Rütis neue Bibliothek kam trotz Kampagne durch

Relativ knapp haben die Rütner gestern den Kredit für eine neue Bibliothek abgesegnet, die dreimal grösser wird als die alte.

Dreimal so gross wie heute: In den neuen Räumen werden auf 750 Quadratmetern 22'000 Medien zur Verfügung stehen.

Dreimal so gross wie heute: In den neuen Räumen werden auf 750 Quadratmetern 22'000 Medien zur Verfügung stehen. Bild: PD

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Lediglich 54 Prozent der Stimmenden in Rüti haben gestern Ja gesagt zum Bibliotheksprojekt in der Überbauung Schanz. Dabei hatte es im Vorfeld lange so ausgesehen, als habe dieses kaum Feinde; sowohl die Politische als auch die beiden Schulgemeinden begrüssten es deutlich, genauso wie alle Parteien ausser der SVP. Doch dann kam die Wende: Rund zwei Wochen vor der Abstimmung verteilte das anonyme «Komitee Rütner Steuerzahler» ein Flugblatt in alle Haushalte, in dem das Projekt scharf kritisiert und als «überrissen» bezeichnete wurde. Wenig später doppelte die SVP ebenfalls mit einem Flugblatt gegen die Vorlage nach.

Diese umfasst einen einmaligen Investitionskredit von 813'000 Franken und jährlich wiederkehrende Bruttokosten von 555'100 Franken. Die neue Bibliothek wird mit einer Fläche von insgesamt 750 Quadratmetern dreimal so gross wie die jetzige im denkmalgeschützten Amthaus. Sie soll über mehr als 22'000 Medien verfügen, im Pool inklusive dem Bestand der Schulbibliotheken sind es gar 33'000.

Die Rolle der SVP

Über die Gründe für das relativ knappe Ja wollte Gemeindepräsident Anton Melliger (CVP) gestern nicht spekulieren. Für ihn zähle das Ergebnis. Zur Frage, ob das anonyme Flugblatt die Entscheidung der Rütner beeinflusst habe, sagte er: «Möglicherweise hat es die Meinung der Personen um die Partei, der das Flugblatt zugeschrieben wird, gefestigt.»

Damit spielt Melliger auf die Rolle der SVP an; die Argumente auf ihrem Flugblatt waren praktisch identisch mit jenen auf dem anonymen Flugblatt. Das «Komitee Rütner Steuerzahler» hatte ausserdem als Absender eine Adresse angegeben, an der die Firma Maschinenring ihren Sitz hat – und diese wiederum wird von SVP-Bezirkspräsident Martin Suter geleitet. SVP-Ortspräsident Christian Klambaur kommentierte das gestrige Resultat so: «Die Bevölkerung hat sich zwar für die neue Bibliothek entschieden, aber das knappe Ja zeigt, dass die SVP viel Unterstützung bekommt.» Die Partei wolle ja auch eine grössere Bibliothek, «nur nicht eine so grosse». Das Engagement für die Bibliotheksvorlage war im Vorfeld spärlich gewesen. Abgesehen von den drei Flugblättern – die CVP hatte ebenfalls eines verteilt, allerdings mit der Ja-Parole – begnügten sich die restlichen Parteien mit kurzen Stellungnahmen. Gemeindepräsident Melliger zeigte sich darob nicht überrascht. «Ich bin das gewohnt. Viele tun sich eben schwer damit, ihre Meinung deutlich zu äussern.»

Ein Dürntner Nein würde teuer

Rüti will seine neue Bibliothek im Verbund mit Dürnten betreiben. Zumindest aus Rütner Sicht steht dem nichts im Weg. 66 Prozent der Stimmberechtigten sagten Ja dazu. Der Anschlussvertrag mit Dürnten ist jedoch noch nicht gesichert. Über diesen entscheidet die Nachbargemeinde an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni. Sagen die Dürntner Nein, muss Rüti die Kosten für die erweiterte Bibliothek allein tragen.

Erstellt: 15.05.2011, 23:36 Uhr

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