internet herunter geladen zu haben. Dies war offenbar der Fehler, der zu seiner Verhaftung geführt hat: Der Hinweis an die Kantonspolizei kam von der Nationalen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität.

Erstellt: 24.03.2011, 17:09 Uhr

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