Verband Schweizer Musikschaffender am Ende

Nach dem Tod des Geschäfts- führers hat der Verband Schweizer Musikschaffender (VSM) in Dübendorf Insolvenz angemeldet. Der Rettungsversuch ist damit gescheitert.

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«Am Dienstag habe ich beim Bezirksgericht Insolvenz angemeldet», sagt Richard Bystricky, der in den vergangenen Wochen das Erbe des Verbands Schweizer Musikschaffender (VSM) verwaltete. Die ausserordentliche Generalversammlung hatte diesen Schritt Ende Oktober einstimmig beschlossen. Damit ist das Schicksal der Verbands mit Sitz in Dübendorf besiegelt. Der VSM, der sich über Jahre für die Förderung unbekannter Musiker einsetzte, wird aufgelöst. Damit ist auch das Label Helvetic Production und der Vertrieb Swiss Music Pool am Ende.

In Turbulenzen geriet der VSM nach dem unerwarteten Tod des Geschäftsführers Heiri Dürst Ende August. Zwar verfügte der Verband mit seinen 80 Mitgliedern über einen Vorstand, letztlich liefen aber alle Fäden ins Dürsts Büro an der Oskar-Bider-Strasse zusammen. «Der VSM war eine One-Man-Show», bringt es Bystricky auf den Punkt, der selbst im Vorstand sass und beim VSM in der Vergangenheit immer wieder unentgeltlich aushalf. Nach dem Tod Dürsts nahm der Dübendorfer Zahntechniker zwei Monate unbezahlten Urlaub. «Ich wollte den VSM retten», gibt er an.

Doch dies gestaltete sich schwieriger als anfänglich gedacht. Denn Bystricky kannte weder die finanzielle Situation, noch konnte er auf die Konti des Verbands zugreifen. Dabei war er im Zugzwang: Dürst verstarb zwei Wochen vor dem Dübendorfer Dorffest, an dem der VSM mit einem grossen Zelt und Livemusik vertreten sein sollte. Über Einzelheiten wusste niemand Bescheid. Bystricky musste dem Passwortschutz für den Computer aushebeln – was auch kein Licht ins Dunkel brachte. «Bei Dürst basierte alles auf mündlichen Abmachungen, Verträge gibt es fast keine.» Letztlich konnte der Auftritt am Dorffest inklusive Pannen einigermassen über die Bühne gebracht werden, weil ein am Fest beteiligter Beizer und Bystricky Geld einschossen.

Seit einigen Wochen nun ist die finanzielle Situation des Verbands klar: Auf den Konti befanden sich nur ein paar hundert Franken. Dazu kam die unübersichtliche Buchführung. «Tagelang durchforstete ich zusammen mit einem Helfer zwei Schränke voller Ordner, es war ein Chaos», erinnert sich Bystricky. Am Schluss konnte niemand sagen, ob noch Gläubiger mit Forderungen an den VSM herantreten würden. Gleichzeitig kam heraus, dass diverse Mitglieder dem Verband noch Geld für bezogene Dienstleistungen schuldeten.

Heute ist das VSM-Büro fast leer geräumt, Ende November wird hier alles dicht gemacht. Die meisten Bands haben ihre vom VSM produzierten CDs abgeholt. Auf den Schreibtischen, wo sich früher das Promotionmaterial stapelte, liegen noch ein paar Notizzettel. Bystricky zieht an seiner Zigarette und sinniert: «Es ist ein Verlust für die Schweizer Musikszene, dass der Verband aufgelöst wird.» Auch wenn zuletzt nicht immer alles optimal gelaufen sei, könne man mit der Förderung von Newcomern, mit Managament-Verträgen und dem Pressen von CDs nach wie vor Erfolg haben und Geld verdienen.

Zurück bleibt Enttäuschung

Nachdem nun der grösste Teil der Arbeit erledigt ist, freut sich Bystricky rückblickend über spontane Hilfe von Mitgliedern wie auch von Personen, die vorher nichts mit dem VSM zu tun gehabt hatten. Doch zurück bleibt auch Enttäuschung. Gerade Bands, die am meisten vom VSM profitiert hätten, seien nicht an der Beerdigung erschienen. Auch seien «sogenannte Freunde» unmittelbar nach Dürsts Tod mit Geldforderungen an ihn herangetreten. «Und andere Musiklabels wollten nur die Bands übernehmen, nicht aber dem VSM helfen», meint Bystricky konsterniert. Dennoch will es der 39-Jährige nun selbst versuchen. Mit der Plattform Crossmusic bietet er Band-Management, CD-Pressungen und Promotion an. VSM-Mitglieder können die Dienstleistungen gratis in Anspruch nehmen. «Aber jetzt gehe ich erst einmal in die Ferien, die habe ich nötig.»

www.crossmusic.ch

Erstellt: 12.11.2008, 23:25 Uhr

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