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Oetwiler sammeln Geld für Afrika

Oetwil - Entwicklungshilfe zu leisten, hat in der 4000-Seelen-Gemeinde Oetwil Tradition. Auch wenn der Ausländeranteil in der Gemeinde mit rund einem Drittel hoch ist und nicht alle alteingesessenen Oetwiler begeistert sind, wenn zusätzliche Gelder für Hilfe in der Fremde benötigt werden. «Viele Leute verlassen von sich aus die Parteilinie, wenn es um humanitäre Angelegenheiten geht», sagt Marianne Rohrer, Präsidentin des Oetwiler 3.-Welt-Vereins, der über 200 Mitglieder zählt.

Ähnlich sieht es auch Vorstandsmitglied Walter Bretscher. Der pensionierte Lehrer erzählt, dass es in Oetwil bereits Schulklassen mit einem Zwei-Drittel-Anteil ausländischer Kinder gegeben habe. Alles in allem sei die Integration der Ausländer im Dorf dennoch auf gutem Wege.

Seit 27 Jahren leistet der 3.-Welt-Verein Entwicklungshilfe. Er sei ihres Wissens nach der einzige im Dorf, der humanitären Aufgaben im Ausland nachgehe, sagt Marianne Rohrer. Seine Mitglieder versuchen in Zusammenarbeit mit der örtlichen reformierten und katholischen Kirche sich für kleinere, effiziente Projekte zu engagieren und Not zu lindern.«Wir unterstützen keine Riesenprojekte, sondern wählen gezielt aus, wen wir unterstützen, und knüpfen vor Ort persönliche Kontakte», sagt die Vereinspräsidentin. Dieses Beziehungsnetz garantiere, dass die Hilfe auch wirklich dort ankomme, wo sie gebraucht werde.

Ein Dankesbrief aus Kamerun an den Verein, datiert vom 28. Juli dieses Jahres, dokumentiert diese Hilfe. Einer der Dorfälteren aus Nkwen, einer Ortschaft im Westen Kameruns, äussert im Schreiben seine Wertschätzung der erhaltenen 14 000 Franken. 8000 Franken seien für ein Grundstück bezahlt worden, 3000 Franken für die Elektrizität und ebenso viel für ein Schulprojekt. Die Siedlung im Grasland könne nun bezogen werden, heisst es zum Schluss.

Der Film lässt kein Klischee aus

Das Afrika-Jahr des Oetwiler 3.-Welt-Vereins fand am vergangenen Freitagabend mit der Vorführung des Films «Moi et le blanc» im Kirchgemeindehaus Oetwil sein Ende. Regisseur Pierre Yaméogo hat die Komödie im Jahr 2003 gedreht. Er stammt aus Burkina Faso.

Burkina Faso - wörtlich: «Land der ehrenwerten Menschen» - gilt bei Fachleuten als bedeutendes Zentrum des afrikanischen Kinos. «Moi et le blanc» erzählt die Geschichte von Mamadi und seinem weissen Kumpel Franck. Der Film lässt dabei kein Klischee aus.

Die böse Pariser Vermieterin setzt Mamadi auf die Strasse. Trotzdem besteht er mit Bravour das Doktor-Examen. Dank einem missglückten Drogendeal kommen Mamadi und Franck zu einigem Geld. Auf der Flucht vor den Dealern verlassen die beiden Paris in Richtung Burkina Faso. Dort wird Franck prompt seines Vermögens beraubt. Mamadi muss erst der korrupten Ortspartei beitreten, um einen Job zu bekommen. Der Film, mit witzigen Dialogen angereichert, endet mit einem Mini-Happy End. Mamadi und Franck führen für ein paar Centimes Eintritt in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend alte Western-Filme vor.

Der Saal war mit rund 40 Gästen gut gefüllt. Diskutiert wurde auch über den Vereinsnamen. Einigen Fachleuten in Sachen Entwicklungshilfe ist der Ausdruck «3. Welt» ein Dorn im Auge. Das Nord-Süd-Gefälle sollte ihrer Meinung nach nicht mittels Abzählung der Welten erfolgen. Marianne Rohrer ist sich der Problematik dieses Begriffs bewusst. «Wir haben lange diskutiert, sind aber zum Schluss gekommen, den Vereinsnamen nicht zu wechseln.» Man müsse nicht alles ändern, was sich im Laufe der Zeit bewährt habe.

Unter den Zuschauern befanden sich viele Jugendliche, vor allem Konfirmanden aus Oetwil. «Für die Konfirmation müssen wir noch Punkte sammeln. Der Filmbesuch ist gleich viel wert wie ein Mal in die Kirche gehen», erklärte die junge Sabrina.

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