Wikipedia lässt über Kyburg rätseln

Die Informationen zu Gemeinden sind erstaunlich aktuell – manchmal aber auch dürftig. Offensichtlich greifen häufig Kenner in die Tasten: So wird Uster als «lebendige Stadt hinter der Barriere» bezeichnet.

Kein Thema für Wikipedia: In der Gemeinde steht eine mittelalterliche Burg, doch das Internetlexikon nur spärliche Informationen über die Gemeinde Kyburg.

Kein Thema für Wikipedia: In der Gemeinde steht eine mittelalterliche Burg, doch das Internetlexikon nur spärliche Informationen über die Gemeinde Kyburg. Bild: TA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Seiten der Oberländer Gemeinden im Internetlexikon Wikipedia sind nahezu uniform. Blickt der Internetnutzer genauer hin, zeigen sich aber eklatante Unterschiede: Während die Wissenshungrigen über die Stadt Uster auf mehreren Seiten sehr viele Hintergrundinformationen zu Politik und Geschichte erhalten, können sie sich beispielsweise nach dem Lesen der spärlichen Informationen über Fehraltorf oder Kyburg nicht wirklich ein Bild von den Gemeinden machen. Bei einigen Gemeinden sind die Einträge unter den einzelnen Rubriken unvollständig und schlecht strukturiert. Und obwohl die Gemeinden ihre Wikipedia-Einträge nicht aktiv bewirtschaften, sind die Informationen erstaunlich aktuell – mit wenigen Ausnahmen. In Seegräben etwa ist laut Wikipedia noch immer Pierre Derron Gemeindepräsident – das Stimmvolk wählte seine Nachfolgerin Marlis Schmalzl (SVP) im zweiten Wahlgang im Juni 2010.

Es gibt aber auch manches zum Schmunzeln: So ist der Beschrieb der Gemeinde Volketswil auch für die internationalen Internet-Nutzer gedacht: «Die Amts- und Verkehrssprache ist Deutsch, welche im alltäglichen Umgang überwiegend als Zürichdeutsch gesprochen wird», steht da unter der Rubrik «Sprachen». Oder wer hätte gewusst, dass in Uster, notabene der drittgrössten Stadt im Kanton, lediglich eine Lichtsignalanlage steht? Die Kreiselstadt lässt grüssen – und wird auch als solche beschrieben, nebst einer weiteren Bezeichnung aus den 1980er-Jahren, in Anlehnung an die überregional bekannten zehn Bahnübergänge, die oft geschlossen sind: «Uster – die lebendige Stadt hinter der Barriere».

Walder Turm ist ein Thema

Auch auf aktuelle Themen gehen die Wikipedia-Autoren bei einzelnen Gemeinden ein: so in Wald, wo die kontroverse Diskussion um die geplante Installation des 18 Meter hohen Turms in der Hueb im Internet Erwähnung findet. Beim Beschrieb der Gemeinde Weisslingen ist die Fluglärm-Problematik thematisiert. Und auch die geplante Lückenschliessung der Oberlandautobahn findet im Onlinelexikon Eingang.

Eine Umfrage ergab, dass sich die Gemeinden nicht explizit um «ihre» Einträge auf der Wissens-Plattform kümmern. «Wir schauen uns die Seite zwar regelmässig an, wollen den Inhalt aber nicht beeinflussen», sagt etwa Hansjörg Baumberger, Stadtschreiber in Uster. Wenn man allerdings feststelle, dass eine Information nicht stimme, dann werde man sicher versuchen, diese zu korrigieren. Primär kümmere sich seine Belegschaft aber um die Website der Stadt. «Ich bin überzeugt, dass sich eine Mehrheit auf der offiziellen Internetseite über unsere Stadt informiert.» So entdecken Internetnutzer beispielsweise im neuen Online-Auftritt der Ordnungshüter, dass der Rücktritt des Weibels im Jahre 1946 die Geburtsstunde der Ustermer Stadtpolizei war.

«Schweizweit einzigartiges Projekt»

In Wetzikon hat man gleich ein eigenes «Wiki» aufgeschaltet. Auf der Seite www.wetzipedia.ch finden die Nutzer Informationen über die Geschichte der Oberländer Stadt. Die Basis dafür lieferte die ortsgeschichtliche Datenbank. Das Online-Ortsgeschichtsarchiv funktioniert wie seine grosse Schwester, die Wikipedia-Enzyklopädie – und gleicht ihr auch im Erscheinungsbild: Seit rund einem Jahr stellen die Autoren eigene Reportagen, Bild- und Tondokumente dort ins Netz. Wie die Gemeinde bei der Gründung der Plattform mitteilte, entstand so ein «schweizweit einzigartiges Projekt».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.02.2011, 09:46 Uhr

Wikipedia

Ein freies Lexikon

Das frei zugängliche Internetlexikon Wikipedia hat seinen Sitz in San Francisco. Das «Nachschlagewerk» wurde vor zehn Jahren mit dem Ziel gegründet, eine Universal-Enzyklopädie durch freiwillige und ehrenamtliche Autoren aufzubauen. kurz, wer etwas zu einem Thema beizutragen hat, kann sein Wissen kostenlos zur Verfügung stellen und unter dem entsprechenden Stichwort einen Beitrag «posten». Das ist für jedermann leicht und ohne technische Vorkenntnisse machbar. Die im März 2001 gegründete Wikipedia in deutscher Sprache ist eine von vielen Ausgaben. Mit über 1 Million Artikeln ist sie weltweit die zweitgrösste Wikipedia nach der englischen, die über 3,5 Millionen Artikel enthält. Dank ihrer Unabhängigkeit geniesst Wikipedia Akzeptanz, ist allerdings nicht immer fehlerfrei. Ihr Gründer Jimmy Wales wurde Ende Januar in Rüschlikon mit dem Gottlieb-Duttweiler-Preis ausgezeichnet. (mm)

Artikel zum Thema

Das Märchen geht weiter

Die Ustermerin, die sich aus dem Publikum unter die grössten TV-Talente gesungen hat, ist im Halbfinale. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Kaffee – von der Produktion bis zur Wiederverwertung

Der Kaffee von Nespresso mag zwar auf einer Plantage am anderen Ende der Welt wachsen, zuletzt landet er jedoch auf Schweizer Äckern als Dünger.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...